Specialty Coffee

Teikei Coffee verkauft solidarischen Kaffee aus Mexiko

Deborah Oefner

Von Deborah Oefner

So, 25. März 2018 um 16:33 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Gepflanzt in Mexiko, geröstet in Basel, verkauft in Freiburg: Teikei Coffee arbeitet nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft und will fairen Handeln mit Kaffeegenuß verbinden.

Im Freiburger Café Wilhelm Molke duftet es nach Kaffee. Es ist ein besonderes Produkt, das hier zubereitet und zum Verkauf angeboten wird. Im Regal stehen die kleinen Tüten, hinter denen eine große Geschichte steckt: Teikei Coffee.

Biologischer Anbau, faire Löhne

Das japanische "Teikei" bedeutet zu Deutsch "Solidarische Landwirtschaft" und diesem Prinzip hat sich das gleichnamige Unternehmen aus Freiburg verschrieben. Dies heißt, dass sich Menschen zusammen schließen, um gemeinsam Landwirtschaft zu finanzieren, wie Hermann Pohlmann im Café erklärt. Er hat "Teikei Coffee" im Februar 2016 ins Leben gerufen mit dem Ziel, nicht nur lokal, sondern auch global zu agieren. "Der Kaffee wird in Mexiko nach den Prinzipien der Agroforstwirtschaft angebaut und geerntet und dann per Segelschiff nach Deutschland transportiert." Die nächste Röstung der Bohnen wird in Basel stattfinden, außerdem ist Teikei im Gespräch mit einer Spezialitäten-Rösterei in Hamburg. Die Non-Profit-Organisation setzt sich in erster Linie für eine gerechte Entlohnung der Bauern sowie eine nachhaltige Nutzung der Lebensräume ein, in denen der Kaffee wächst.

Beim Öffnen einer Packung duftet der Kaffee der Sorte Arabica kräftig und würzig mit einem Hauch von Schokolade und Marzipan. "Die erste Frage, die wir den Bauern stellen, ist: ’Wie viel brauchst du zum Leben’? Die zweite ist dann: ’Wie viel kannst du leisten?’", erklärt Pohlmann. "Wir möchten sogar so weit gehen, dass der Verbraucher bestimmt, wie viel er bereit ist, für den Kaffee zu bezahlen und wir dann sehen, was sich damit machen lässt." Kosten, Risiken und Ertrag werden also von Erzeugern und Verbrauchern geteilt – solidarisch eben.

Außerdem lasse sich globales Wirtschaften konventioneller Art mit Nachhaltigkeit schwer vereinbaren. "Beispielsweise wird durch die Container, mit denen Ware verschifft wird, die Biostruktur der Meere negativ beeinflusst", sagt Hermann Pohlmann. Das Segelschiff als Transportmittel schont demnach die Ökosysteme sowie das Klima. Teikei arbeitet momentan mit Bauern dreier Fincas zusammen, die ihre Farmer nach Demeter-Standards ausbilden. Auch ohne das Fair-Trade-Siegel sei Teikei ein Produkt des fairen Handels. "Unsere Arbeitsweise garantiert sogar höhere Fair-Trade-Standards als erforderlich sind", sagt Pohlmann.

Gewinne erziele das Unternehmen keine, sondern es reinvestiere den Erlös in zukunftsfähige Landwirtschaft und neue Projekte. Und: "In dem Moment, in dem sich eine feste Gruppe von Produzenten und Abnehmern gebildet hat, ist eine solidarische Landwirtschaft garantiert unabhängig von der Marktwirtschaft," sagt Pohlmann. Dies sei nicht einfach und erfordere viel Fingerspitzengefühl in der Kommunikation zwischen dem Teikei-Team, den Bauern und den Abnehmern. Er selbst sehe es als eine Aufgabe für die Zukunft. "Die Kleinbauern können gar nicht überleben, wenn wir nicht zu einer anderen Wirtschaftsform kommen", fügt er hinzu.

Qualität ist das Wichtigste

Aber wie will Teikei seine Nische finden? "Natürlich ist die Qualität wichtig für das Bestehen unseres Unternehmens. Wir garantieren einen der hochwertigsten Kaffees, auch specialty coffee genannt", sagt Pohlmann. Ziel sei es, dass sich immer mehr Verbrauchergemeinschaften bilden, die dann gemeinsam den Kaffee beziehen. Derzeit kostet ein Kilo 29 Euro, ab einer Menge von zehn Kilo sinkt der Preis auf 27 Euro.

Von der Schwierigkeit, sich mit Kaffee am freien Markt zu behaupten, berichtet Florian Hammerstein, Geschäftsführer von Original Food in Freiburg. Das Unternehmen fördert seit 2003 den Wildkaffeehandel in der äthiopischen Region Kaffa und gewährt so den nachhaltigen Schutz der Wälder. So konnte es sich mittlerweile erfolgreich am Markt etablieren. "Solidarität ist wichtig, aber allein auf Solidarität könnten wir keine Landwirtschaft aufbauen", erklärt Hammerstein. "Es muss einen persönlicher Vorteil für die Bauern geben. In unserem Fall überschreiben wir den Anteil der Wälder den Bauern, auf dem sie dann wirtschaften." Eine Bio-Zertifizierung sei für ein Unternehmen wie Original Food mit sehr großer Exportmenge unerlässlich, sagt Hammerstein.

Hat die solidarische Landwirtschaft also überhaupt Chancen in der heutigen Wirtschaftswelt? "Selbstverständlich", meint Pohlmann: "Das Prinzip der solidarische Landwirtschaft ist keines, das abnimmt, im Gegenteil. Allein in Japan nutzen mittlerweile etwa 20 Millionen Haushalte Teikei, in Korea sind es um die 600 000", berichtet er. Als er im Jahr 2008 mit einem seiner ersten Projekte in Brasilien begann, seien es acht bis elf andere Projekte dieser Art gewesen: "Mittlerweile sind es fast Hundert." Für die Zukunft plant Teikei, im Gegenzug auch Güter von Deutschland nach Mexiko zu transportieren, so der Gründer: "Momentan denken wir an Speiseöl und Wein."

68 Tage braucht das Segelschiff, bis es im Hamburger Hafen ankommt. Voraussichtlich am 11. Mai soll es soweit sein. Mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens ist Hermann Pohlmann zuversichtlich. Nachdem bei einer Crowdfunding-Kampagne über 40 000 Euro gesammelt werden konnten, geht das Teikei-Team jetzt auf Messen, um sich bekannt zu machen. Das Interesse sei groß, sagt Pohlmann. "Veränderung kommt nicht von selbst", meint er zum Abschluss: "Teikei ist eine Form, aktiv zu werden, die Spaß macht."
Kontakt und Informationen:

Teikei Coffee
Hermann Pohlmann
Moltke Str. 26
79098 Freiburg

teikeicoffee.org