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04. Juli 2012 20:40 Uhr
BZ-Interview
Freiburger Gerichtsvollzieher: "Manchmal kann es schon happig werden"
Zwangsräumungen führen immer wieder zu heftigen Konflikten. Wie jetzt in Karlsruhe gibt es sogar Gewaltausbrüche. Friedrich Kempter, Obergerichtsvollzieher beim Amtsgericht Freiburg, über die Gefahren seines Berufes.
BZ: Herr Kempter, wie gefährlich ist das Dasein als Gerichtsvollzieher?
Friedrich Kempter: Im Allgemeinen würde ich den Beruf nicht wirklich als gefährlich bezeichnen. Denn jeder Gerichtsvollzieher hat seinen festen Bezirk und kennt seine Kundschaft. Wer Schulden hat, hat in der Regel mehrere Gläubiger. Häufig geht man also zu bekannten Menschen. Natürlich hat man immer wieder mit Leuten zu tun, die nicht zahlen wollen. Aber da ist vor allem Überzeugungsarbeit gefragt.
BZ: Gerichtsvollzieher müssen ja nicht nur Geld bei Schuldnern eintreiben. Was ist mit Pfändungen, Zwangsräumungen?
Kempter: Zwangsräumungen sind Spezialfälle. In Freiburg erlebt man so etwas ein-, zweimal im Monat. Mit wem man es da zu tun bekommt, weiß man vorher oft nicht. Das kann schon manchmal happig werden.
BZ: Was meinen Sie mit happig?
Kempter: Ein Kollege hat bei einer Zwangsräumung den Schuldner im Keller gefunden. Der hatte sich erhängt. Bei einer anderen Zwangsräumung hat der Schuldner seine Wohnung mit Gas in die Luft gesprengt.
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BZ: Bei Problemfällen können Sie als Gerichtsvollzieher die Polizei hinzuziehen.
Kempter: Im Normalfall sind wir alleine unterwegs. Wir sind Einzelkämpfer. Aber es kommt vor, dass man die Polizei zu einem Räumungstermin direkt dazubestellt. Etwa wenn der Gläubiger uns im Voraus sagt, dass der Schuldner gewalttätig ist oder einen großen Rottweiler hat.
BZ: Wie schützen Sie sich bei ihrer Arbeit vor Gewalt?
Kempter: Es gibt Fortbildungen vom Oberlandesgericht. In einem Polizeitraining erfährt man, wie man sich in einer Schuldnerwohnung am besten verhält, wenn es eng wird. Da lernt man, dass man immer so stehen soll, dass man schnell abhauen kann. Ich habe bisher noch keine Fortbildung besucht. Bei einer Zwangsräumung bin ich ja auch nicht alleine. Im Normalfall ist der Gläubiger dabei, Spediteure, jemand von der Stadt. Allein deshalb habe ich noch nie Sorgen gehabt, dass mir wirklich etwas passiert.
BZ: Sind Sie in Ihrer Ausbildung auf die Risiken des Berufes vorbereitet worden?
Kempter: Vor zwanzig Jahren gab’s da nichts. Doch – einen halben Nachmittag lang war jemand von der Polizei da und wir haben Rollenspiele gemacht. Der Rest war Learning by Doing.
BZ: Was ist die unerfreulichste Aufgabe in Ihrem Beruf?
Kempter: Das sind die Zwangsräumungen. Besonders, wenn es eine Familie trifft und kleine Kinder dabei sind.
BZ: Und die angenehmste Aufgabe?
Kempter: Die gibt es nicht. Wir können es niemandem Recht machen: Der Gläubiger will immer mehr Geld, als wir bringen können, und der Schuldner kann nicht oder will weniger zahlen. Positive Rückmeldungen gibt es in unserem Beruf nicht. Damit muss man leben können.
BZ: Ihr Beruf birgt Gefahren und hat ein schlechtes Image. Warum sind Sie Gerichtsvollzieher geworden?
Kempter: Ein Vorteil ist der Beamtenstatus. Außerdem sind wir in unserer Tagesgestaltung sehr frei. Die Aufträge in unserem Bezirk müssen wir zwar erledigen, aber wann und wie wir das machen, bleibt uns überlassen.
Autor: Charlotte Janz



