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23. Dezember 2010 15:48 Uhr

Bilderbauch

Gebauchpinselt: Bäuche von Schwangeren als Leinwand

Eine lachende Sonne, ein Blumenmeer und ein Leuchtturm: Pia Wehrle bemalt in Titisee-Neustadt die Bäuche von Schwangeren - die Momentaufnahme eines Hochgefühls.

  1. Der Bauch als Leinwand. Foto: Markus Straub

TITISEE-NEUSTADT. Ein weihnachtlicher Lesestoff war geplant: Mit einer werdenden Mutter waren wir für Mittwoch verabredet, und Pia Wehrle hätte dann den Pinsel in grüne und rote Farbe, in Gelb und Gold getunkt und ihr ein Motiv wie Christbaum mit strahlenden Kerzen und blitzenden Kugeln auf den im Endspurt prall gewölbten Bauch gemalt. Doch bekanntlich kommt es erstens anders und zweitens als man denkt: Die kleine Maja hatte es plötzlich eilig, und so fuhr unser Model ins Krankenhaus statt zur BZ und gebar ihre Tochter. Zwei Tage vor Heiligabend – wenn das kein Weihnachtsgeschenk ist!

Pia Wehrle hat ein spezielles Hobby. Die 34-jährige gebürtige Oberbränderin, die mit ihrer Familie in Kleineisenbach lebt, ist seit 2006 bekannt und gefragt für ihre Kinderschminkkunst. Und seit einiger Zeit malt sie hochschwangeren Frauen Bilder auf den Bauch. Für sie selbst war es nur eine Weiterentwicklung: "Das machen viele, die Kinder schminken", weiß sie. Nur eben bisher niemand im Hochschwarzwald. Auf die Idee kam sie, weil das Kinderschminken ein Sommerthema ist und dann eine Flaute einsetzt. Kinder dagegen "gibt’s das ganze Jahr über".

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"Das ist wie beim Frisör."Pia Wehrle über das Gespräch

Künstlerin und Schwangere
Künstlerisch macht es offenbar keinen großen Unterschied. Die Malfläche ist größer, und dem entsprechend braucht es mehr Zeit und Farbe. Schmetterlinge und Katzen oder Augen-Design mit Sternchen auf Kindergesichter zu malen – das dauert routiniert mal drei, mal fünf Minuten. Den prallen Bauch in eine bunte Blumenlandschaft oder ein (freudig erwartetes) Sonnenkind zu verwandeln oder ihm eine Sternenfee aufzusetzen und mit Girlanden kunstvoll zu umwinden, kann dagegen zwischen einer Dreiviertelstunde und fast dem Doppelten brauchen. Und während sie beim Kinderschminken inzwischen auf mehr als zwei Dutzend Motive zurückgreifen kann, sind es für die Bäuche bisher nur einige wenige oder Wünsche der werdenden Mütter.

Deren Motive für die Malaktion sind unterschiedlich. Eine Kundin hat den gestalteten Bauch als Geschenk von Freundinnen bekommen – und war ganz glücklich darüber. Die meisten aber haben sich überlegt, dass die Bauchkunst eine schöne Erinnerung an die aufregende Zeit wäre. Das fertige Bild wird dann zum Foto, das immer wieder hervorgeholt werden kann – irgendwann auch, um es dem inzwischen groß gewordenen Kind zu zeigen, das einst dahinter verborgen und behütet war.

Es gibt Mütter, weiß Pia Wehrle, die haben sich während ihrer Schwangerschaft einen Gipsabdruck von ihrem Bauch machen lassen, und "der liegt dann irgendwo im Weg herum".

Bei einer Kundin lag der Fall noch anders: Sie ließ sich einen Leuchtturm in einer Küstenlandschaft unter blauem Himmel malen. Leuchttürme, erklärte sie dazu, hätten ihr Leben lang eine wichtige Rolle für sie gespielt.

Die Schwangeren: gut gebauchpinselt

Zwischen Pia Wehrle und den Frauen entwickelt sich ein besonders Verhältnis. "Das ist ja auch eine Frage des Vertrauens", sagt die Künstlerin. Schließlich kommt sie der fremden Frau in ihrer besonderen Lebensphase – meist um die 35. Woche – so nahe wie sonst höchstens der Ehemann oder der Arzt.

So achtet sie – selbst Mutter von zwei Kindern, Hanna (7) und Oscar (10) – beim Besuch der Kundin auf eine entspannte Atmosphäre, "das ist ganz wichtig". Man spricht miteinander über das bevorstehende Malen und das Motiv, aber ansonsten "ist das fast wie beim Frisör". Man unterhält sich über alles mögliche und natürlich über die Schwangerschaft, die bevorstehende Geburt und was sonst noch drum herum ist. Der sanfte Strich mit der Farbe, der nur anfangs kühl auf der Haut ist, tut nach ihren Erfahrungen den Schwangeren gut – gebauchpinselt nennt man das dann wohl.

Für sie selbst macht der Spaß am Malen den besonderen Reiz aus. Und im Gegensatz zum Kinderschminken, wo es hektisch werden kann mit einer 20-köpfigen Schlange, genießt sie hier die Ruhe und Atmosphäre.

Momentaufnahme eines Hochgefühls

Was sagen die werdenden Väter dazu? Pia Wehrle schmunzelt, ja, die Männer, die stünden dem doch recht gelassen gegenüber. Einer dürfte sich besonders freuen, denn seine Frau ließ sich von Pia Wehrle Eddy, das Maskottchen der Heavy Metal-Band "Iron Maiden", auftragen – für ihn, als Weihnachtsgeschenk, denn das ist seine Lieblingsband.

Ein Schwamm für den flächigen Farbauftrag und ein Schminkpinsel für die Einzelheiten sind die Arbeitsgeräte der gelernten Justizangestellten, die seit drei Jahren Verlagsangestellte ist. Die Farbe ist gewöhnliche Theaterschminke, wasserlöslich. So ist das Bild meist wirklich nur die Momentaufnahme eines Hochgefühls, die vielleicht über Nacht bleibt, sich aber bald verwischt.

Damit schließt sich übrigens der Kreis zu den besonderen Umständen der anderen Umstände. Denn kürzlich mal hatte Pia Wehrle eine Kundin, der hatte sie gerade den Bauch fertig bemalt, als die Wehen einsetzten. Schnell duschen und ins Krankenhaus, hieß es da, wo die Geburt des Kindes noch von einem Rest blauer Farbe begleitet wurde ...

Pia Wehrle plant nun den nächsten Schritt. Sie hat sich angemeldet für eine Meisterschaft im Bodypainting, das ist die Ganzkörperbemalung, Anfang März in Zürich. Sie hat das noch nie gemacht, aber nachdem sie mit ihrer Bewerbung auch Fotos von ihren Babybäuchen mitgeschickt hatte, kam tags darauf die Zusage. Das Motto dreht sich um die 60er-Jahre. Zwei Models hat sie schon gefunden, eine Idee für das Motiv schwebt ihr auch vor. Als erster Preis winken 1000 Franken, ein Pokal und ein Foto-Shooting.

Auskünfte: Tel. 07651-4532, Mail (jo.pia@t-online.de) oder Internet unter http://www.pia-wehrle.npage.de

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Autor: Peter Stellmach