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19. September 2013 00:00 Uhr

Co-Working-Zentrum

Der Freiburger Grünhof macht Platz für Büros

Die Freiburger Traditionsgaststätte Grünhof ist Geschichte. Wo früher Schnitzel serviert wurden, werden ab November auf Zeit mietbare Büroplätze angeboten. Angegliedert ist ein öffentliches Café.

  1. Hier wird kein Riegeler mehr gezapft. Aus dem Gasthaus Grünhof in Freiburg wird ein Co-Work-Space. Foto: Ingo Schneider

  2. Helfer schleifen derzeit die Böden im Grünhof ab. Foto: Michael Bamberger

  3. Martina Knittel und Hagen Krohn, die neuen Grünhof-Geschäftsführer. Foto: Michael Bamberger

Seit dem Jahr 1900 steht der Grünhof an der Ecke Belfort-/Schnewlinstraße, nicht weit vom Hauptbahnhof. Jahrzehntelang pilgerten hungrige und durstige Menschen in die kultige Gaststätte im heute denkmalgeschützten Haus. Dann ab 2008 schnelle Wechsel: Umbau, Schwarzwaldschick, mehrere Pächter, 2011 war der Grünhof dicht. Jetzt tut sich wieder was im Erdgeschoss: ein Unternehmen entsteht, das Co-Working-Arbeitsplätze anbietet – und ein Café.

"Im Café werden wir auch warmes Essen anbieten, obwohl wir keine eigene Küche haben", erklärt Luise Schreck (27), zukünftige Leiterin des Cafés. Die Theke und 18 Plätze werden ausgerechnet in der alten Grünhof-Küche eingerichtet mit Terrasse zum Innenhof. Täglich wird es einen Mittagstisch mit regionalen, saisonalen Snacks geben, die eine Cateringfirma liefert. Im Frühjahr soll auch die 110 Quadratmeter große Außenfläche im Innenhof als urbaner Garten mit 60 Plätzen aufmachen.

Seit April wird umgebaut: 35 Quadratmeter für das Café und 210 Quadratmeter für Co-Workspace, also den Arbeitsbereich mit etwa 40 Plätzen. Bis Anfang November soll alles fertig sein – wenn es nach Plan läuft. Den Plan entworfen haben Martina Knittel (31) und Hagen Krohn (33), die eigens die Grünhof GmbH gegründet haben. "Der Hauseigentümer hatte Wind von dem Projekt HUB in Zürich bekommen und mich angesprochen", erzählt Krohn, der dort das soziale Netzwerk HUB mit aufgebaut hat.

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Projekt in Zürich dient als Vorbild

Das sei Vorbild für Freiburg gewesen. Die Idee: Gemeinsames Arbeiten und gegenseitige Hilfen. Selbstständige und Unternehmensgründer können Arbeitsplätze tageweise oder länger mieten. Zusätzlich gibt’s auch einschlägige Beratungsangebote mit Sprechstunden, etwa zu Steuer- oder Buchhaltungsfragen.

Konkret werden acht feste Schreibtische zur Verfügung gestellt inklusive der notwendigen Infrastruktur – und zwar im "Roten Salon" des bisherigen Grünhofs an der Seite zur Belfortstraße. Im alten Gastraum, wo einst Schnitzel mit Brägele serviert wurden, sollen künftig in hellem offenem Ambiente nachhaltige Ideen an flexiblen Arbeitsplätzen sprudeln. Daher bleibt der Raum zunächst leer – die genaue Aufteilung können die Nutzer beim Probearbeiten im Oktober selbst bestimmen. Dazu kommen ein Besprechungsraum und eine Teeküche.

"Wir haben schon 30 Interessenten", so Krohn "aber noch keine Verträge gemacht". Dieses Netzwerkprojekt passe gut ins dynamische Sedan-Viertel, findet der gebürtige Stuttgarter, der in Tübingen Geoökologie studiert hat. Dabei gehe es ihm und Mitgeschäftsführerin Knittel nicht nur darum, klassischen Dienstleistern wie Fotografen oder Grafikdesignern einen flexiblen Arbeitsplatz zu bieten, sondern auch um den persönlichen Lieblingsbereich Nachhaltigkeit: "Wir wollen besonders Leute unterstützen, die sozial, ökologisch und kulturell Ideen haben und Mehrwert schaffen".

In das Projekt investieren die Unternehmer 130 000 Euro aus einem Bankdarlehen. Das nötige Stammkapital von 25 000 Euro steuern sie selbst bei. Der Eigentümer hat die Räume für 140 000 Euro saniert. Ein Mietvertrag über zwei Jahre wurde geschlossen mit Option auf weitere vier. Und was bleibt vom alten Grünhof? Die Telefonzelle im alten Gastraum und der Name. "Uns ist bewusst, dass der Grünhof hier eine lange Tradition hat", sagt Krohn "deshalb soll er als Oberbegriff erhalten bleiben." Nur für das Café werde noch ein neuer Name gesucht.

Die Grünhof-Neueröffnung ist für Freitag, 8. November, vorgesehen. Weitere Infos unter http://www.gruenhof.org oder  0170 / 7737059 . Die Öffnungszeiten des geplanten Cafés sind Montag bis Samstag, 9 bis 19 Uhr. In den Sommermonaten sollen diese Zeiten später erweitert werden.

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Autor: Ursula Thomas-Stein