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16. Oktober 2009 01:47 Uhr

Betriebliche Altersvorsorge

Wie der Betrieb die Rente aufbessert

Eine Möglichkeit, sein Einkommen im Ruhestand aufzubessern, ist die betriebliche Altersvorsorge. Dafür gibt es auch staatliche Vergünstigungen. Wir liefern die wichtigsten Fragen und Antworten.

  1. Ein leerer Geldbeutel im Alter? Foto: Philipp Schröppel

Wer hat Anspruch auf die betriebliche Altersversorgung?
Seit 2002 hat in Deutschland jeder Arbeitnehmer Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung aus Entgeltumwandlung. Darunter versteht der Gesetzgeber, dass angestellte Mitarbeiter von Unternehmen freiwillig auf einen Teil des Gehalts verzichten können, das der Arbeitgeber dann in ein Vorsorgemodell investiert. Oder aber Arbeitgeber und -nehmer finanzieren die Beiträge gemeinsam. Welche Form gewählt wird, bestimmt jedoch der Arbeitgeber.

Welche fünf Formen betrieblicher Alterssicherung gibt es?
Es gibt fünf verschiedene Formen – so genannte Durchführungswege – der betrieblichen Altersvorsorge:
Die Direktzusage
des Arbeitgebers gehört zu den klassischen Formen der Betriebsrente. Der Arbeitgeber verpflichtet sich direkt ohne Inanspruchnahme außerbetrieblicher Versicherungsträger auf Geldleistungen für die Mitarbeiter im Alter. Hierfür bildet er Rückstellungen.
Die Unterstützungskasse ist eine rechtlich eigenständige Versorgungseinrichtung, die vom Arbeitgeber mit der Erbringung von Versorgungsleistungen an Arbeitnehmer beauftragt wird. Unterstützungskassen werden oft von mehreren Unternehmen gemeinsam getragen.

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Die Direktversicherung ist das einfachste Betriebsrentenmodell. Der Arbeitgeber schließt mit einem Versicherungsunternehmen Rentenpolicen ab. Dieser Versicherer kümmert sich anschließend um alle Verwaltungsvorgänge.
Pensionskassen sind Versorgungseinrichtungen, die in Form von Aktiengesellschaften oder Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit eingerichtet werden. In ihrer Kapitalanlage sind sie sehr frei und deswegen auch hinsichtlich der Zusatzleistungen mit einem gewissen Risiko verbunden. Sie stehen aber für zugesagte Leistungen in vollem Umfang gerade.
Pensionsfonds stellen die jüngste Anlagemöglichkeit dar. Sie sind vom Betrieb unabhängige und selbstständige Versorgungseinrichtungen, die Altersvorsorgeleistungen erbringen, aber gleichzeitig der staatlichen Versicherungsaufsicht unterliegen.

Welche Altersversorgung für welche Berufsgruppen?
Direktversicherungen, die Pensionsfonds und Pensionskassen sind eher als Grundversorgung für Normalverdiener geeignet. Arbeitgeber, die Führungskräfte binden wollen, sollten dies mittels Direktzusagen und Unterstützungskassen tun, die höhere Fördervolumen ermöglichen.

Wieso lohnt sich betriebliche Vorsorge für Normalverdiener?
Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, die betriebliche Altersversorgung direkt aus ihrem Bruttoeinkommen zu finanzieren – das sichert Steuervorteile. Steuerliche Vergünstigungen gibt es für drei Durchführungswege – für Pensionsfonds, Pensionskasse und die Direktversicherung. Bei diesen Formen sind derzeit Beiträge für 4392 Euro steuerfrei; das sind vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung plus 1800 Euro. Bis zur genannten Vier-Prozent-Grenze, 2009 sind das 2592 Euro, bleiben die Beiträge zudem sozialversicherungsfrei. Gemessen am Nettoeinkommen verzichtet der Arbeitnehmer nur auf 40 bis 60 Prozent des Geldes, das in die Betriebsrente fließt. Die später lebenslang bezogene Rente unterliegt zwar in vollem Umfang der Besteuerung. Weil das Einkommen im Alter jedoch in den allermeisten Fällen unter dem Bruttogehalt liegt, lohnt sich das insgesamt, weil die Steuerbelastung geringer ist.

Wie mache ich meine Betriebsrente sicher?
Versorgungszusagen des Arbeitgebers bleiben Arbeitnehmern auch dann erhalten, wenn der Betrieb gewechselt oder eine Kündigung ausgesprochen wird und der Anspruch "unverfallbar" geworden ist. Unverfallbar sind Betriebsrenten, wenn ein Arbeitnehmer mindestens 30 Jahre alt ist und seit wenigstens fünf Jahren im selben Betrieb eine Betriebsrente vereinbart hat. Für Verträge, die seit 2009 abgeschlossen wurden, wurde die Altersgrenze auf 25 Jahre herabgesetzt. Jüngere Arbeitnehmer, die weniger als fünf Jahre im Betrieb gearbeitet haben, können ihre Ansprüche verlieren.

Tipp: Nach ein bis zwei Jahren im Betrieb mit dem Arbeitgeber die Unverfallbarkeit in Aufhebungsverträgen vereinbaren. Ebenfalls gut zu wissen: Die betriebliche Altersversorgung ist grundsätzlich "Hartz-IV-fest". Sie ist in der Ansparphase vor der Anrechnung auf das Arbeitslosengeld II geschützt.

Was passiert bei einer Insolvenz?
Prinzipiell müssen sich Arbeitnehmer keine Sorgen machen. Gerät das Unternehmen in die Insolvenz, garantiert der Pensions-Sicherungsverein (PSV) die Ansprüche aus Direktzusagen, Unterstützungskassen und Pensionsfonds. Bei Direktversicherungen und Pensionskassen haftet die Auffanggesellschaft der Versicherungsbranche namens Protektor.

Autor: Dominik Haubner