Pharmaindustrie

Freiburger Labor TPL Path ist ein Jobmotor

Felix Lieschke

Von Felix Lieschke

Mo, 10. April 2017 um 13:41 Uhr

Wirtschaft

Beim Wettbewerb Jobmotor 2016 zeichnen die Badische Zeitung und ihre Partner außergewöhnliche Unternehmen aus. Einer der Sieger: TPL Path Labs aus Freiburg.

Vom Konferenztisch im vierten Obergeschoss haben Besucher einen guten Blick auf die Reben am Schönberg. Die Fenster sind großzügig, die Dachterrasse, die das Gebäude zu zwei Dritteln umrundet, ebenfalls. Das eine oder andere Fest soll darauf schon gefeiert worden sein – meist, wenn ein neuer Kunde unter Vertrag genommen wurde. Im Sommer stünden dort Sonnenschirme und Liegen für die Mitarbeiter, erzählt Songül Bal, die für die Qualitätssicherung bei dem Freiburger Labor TPL Path Labs zuständig ist. Damit hat Bal eine der wichtigsten Positionen im Unternehmen, denn die Kunden aus der Pharmaindustrie legen besonderen Wert auf hohe Qualität.

1992 hat Helmut Laaff, ein Pathologe, sich selbstständig gemacht. Der Mann, der heute Mitte 50 ist, erzählt das ganz nebenbei. Er kann lange über sein Unternehmen reden. Ein Unternehmen, das mehr aus dem Zufall heraus entstanden ist. Angefangen hat alles mit einem dermato-histologischen Labor: Hautärzte entnahmen Gewebeproben, schickten sie zu Laaff, er untersuchte sie und schickte die Ergebnisse zurück. Das Geschäft damals lief gut. Dann schlug ihm ein Freund vor, auch Tierpräparate in seinem Labor zu untersuchen. Aus der Idee ist 2008 ein zweites Labor entstanden. TPL Path Labs – ein tier-pathologisches Labor.

Bei der Zulassung von Medikamenten geht es immer auch um Geld

Aus damals einem halben Stockwerk sind heute vier Stockwerke in einem Gebäude im Industriegebiet zwischen Freiburg und Schallstadt geworden. Die Auftraggeber sind weltweit verstreut. Sie bestimmen, wie Präparate, die nach Freiburg verschickt werden, aufbereitet werden sollen. Geht es darum, neue Medikamente zuzulassen, geht es immer auch um viel Geld. Die Division Pharma des Basler Pharmariesen Roche verzeichnete in dessen Geschäftsbericht von 2015 einen Umsatz von 37 Milliarden Schweizer Franken. "Es gibt viele Pharmaunternehmen, die ihre Versuche in die USA schicken", erklärt Laaff, "dabei können wir das auch hier in Deutschland machen."

Bis neue Medikamente am Markt platziert werden können, braucht es umfassende Tests in den Jahren zuvor. Erst gegen Ende der Studien werden sie auch in klinischen Studien am Menschen getestet. In den Stadien davor greifen Pharmaunternehmen immer noch auf Tests an Tieren zurück. Gerade bei kleineren Pharmaunternehmen könne es aus Kostengründen sinnvoll sein, Studien an externe Dienstleister zu vergeben, erklärt Andreas Fehler von den Chemieverbänden Baden-Württemberg. "Die Anforderungen an die Studien steigen stetig, dementsprechend steigen aber auch die Anforderungen an externe Dienstleister, die diese Studien betreuen."

Zwei Millionen Proben lagern im Dunkeln

Damit die Pharmaindustrie auch mit TPL Path Labs zusammenarbeitet, braucht es "knallharte Qualitätsstandards. Jeder Schritt einer Studie muss zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar sein", erklärt Laaff. In der Praxis heißt dieser Standard des guten Labors "GLP" (Good Laboratory Practise). Ihn bei TPL umzusetzen ist Songül Bals Aufgabe.

Es braucht Jahre, bei der Pharmaindustrie einen Fuß in die Tür zu bekommen. "Die ersten drei Jahre passiert gar nichts", sagt Laaff, "die Firmen wollen erst sehen, dass ein Unternehmen Bestand hat." Mit seinem ersten Labor konnte er das zweite langsam aufbauen. TPL ist nach Laaffs Worten das einzige Labor in diesem Bereich, das sich ohne externen Investor finanziert. Alles, was eingenommen werde, fließe zurück ins Labor und diene der Finanzierung des Wachstums.

So hat Laaff im April einen neuen Wissenschaftler eingestellt. Dass Tierversuche gesellschaftlich nicht gern gesehen werden, weiß Laaff, und er wird auch nicht müde, das zu betonen. Sein neuestes Teammitglied wird sich darum kümmern, aus Gewebeproben Zellkulturen herzustellen. Laaff hofft, auf diese Weise auf rund ein Drittel der Tierversuche verzichten zu können. Die Grundlage für diese Zellkulturen hat er bereits. In Abstimmung mit der Ethikkommission hat er einen Raum als Archiv ausgebaut. In seiner Gewebedatenbank sammelt er anonymisierte Proben aus seinem ersten Labor. Verdunkelt und gekühlt lagern hier mehr als zwei Millionen Proben – und könnten die Grundlage für diese Zellkulturen werden.

Schwierig, Fachpersonal zu finden

Helmut Laaff ist niemand, der strikten Konventionen folgt – auch nicht in Personalfragen. Er hat sich Mitarbeiter in sein Unternehmen geholt, die ihn in den Visionen unterstützen. So wie die Pharmazeutin Ayse Bal, Songül Bals Schwester. Laaff wollte sie zunächst nur mit einer halben Stelle einstellen. Doch Bal wollte mehr und überzeugte ihn. Heute ist sie die zweite Geschäftsführerin. Bis heute, innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre hat sich der Personalbestand des Unternehmens verdoppelt – auf mittlerweile 30 Mitarbeiter.

Gesucht werden medizinische Fachberufe, wie medizinisch-technische Assistenten oder pharmazeutisch-technische Assistenten. Bal, die heute für das Personalmanagement verantwortlich ist, beklagt, wie schwierig es sei, geeignetes Personal zu finden. Bis zu drei Monate dauere es, bis eine bereits ausgebildete Fachkraft in das Labor eingearbeitet worden ist. Erst dann könne sie selbstständig arbeiten. Fachsprache in der Pharmaindustrie ist Englisch. Dazu wird jeden Mittwochmorgen ein Englischkurs angeboten.

Laaff tut noch einiges mehr, um Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Zehn Tage mehr Urlaub im Jahr als gesetzlich vorgeschrieben, eine betriebliche Altersvorsorge für alle, bezahlte Seminare und Fortbildungen, ein berufsbegleitendes Studium. Dafür erwartet er aber auch Engagement. Wenn eine Studie beendet werden muss, könne es auch mal stressig werden, sagt er. "Da kann es auch mal sein, dass man am Samstag arbeiten muss."

Laaff hat Fuß gefasst in der Branche. Sein Ziel für die Zukunft heißt Wachstum. Rund 100 bis 120 Mitarbeiter möchte er innerhalb der kommenden fünf Jahre einstellen.

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