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04. November 2017

Die Bilanz ist etwas getrübt

Glottertals Winzer mussten Frostschäden verkraften, können sich aber über einen "schönen Jahrgang" freuen.

  1. Auch nach Abschluss der Lese sind die Reben in Glottertal eine Augenweide. Foto: Sina Schuler

GLOTTERTAL. Im Gärkeller der Winzergenossenschaft Glottertal blubbert es da und dort noch ein wenig. Die meisten Weine sind allerdings schon durchgegärt und liegen derzeit auf der Hefe. "Schön fruchtig und sehr komplex" zeigen sich die Jungweine, die Udo Opel bereits probiert hat und, so zeigt er sich überzeugt, dass der 2017er "ein schöner Jahrgang" wird. Die Winzer haben trotzdem nicht alle Grund zur Freude, schließlich hatten einige erhebliche Frostschäden zu verzeichnen.

Sehr früh, bereits in der ersten Septemberwoche, begann bei der WG Glottertal die Weinlese. Überhaupt war die gesamte Vegetation heuer sehr früh und das ist Opel zufolge auch der Grund für die Frostschäden Ende April. Die Reben hätten nach dem milden Februar und März früh ausgeschlagen und hatten Ende April – als der Frost kam – bereits Triebe von bis zu zehn Zentimetern Länge, erläutert Udo Opel im Herbstbilanzgespräch. Fatal sei vor allem die lange und harte Frostnacht auf den 21. April gewesen. Kurzen Morgenfrost gebe es öfters, die lange Dauer von sieben bis neun Stunden sei allerdings ungewöhnlich. Während sich viele alte Rebstöcke wieder erholten, habe der Frost Neupflanzungen teilweise vernichtet. Die Frostschäden sind – je nach Lage – sehr unterschiedlich ausgefallen. Die größten Schäden mit mehr als 90 Prozent gab es am sogenannten Roten Bur. Talauswärts wurden sie immer geringer, wobei es auch am Schlossberg – wie auch in Heuweiler – partiell hohe frostbedingte Ausfälle gab. Gemessen am langjährigen Durchschnitt betrug die Lese 2017 mengenmäßig etwa 80 Prozent. Auch die beiden vorangegangenen Jahrgänge 2016 (wegen Peronospora) und 2015 (Trockenschäden) lagen bereits unter dem Durchschnitt, so dass es bei einigen Sorten langsam eng werde. Nach den Frostnächten Ende April haben sich viele Anlagen – wider Erwarten – gut erholt. Die Blüte Ende Mai verlief sehr gut. Udo Opel spricht gar von einer "wunderbaren Blüte".

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Der schöne, teils heiße, Sommer tat den Reben sehr gut, die Niederschläge im August brachten schließlich Masse und dadurch konnten die Winzer doch noch satte Erträge lesen. Bereits Anfang September hatten die Trauben "enorme" Mostgewichte, so dass gelesen werden konnte.

Eiswein wird es

dieses Jahr nicht geben

Anfang Oktober war dann alles im Keller. Das höchste Mostgewicht wurde mit 120 Grad Öchsle bei einem Spätburgunder gemessen, der derzeit zu einem Rotwein reift. Einen Eiswein wird es dieses Jahr bei der Winzergenossenschaft nicht geben; zuletzt wurde 2015 ein Riesling-Eiswein gelesen, von dem die WG noch ein paar Flaschen hat.

Die Kirschessigfliege war vorhanden, verursachte allerdings allenfalls nur geringe Schäden. Der Verlust durch Vogel- und Mäusefraß sei hingegen erheblich. Die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre zu immer früheren Herbsten, früher sei der Oktober der klassische Lesemonat gewesen, ist für Udo Opel ein Indiz für den Klimawandel.

Während er mit der Weinlese 2017 mehr oder weniger zufrieden ist, äußerte er sich in Richtung (Landwirtschafts-)Verwaltung sehr kritisch. Die (Badischen) Winzer hätten mit immer mehr Bürokratie zu kämpfen. Die gleichen EU-Richtlinie würden in Österreich und Südtirol mit deutlich weniger Verwaltungsaufwand umgesetzt. Ein Antrag bezüglich der Frostschäden umfasst aktuell über 40 Seiten – für kleinere Betriebe wie sie in der WG die Mehrheit darstellen – sei das ein "Unding", meinte Udo Opel abschließend.

Autor: Christian Ringwald