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30. Juni 2012

HINTERGRUND: Das Ich auf dem Rückzug

Was ist der Morbus Alzheimer und woran ist er zu erkennen?.

  1. Gehirnbild (MRT + PET) eines Alzheimerkranken Foto: dpa

Für Alois Alzheimer war es noch ein Rätsel: Was war der Grund für das Identitätsloch der Patientin vor ihm, die zwar noch ihr Alter und ihren Vornamen wusste, in jeder anderen Hinsicht aber keinerlei Plan hatte, wo sie denn in dieser Welt hingehörte. 110 Jahre später weiß die Wissenschaft mehr. Der Grund für die Krankheit, die der deutsche Psychiater 1901 beschrieb und der er den Namen gab, ist der Abbau von Hirnzellen. Manchmal aus genetischen oder viel häufiger aus bisher noch ungeklärten Gründen machen sich im Gehirn sogenannte Amyloide Plaques breit, Eiweißklumpen, die wahrscheinlich den Tod der Nervenzellen verursachen. Unterstützt werden sie dabei von Komplizen innerhalb der Zellen, Tau-Fibrillen genannten Proteinfasern. Für den Patienten selbst macht sich das lange Zeit nicht bemerkbar, erst nach Jahren melden sich die ersten Symptome. Plötzlich tauchen vor kurzem abgelegte Gegenstände nicht mehr wieder auf, der sichere Umgang mit Geld und Rechnungen geht verloren, der Betroffene findet sich räumlich nicht mehr in der Umgebung zurecht und kommt bei Unterhaltungen schnell durcheinander. Einem Neurologen würden aber in psychologischen Tests schon früher Anzeichen der Erkrankung auffallen.

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Mit der Zeit nehmen die Symptome zu: Das Lernen fällt den Betroffenen immer schwerer, das Kurzzeitgedächtnis lässt sie immer mehr im Stich. Auch feinmotorisch beginnen die Kranken ungewohnte Unsicherheiten bei Tätigkeiten wie Schreiben, Malen oder Ankleiden zu zeigen.

Im folgenden fortgeschrittenen Stadium löst sich die Persönlichkeit des Kranken mehr und mehr auf: Nahestehende Personen werden nicht mehr erkannt, Wut- und Gewaltausbrüche treten auf – auch depressive Symptome sind bei Alzheimer-Patienten sehr häufig. Seelisch ist die Erkrankung für viele Betroffenen sehr belastend, vor allem in den früheren Phasen. Schließlich baut auch die Muskulatur der Patienten ab, was zu Harn- und Stuhlinkontinenz, manchmal sogar bis zur Bettlägerigkeit führt. Im Schnitt beträgt die Lebenserwartung eines Betroffenen bei der Diagnose Alzheimer in etwa sieben bis zehn Jahre, oft sterben die völlig geschwächten Patienten an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In Deutschland leben laut Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegenwärtig etwa 1,2 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen.

Autor: mich