Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Juni 2012

"Danach die Welt mit andern Augen sehen"

BZ-INTERVIEW mit Tobias Strittmatter, der nach dem Abitur demnächst ein Jahr lang als Lernhelfer und Betreuer in einem afrikanischen Land leben will.

  1. Tobias Strittmatter geht für ein Jahr nach Afrika. Foto: Stefan Albiez

GÖRWIHL. Den Görwihler Tobias Strittmatter zieht es nach seinem Abitur in die weite Welt. Er macht keine Weltreise, vielmehr hat er sich dazu entschlossen, ein freiwilliges soziales Jahr in Afrika zu machen. Unser Mitarbeiter Stefan Albiez sprach mit Tobias Strittmatter über seine Pläne.

BZ: Wie kamen Sie auf Ihre Pläne?

Tobias Strittmatter: Ich hab im Juni Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Waldshut gemacht. Gleich studieren, eine Ausbildung machen oder Geld verdienen wollte ich noch nicht. Ich möchte die Zeit nutzen, um dankbar für 20 Jahre gutes Leben zu sein.

BZ: Viele junge Menschen möchte gerne mal nach Amerika oder Australien, wohin zieht es Sie?

Strittmatter: Weil es den Menschen in Afrika besonders schlecht geht, habe ich mich dazu entschieden, dort mein soziales Jahr zu machen.

BZ: Wie läuft das ab?

Strittmatter: Ich werde von einer christlichen Gemeinde entsendet, die sich nur über Spenden finanziert. Das läuft im Rahmen des "Internationalen Freiwilligendienstes". Da es freiwillig ist, verdiene ich kein Geld und werde durch Spendengeldern finanziert.

Werbung


BZ: Wie haben Sie die Stelle gefunden?

Strittmatter: Ich habe auf der Website http://www.weltwärts.de nach Stellen gesucht und bin dort auf die christliche Gemeinde Forum Wiedenest in der Nähe von Köln gestoßen. Auf deren Homepage habe ich dann gelesen, dass sie junge Leute suchen, die ein Jahr nach Afrika gehen. Besonders Lehrkräfte waren gefragt. Daraufhin habe ich mich beworben.

BZ: Wissen Sie schon was Sie genau in Afrika machen werden?

Strittmatter: Ich werde als Lernhelfer und Betreuer an eine einheimische Schule gehen und dort die Kinder in Englisch-, Mathe-, Sachkunde unterrichten und mittags Sport und Musik machen. Dort sind natürlich langjährige voll ausgebildete Lehrkräfte, die mich betreuen und mir zeigen,was zu beachten ist.

BZ: Wie bereiten Sie sich auf das Abenteuer vor?

Strittmatter: Die christliche Gemeinde schickt mir viele Informationen bezüglich Flug, Impfungen und was mitzubringen ist. Das hilft mir schon weiter.

BZ: Haben Sie sich schon damit befasst, wie das Leben zukünftig in Afrika ablaufen wird?

Strittmatter: Ich muss im Vorfeld die gesetzlich vorgeschrieben 25 Seminartage besuchen. Die helfen mir bei der Vorbereitung auf den Kulturschock, Menschenumgang, Umgang mir Leid und Armut und so weiter.

BZ: Was versprechen Sie sich von Ihrer Mission?

Strittmatter: Als Christ fühle ich mich berufen, Jesus’ Vorstellungen von einer besseren Welt umzusetzen. Die Kinder brauchen gute Bildung und Menschen, die an sie glauben, unterstützen und für sie da sind. Ich werde aber natürlich auch viel zurückbekommen von den Kindern, mein Horizont wird sich erweitern durch die neue Kultur, die Menschen, die Tierwelt ... Ich werde neu denken und die Welt mit andern Augen sehen.

BZ: Sie haben erzählt, dass Sie in dieser Zeit nichts verdienen. Was für Kosten kommen auf Sie zu und wie finanzieren Sie die?

Strittmatter: Die Kosten sind schon sehr hoch, denn ich muss den Flug, Medikamente, Impfungen gegen Tollwut, Gelbfieber, Hepatitis, Seminarbesuche in der Nähe von Köln, Visum, Arbeitsgenehmigung und den Lebensunterhalt für ein Jahr selbst finanzieren. Ich bin also ausschließlich auf Spenden angewiesen. Ich werde von allen möglichen Personen unterstützt, jedoch ist das Budget sehr gering. Weitere Spender sind herzlich willkommen, um mich bei dem Projekt zu unterstützen.

BZ: Was sagt denn Ihre Familie zu ihrem ungewöhnlichen Vorhaben?

Strittmatter: Für meine Familie war die Idee sehr ungewöhnlich. Ihnen wäre es lieber gewesen, ich hätte gleich eine solide Ausbildung begonnen und würde damit Geld verdienen. Trotzdem akzeptieren Sie meine Entscheidung, stehen hinter mir und unterstützen mich kräftig. Meine Freunde finden es super: Raus ins Ausland und dann auch noch für arme Kinder arbeiten. Vermisse werden sie mich aber bestimmt.

BZ: Wissen Sie schon was sie nach dem freiwilligen sozialen Jahr machen wollen?

Strittmatter: Ich möchte vielleicht auf Lehramt an einer Uni studieren, am liebsten mit Schwerpunkt Sport. Aber nach einem sehr prägenden Jahr in Afrika wird sich das sowieso ändern. Deshalb warte ich mal ab. Ich werde in Afrika viele Erfahrungen an der Schule sammeln, danach werde ich wissen, ob der Lehrerberuf etwas für mich ist. Ich arbeite aber jetzt schon sehr gerne mit Kindern.

ZUR PERSON: TOBIAS STRITTMATTER

ist 20 Jahre alt und hat nach der Hauptschule die zweijährige Berufsfachschule Wirtschaft absolviert und anschließend das Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium abgelegt. Auch außerhalb der Schule ist der Gymnasiast sehr aktiv. Neben seiner Tätigkeit in der Hotzenwald-Bauernkapelle Görwihl ist er seit drei Jahren im Görwihler Pfarrgemeinderat und seit vier Jahre im Verbandsjugendorchester Hochrhein aktiv.  

Autor: sa

Autor: sa