Gegen den Infraschall

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Di, 20. November 2018

Kleines Wiesental

Windkraftgegner luden zur Infoveranstaltung nach Tegernau / Professor Werner Ross sprach zum Thema "Infraschall".

KLEINES WIESENTAL. Das Thema Windkraft mobilisiert die Menschen im Kleinen Wiesental weiterhin stark. So war auch die Mehrzweckhalle in Tegernau bei der Infoveranstaltung der Windkraftgegner am Freitagabend mit 300 Zuhörern bestens besetzt. Biologie- und Pharmazieprofessor Werner Roos warnte in seinem Vortrag vor ökonomischen Nachteilen der Windkraft und vor gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall.

Aktueller Anlass, relativ kurzfristig eine weitere Infoveranstaltung anzuberaumen, sei die Anfang November vom ZDF ausgestrahlte Sendung "Infraschall – Unerhörter Lärm" gewesen, in der die gesundheitsgefährdenden Auswirkungen von Windparks thematisiert werden, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative "Schwarzwald Gegenwind" Bernd Fischbeck. Die BI hatte bereits Ende April zu einer ähnlichen Veranstaltung nach Gresgen geladen, bei der ebenfalls Werner Roos gesprochen hatte. Er hoffe, dass die Informationen auch bei der Gegenseite am Runden Tisch ankommen würden, sagte Fischbeck mit Blick auf die derzeit laufende Schlichtungsrunde mit Mediator Ruthard Hirschner.

Werner Roos – Professor für Pharmazeutische Biologie und Mitglied der Bürgerinitiative "Vernunftkraft Hochschwarzwald", die sich gegen den Bau von Windanlagen einsetzt – kritisierte im ersten Teil seines Vortrages die Windkraft als ökonomisch nicht sinnvoll. Er führte anhand von Diagrammen aus, dass Windräder nicht die Spitzenlasten tragen könnten und deshalb ungeeignet seien, Kohle- oder Atomkraftwerke zu ersetzten. "Eine kontinuierliche verlässliche Stromversorgung ist mit Windkraft alleine nicht zu machen", so Roos. Das Speichern von Windstrom in Akkus oder Pumpspeicherwerken würde gigantische Kosten verursachen. "Ohne Speicher geht es mit Windkraft nicht – mit Speicher ist sie nicht bezahlbar", war sein Zwischenfazit.

Nach einer Pause wurde ein kurzer Ausschnitt aus der ZDF-Doku gezeigt. Ein ostfriesisches Ehepaar führt darin ihre Beschwerden – wie Schwindel und Tinnitus – auf einen nahe gelegenen Windpark zurück. Werner Roos knüpfte im zweiten Teil seines Vortrages daran an. Das Problem an Windanlagen sei nicht der hörbare Lärm, sondern der sogenannte Infraschall, der durch die Druckunterschiede entsteht, wenn die Rotorblätter am Mast vorbeistreifen. Dieser niedrigfrequente Schall wirke auf den Gleichgewichtssinn des Menschen ein und könne eine Vielzahl von Beschwerden auslösen. Die ständige Reizung der Härchen im Ohr verglich er mit einer Seekrankheit. Natürlicher Infraschall, wie er zum Beispiel durch Meeresrauschen oder Lawinen entsteht, sei laut Roos – im Gegensatz zum Infraschall durch Windanlagen – nicht gepulst und habe deshalb keine gesundheitsgefährdenden Auswirkungen.

Roos zeigte Gehirndiagramme von Menschen, die Infraschall ausgesetzt werden. "Die Gesamtschau der Untersuchungen zeigt, dass ein enormes Risiko vorhanden ist", schlussfolgerte Werner Roos. Infraschall lasse sich auch nicht durch Wände oder Hindernisse dämpfen. "Die einzige Therapie ist Abstand", warnte Roos. Deshalb fordert der Professor auch einen Mindestabstand der zehnfachen Masthöhe von Windparks zu Wohnbebauung.

Eine Ökobilanz der Windkraft wolle er ziehen, kündigte der zweite Referent des Abends, Maschinenbauingenieur Dieter Neufeld, an. Was dann folgte, war vor allem eine Medien- und Behördenschelte. "Die Medien sind entweder blöd oder verbreiten gezielt fake news", war auf einer seiner Vortragsfolien zu lesen. "Die Beamten und Behörden arbeiten massiv, und aus meiner Sicht vorsätzlich, gegen die Interessen der Bevölkerung", stand auf einer anderen geschrieben.

Zu einer Diskussion kam es nach der gut vierstündigen Veranstaltung nicht mehr. Bemerkenswert ist, dass sich auch einige wenige erklärte Windkraftbefürworter in den Zuschauerreihen befanden. So waren zum Beispiel Vertreter der EWS, die Investor beim geplanten Windpark am Zeller Blauen ist, anwesend. Auch Kleinwiesentäler Gemeinderäte, Ortsvorsteher und Bürgermeister Gerd Schönbett waren an dem Abend in die Mehrzweckhalle gekommen. Als "interessant und informativ" lobte Schönbett nach der Veranstaltung den sachlichen Vortrag von Professor Roos, auch wenn er selbst nicht jede Schlussfolgerung zur Gesundheitsgefahr durch Infraschall so unterschreiben könne.