Schelingen im Kaiserstuhl

Weingut Schätzle steht für schonenden Winzerarbeit

Christian Hodeige

Von Christian Hodeige

Sa, 30. Januar 2016 um 00:01 Uhr

Gastronomie

Der zeitintensive, schonende An- und Ausbau bescheren dem Schelinger Weingut Schätzle viel Anerkennung. Fernsehreif war der Auftritt von Franziska Schätzle bei der BZ-Genussnacht auf der Plaza Culinaria.

Die 31 Jahre alte, in Geisenheim ausgebildete Önologin formulierte in klaren Worten die Philosophie des seit 1710 in Schelingen im Kaiserstuhl beheimateten Familienbetriebs. Ihr so sympathisches wie selbstbewusstes Auftreten steht für eine Generation junger Winzerinnen und Winzer in Baden, die in jungen Jahren nicht nur international viel Erfahrung sammeln, sondern sich auch intensiv mit der möglichst schonenden Bearbeitung ihrer Böden und den Spezifika ihrer Lagen auseinandersetzen und den Weinen im Keller viel Zeit lassen, sich zu entwickeln.

An der Seite ihres Vaters Thomas Schätzle praktiziert hier eine Vollblut-Winzerfamilie den Generationswechsel geradezu vorbildhaft. "Wir sind beide verliebt in unseren Beruf, es funktioniert sehr gut zwischen uns. Der Vater hat natürlich die größere Erfahrung, ich vielleicht mehr neue Ideen", sagt Franziska Schätzle schmunzelnd. "Meine Mutter Friederike Schätzle und die Großeltern Gregor und Lore Schätzle sind auch immer noch aktiv dabei in unserem Vier-Generationen-Familienbetrieb." Die Schätzles pflegen eine burgundische Stilistik, gerade die Höhenlagen am Schelinger Kirchberg verhelfen zu Eleganz und Frische. Grauburgunder und Spätburgunder sind die wichtigsten Rebsorten. Die großen Weißweine kommen in 400-l-Holzfässer, liegen lange auf der Hefe und werden erst im Frühsommer abgefüllt. Das macht sie inhaltsreicher und langlebiger. Wenn möglich, wird spontan vergoren. Es werden ausschließlich gesunde Trauben verarbeitet.

Schätzles unterscheiden vier Qualitätsstufen: die "Gutsweine" aus Lössterrassen auch aus den Gemarkungen Oberbergen und Amoltern, die "Ortsweine" mit dem Zusatz "Schelinger" aus den Lössterrassen mit Lehm- oder Tonschichten und Basalt im Untergrund, den "Schatz vom Vulkan", das sind Premier-Cru-Lagen aus kleinen Vulkanterrassen, die ein kühleres Mikroklima aufweisen und "Kirchberg RS", Grand-Cru-Weine aus dem Schelinger Kirchberg, das sind hundert Prozent kleinste Vulkanterrassen mit altem Rebbestand und ausschließlich Spätburgunder, Grauburgunder und Chardonnay. Je höher der Basalt- und Vulkangesteinsanteil der Böden, desto vielschichtiger und komplexer werden die Weine. Hinzukommen für die Qualität der Trauben die Winkel der Sonneneinstrahlung und das lokale Mikroklima.

In den Reben

Obwohl nicht zertifiziert, setzen Schätzles immer intensiver auf naturnahen Anbau mit Inspirationen der Biodynamik im Weinberg – keine Salze, keinen Rebendünger und kein Hühnerdung. Nur pflanzlicher Dünger wird eingesetzt. So stehen ihre Parzellen im Gleichgewicht, die sogenannte grüne Lese muss im Sommer gar nicht aufwendig stattfinden und die alten Reben haben meist nicht mehr als 40 bis 50 Kilogramm Trauben pro Ar hängen, es findet also geradezu eine natürliche Ertragsreduzierung statt.

Weinsortiment

Zum Einstieg serviert Franziska Schätzle einen Pinot Rosé Sekt brut, elegant und prickelnd. Der 2005 Pinot & Chardonnay Jahrgangssekt hat ein sechsjähriges Hefelager durchlaufen und ist ein Schaumweinspitzenprodukt. "An den Einstiegsweinen kann man die Qualität eines Winzers erkennen" – ein altes Sprichwort. Der 2012 Spätburgunder Gutswein trocken ist ein wunderbar unkomplizierter Rotwein mit schöner Frucht und samtigem Charakter, der im Geschmack wie im Preis überzeugt. Das 2013 Cuvée Rosé Gutswein trocken, aus Spätburgunder und Merlot, ist ein beerig-fruchtiger Sommerwein zum Erfrischen.

In der Kategorie Ortsweine wird nun ein 2014 Schelinger Weißburgunder trocken eingeschenkt, der mit seinen frischen, intensiven Aromen und herrlicher Fruchtigkeit überzeugt. Sein Pendant, der 2014 Schelinger Grauburgunder trocken, mit Nuss- und Mirabellennoten, einer feinen Eleganz und langem Nachhall, ohne jede Süße, ist ein Grauburgunder, der so ein Markenzeichen des Kaiserstuhls sein kann, um nicht zu sagen, sein muss! Der 2012 Schelinger Spätburgunder trocken mit seinen Brombeer- und Kirscharomen sowie wunderbar eingebundenen Tanninen überzeugt, natürlich auch im Preis. Bei den "Schatz-Weinen" ist es ein 2014 Grauburgunder trocken aus besten Basaltböden, der mit Kraft und Eleganz und feinen Kräuter- und Nusstönen heraussticht. Auch der 2012 Spätburgunder trocken ist schlicht großartig für seine Preisklasse. In der Champions-League spielt der 2014 Chardonnay RS trocken: große, salzige Mineralität, komplexe Citrusaromen und wunderbare Säure kennzeichnen diesen Signature-Chardonnay.

Der 2014 Grauburgunder RS trocken ist, so Thomas Schätzle, die Visitenkarte des Hauses. Er wurde von einem Drei-Sterne-Koch schon mal als deutsche Benchmark eines Grauburgunders definiert. Der Spätburgunder 2013 RS, schon jetzt ein Focus-Testsieger, ist ein schlicht großartiger Pinot, komplex, elegant und fokussiert, das ist kaum noch steigerungsfähig.

Man kann der Familie Schätzle nur ein kräftiges "Weiter so!" zurufen und muss nochmals auf das mehr als reelle Preisniveau hinweisen. Zum Wohl!

Weingut Schätzle, Heinrich Kling Straße 38, 79235 Vogtsburg-Schelingen, Tel. 07662/94610, http://www.weingutschaetzle.de