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23. Januar 2012

Roter Bur für "900 bewegte Jahre"

Mit einem Neujahrsempfang für geladene Bürger startete die Gemeinde Glottertal am Freitagabend in ihr Jubiläumsjahr.

  1. Die beiden (ehemaligen) Weinhoheiten Annette Herbstritt und Franziska Kunz (rechts) präsentierten den „Festwein“, einen Rosé. Foto: Ringwald

GLOTTERTAL. Feierlich sind die Glottertäler unter dem Motto "900 bewegte Jahre" ganz offiziell nun am Freitagabend in ihr Gemeindejubiläumsjahr gestartet. Rund 250 Mitbürger hatte Bürgermeister Eugen Jehle und sein Gemeinderat zum Neujahrsempfang in die Eichberghalle eingeladen. Da boten die Glottertäler so ziemlich alles auf, was sie haben: Von der Trachtenkapelle über Festwein und Jubiläumshonig, tanzende Trachtenkinder und singende Landfrauen und schließlich Köstliches aus der "Kreuz"-Küche.

"Feste feiern, wie sie fallen", so begrüßte Bürgermeister Eugen Jehle die geladenen Gäste. Über 250 ausgewählte Mitbürger waren der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt. Dabei blieben die Glottertäler – getreu dem Motto "ein Fest von den Bürgern für die Bürger" – unter sich, was dem feierlichen Rahmen keinen Abbruch tat. Viele der Frauen zeigten sich in ihre Festtagstracht, und so kam einmal mehr zum Ausdruck: Das Glottertal legt Wert auf Tradition. Große Schlachten und umwerfende politische Geschehnisse hatten sich in den bewegten 900 Jahren im Tal nicht zugetragen, so Bürgermeister Eugen Jehle in seiner Ansprache. Bewegt haben die Schlachten und Ereignisse dieser Zeit die Bewohner des Glottertals aber allemal.

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Neben Jehle ließen insbesondere Bernhard Hoch und Hubert Strecker die 900 Jahre am Freitag lebendig werden. Die beiden Heimatforscher hatten eine Ausstellung über die Glottertäler Geschichte zusammengetragen, die bis zum Jahresende in der Eichberghalle präsentiert wird (die BZ berichtete bereits).

Weit über seine Grenzen hinaus ist das Glottertal für seinen Wein bekannt: So darf es natürlich kein Fest ohne Wein geben. Aus diesem Anlass war gar ein "Festwein" angesagt, einen 201er Spätburgunder Rosé stellten die beiden ehemaligen Weinhoheiten Franziska Kunz und Annette Herbstritt aus diesem Anlass vor.

Neben dem Festwein und dem Jubiläumshonig wurde beim Neujahrsempfang auch die neue Festschrift vorgestellt. Bernhard Hoch, Bernhard Wegner und Bernhard Würzburger hatten sie zusammenstellt. Das bunte Büchlein mit den vielen Bildern beschäftigt sich vor allem mit den jüngsten 15 Jahren und gilt als Ergänzung des "roten" Buches "Das Glottertal – Geschichte und Erinnerung", welches 1995 zum 25er-Jubiläum der Gesamtgemeinde herausgegeben wurde.

Immer wieder wurde das Leben im Tal von "Zugereisten" maßgeblich beeinflusst. Einer von ihnen ist der Ehrenbürger und Geistliche Rat Franz Gluitz. Als Pfarrer und Seelsorger hat er Spuren in der Weinbaugemeinde hinterlassen. Da ist einerseits das Pfarrzentrum "Severin", neben der St. Blasiuskirche. Viel mehr hat sich sein segensreiches Wirken in den Köpfen eingeprägt und wirkt so im Tal weiter.

Im Rahmen eines Grußwortes schlug Franz Gluitz beim Neujahrsempfang den Bogen über die bewegten 900 Jahre und gab der Festversammlung aus der Tradition Impulse für die Zukunft. Fest im katholischen Glauben verwurzelt, das sind die Glottertäler seit Jahrhunderten. So beugten sie sich weder dem evangelischen Landesherrn noch ließen sie sich ihre Prozessionen im Dritten Reich verbieten, statt über öffentliche Straßen zogen sie an Fronleichnam über ihre Felder. Kirchliche Feste und Bräuche erlebten unter Franz Gluitz eine Renaissance. "Der Herrgott möge das Tal segnen, seine Bewohner führen und vor Unheil bewahren", schloss der Ehrenbürger.

Für die über 30 Vereine ergriff deren Sprecher Claus Vorgrimler das Wort. Die Vereine – der Schützenverein als ältester wurde 1579 gegründet – haben das Tal insbesondere in den vergangenen 150 Jahren maßgeblich mitgeprägt und die Gemeinschaft "jung und vital" gehalten und seien Heimat für Jung und Alt.

Umrahmt wurde der Neujahrsempfang, der eigentlich ein wahrer Festakt war, von einer Handvoll Gruppen und Vereine. Zum Auftakt gab die Trachtenkapelle den Takt vor. Die Kindertanzgruppe der Akkordeon-Trachtengruppe zeigte tanzend ihre schöne Tracht. Eher modern kamen die Liedbeiträge des Sängerbundes herüber. Ganz im Zeichen der Tradition: die Heimatlieder der katholischen Frauengemeinschaft und die Töne der Jagdhornbläsergruppe sowie zum Schluss nochmals die Trachtenkapelle mit Blasmusik vom Feinsten. Und zwischen all den Reden und Vorträgen gab’s ein Drei-Gänge-Menü aus der "Kreuz"-Küche.

Autor: Christian Ringwald