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28. April 2012

Schliengen-Mauchen

Weingut Lämmlin-Schindler: Tropfen zur Entschleunigung

Im Mauchener Weingut Lämmlin-Schindler hat sich Inhaber Gerd Schindler konsequent dem ökologischen Anbau verschrieben. Am liebsten baut er die rassigen, säurebetonten Weine an, die durch Lebendigeit und Fülle überzeugen.

  1. Ausgezeichneter Apéritif: der Spätburgunder Rosé als Spätlese Foto: Michael Wissing

  2. Winzer Gerd Schindler: „Es gibt immer Dinge zu optimieren“. Foto: Micahel Wissing

Es sind die rassigen, säurebetonten Weine, die durch ihre Lebendigkeit und Fülle überzeugen, die Gerd Schindler am liebsten ausbaut. "Mich fasziniert die Vielfalt im Weinanbau, so, wie mich die Vielfalt in der Natur begeistert", erzählt der Winzer, der das Weingut Lämmlin-Schindler 1995 von seinen Eltern übernahm. Die Familie Lämmlin betreibt schon seit dem 17. Jahrhundert Weinbau in Mauchen, diesem herrlich idyllischen und sehr versteckt gelegenen Ort im südlichen Markgräflerland. Der engagierte und meinungsfreudige Winzer ist ein "Entschleuniger", der schon früh von der zusätzlichen Vielfalt in den Reben des ökologischen Weinbaus überzeugt war und diese Biodiversität als Geschenk der Natur und nicht als notwendiges Übel betrachtet.

"Das Qualitätsniveau, das man sich vornimmt, ist ja nie statisch. Es gibt immer Dinge zu optimieren, das ist so spannend: das Ungewisse in der Natur und das, was sich seit Jahrmillionen entwickelt hat. Daran möchte ich ein wenig teilhaben", erläutert Schindler seine Philosophie. Das Markgräflerland ist ja die traditionelle Heimat des Gutedels. Lämmlin-Schindler beweist Jahr für Jahr, dass sein leichter und großartig filigraner Gutedel zu den Besten des Landstrichs gehört. "Wir versuchen, aus dem Gutedel eine Spezialität zu machen", sagt er. Der 2009 Gutedel Kabinett trocken gewann im April 2010 den ersten Platz im Gutedel-Cup in der Kategorie "International". Schindler ist auch stolz auf die Initiative von acht Markgräfler Weingütern und einer kleinen Winzergenossenschaft, die gemeinsam den "Grünen Markgräfler" kreiert haben, einen Gutedel, der nach streng kontrollierten und selbst festgelegten Regeln und doch so ganz individuell von jedem Erzeuger ausgebaut wird. Die spritzige gärungseigene Kohlensäure, der moderate Alkoholgehalt, die harmonische Säure und der geringe Restzucker machen diesen Wein zu einem idealen Begleiter im Sommer.

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Im Jahr 2006 wurde Lämmlin-Schindler Mitglied im Verein Deutscher Prädikatsweingüter. Seit den Zeiten des Großvaters von Gerd Schindler liefern einige wenige Winzer ihre Trauben ins Weingut. Natürlich werden auch die zugekauften Trauben ohne Unkrautvertilger angebaut. Der Ausbau dieser Weine erfolgt getrennt.

DAS WEINSORTIMENT

Nur 25 Prozent seiner Anbauflächen sind mit Gutedeltrauben bepflanzt. Bei Lämmlin-Schindler stehen die Burgundersorten im Vordergrund. Der fruchtig feine Weißburgunder, trocken und nicht trocken, als Kabinett und Spätlese ist der bestverkaufte Wein des Guts, wobei der trockene Weißburgunder Kabinett 2010 im Jahr 2011 eine Bioweinpreisempfehlung erhielt. Wenn es die Fruchtaromen erlauben, legt Schindler seine vollmundige Grauburgunder Spätlese auch ins Barrique-Fass, das hat ihm eine Auszeichnung beim Internationalen Grauburgunderpreis eingetragen. Der Grauburgunder wird trocken als Kabinett und Spätlese angeboten oder als traditionelle Ruländer Spätlese mit höherem Restzucker. Sehr lebendig, fast knackig ist der bestens verkaufte Chardonnay des Hauses. Der aromatische Gewürztraminer mit seinem typischen Rosenduft erfreut die Liebhaber und hat sein früher eher negatives Image abgeschüttelt.

Baden ist Roséland geworden, groß ist die Zahl hervorragender Roséweine, die hier inzwischen angeboten werden.

Lämmlin-Schindler baut einen herrlich lebendigen Spätburgunder Rosé trocken als "Rosa Markgräfler"aus. Eine milde Spätlese mit prägnanter Säure und wunderbar begleitender Süße ist, wenn sie gut gekühlt serviert wird, eine ausgezeichnete Alternative als Aperitifwein. Den rubinroten Spätburgundern gilt Schindlers Liebe, auch er setzt zunehmend auf Spontanvergärung. Neben seinem frischen, jungen "Blauen Markgräfler" für den täglichen Genuss, macht sich Lämmlin-Schindler für den Spätburgunder Kabinett, trocken stark: "Auch einen leichten Rotwein, mit seinen feinen Kirsch- und Mandelaromen muss es geben, das hat hier doch Tradition", betont Schindler. Brombeer- und Himbeerfruchtaromen dominieren seine Spätburgunder Spätlesen, wobei seine tiefgründige Spätlese "Alte Reben" mit ihren Holunder-aromen das Flaggschiff der roten Burgunderweine ist. 2011 gewann Schindler mit seiner Cuvée aus Blaufränkisch Cabernet Sauvignon und Merlot, seinem "Frauenberg", den internationalen Bioweinpreis in Gold.

IM REBBERG

Schindler kultiviert eine hohe Zahl von Kräutern und Leguminosen in seinen Weinbergen, die Hülsenfrüchtler tragen durch eine Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien besonders zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. "Die mineralstoffreichen Böden des Mauchener Sonnenstücks und Frauenbergs haben einerseits einen hohen Anteil von Löß-Lehm, die den Trauben Kraft verleihen, und Jurakalksteine, die den Weinen ihre Fuchtigkeit und Eleganz verleihen!"

UND SONST NOCH

Drei Viertel aller Kunden sind Stammkunden, wobei auch die Schweizer, und seit kurzem die Franzosen, die Weine von Lämmlin-Schindler schätzen. Natürlich sind die regionalen Gastronomen vom Markgräflerland bis hoch in den Schwarzwald wichtige und überzeugte Abnehmer der Schindlerschen Weinkunst.
»"Weingut Lämmlin-Schindler",
Müllheimer Straße 4, 79418 Schliengen-Mauchen,
Tel. 07635/440, http://www.laemmlin-schindler.de




Autor: Christian Hodeige