Eine Schule der Energieexperten

Alexander Preker

Von Alexander Preker

Mo, 04. Februar 2013

Südwest

Junger Klimaschutz: Georg-Salvamoser-Sonderpreis für das Jugendhilfezentrum St. Anton.

RIEGEL. Max Folger ermahnt seinen Lehrer. Das, was ungehörig klingt, ist vom Lehrer gewollt. Max mahnt: "Machen Sie das Licht aus, Herr Bruckert." Max ist angehender Energieexperte im Jugendhilfezentrum St. Anton in Riegel. Dort gehen Kinder und Jugendliche auf die Haupt- oder Förderschule, viele wohnen auch dort. Dass an dem Zentrum Umweltschutz besonders wichtig ist, wurde gestern mit dem Georg-Salvamoser-Sonderpreis ausgezeichnet. Das Motto des Umweltprojektes in St. Anton lautet "Energiewende kann jeder". Der Clou: Energiesparen bringt den jungen Klimaschützern Bares.

Aaron Gass ist bereits seit über einem Jahr Energieexperte, so wie mehr als 30 der rund 70 Schüler des vom Erzbistum Freiburg getragenen Jugendhilfezentrums. Zusammen mit Max achtet Aaron etwa darauf, dass Fenster geschlossen und Lichter ausgeschaltet werden. Auch an einem Energieparcours, der den Schülern die erneuerbaren Energien näherbringt, haben die beiden 14-jährigen Schüler bereits mitgebaut. In dem Parcours gibt’s neben Photovoltaikanlagen oder einem Solarkocher auch ein kleines Pumpspeicherkraftwerk mit einem großen unterirdischen Regenwassertank. Die Pumpe des Kraftwerks läuft mit selbst hergestelltem Solarstrom. Nur das angeschlossene Wasserrad hat bislang noch keinen Generator.

Rund 15 000 Euro haben die jungen Klimaschützer an Energiekosten bereits eingespart. Eine Summe, von der nicht nur St. Anton profitiert. Für jede Arbeit zum Thema Klimaschutz erhalten die Kinder und Jugendlichen Punkte, etwa in der Solar-AG, die laut Lehrer Michael Bruckert sogar beliebter als die Fußball-AG ist. Auf Basis dieser Punkte werden 30 Prozent der eingesparten Gelder ausgeschüttet – an die Klassenkassen, die Kassen der Wohngruppen und an die Schüler. 114 Euro hat Aaron so bereits verdient. Anfangs wusste er gar nicht, dass es Geld gibt. Ihm geht es um die Sache. So gibt er auch in der Freizeit Energiespartipps, etwa seinen Eltern oder Rolf Behringer vom Verein "Solare Zukunft", der wie der Energieversorger Badenova das 2010 gegründete Klimaprojekt unterstützt. Aaron, von Anfang an dabei, schlug Behringer vor: "Die Boxautos auf der Messe sollten mit Solarstrom fahren, da sie viel Strom brauchen. Er fand das gut."

Dass die Kinder und Jugendlichen von St. Anton begeisterte Klimaschützer würden, hatte Lehrer Bruckert nicht geahnt: "Gerade weil wir eine Klientel haben, die selber etwas schwieriger ist." Das war vor zwei Jahren. Heute plant Bruckert unter anderem, den Energieparcours für andere Schulen zu öffnen und weitere Energieexperten auszubilden. Etwas, worauf nicht nur Max sehnsüchtig wartet. Das Preisgeld aus dem Salvamoser-Preis kommt da genauso recht wie die 3300 Euro aus dem kürzlich gewonnenen Umweltpreis der Erzdiözese.

Der Georg-Salvamoser-Preis wurde gestern zum zweiten Mal verliehen. Hauptpreisträger (40 000 Euro) ist die hessische Genossenschaft "Nahwärme Schönstadt" für das "Größte Nahwärmenetz Deutschlands in Bürgerhand". Das Jugendhilfezentrum St. Anton erhält einen der beiden mit 5000 Euro dotierten Sonderpreise, der Windkraftaktivist Peter Griebl aus Sasbachwalden im Ortenaukreis den anderen. Georg Salvamoser, der 2009 starb, gilt als Solarpionier.

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