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26. Juni 2012
Vatikan
Greg Burke: Professionell, direkt und erzkonservativ
IM PROFIL: Der Amerikaner Greg Burke ist neuer Kommunikationsstratege des Vatikan / Er soll die Außendarstellung verbessern.
"Die Kommunikation des Heiligen Stuhls ist wie ein großes Schiff, das sich ganz langsam bewegt", sagt Greg Burke. Der 52 Jahre alte US-amerikanische Journalist übernimmt nun das Ruder, er wird Kommunikationsstratege des Vatikans. Will man im Bild bleiben, dann brechen sich seit Wochen Wellen über dem Schiff. Hilflos sitzt ein Matrose in einer Schaluppe neben dem bewegungslosen Ozeanriesen und versucht ihn vergeblich zu manövrieren. Der Matrose ist der Jesuitenpater Federico Lombardi, der auf sich allein gestellte Pressesprecher des Heiligen Stuhls.
Lombardi bekommt nun erstmals Unterstützung – je nach Sichtweise könnte man auch von Konkurrenz sprechen. Während der Chef des unterbesetzten Pressebüros meist nur die Kohlen aus dem Feuer holen muss, wird für Burke an zentraler Stelle ein neuer Posten geschaffen. Und zwar dort, wo die Männer der Kurie entscheiden, welche Informationen wie an die Öffentlichkeit gelangen. Burkes Büro wird im Staatssekretariat angesiedelt, der Regierungszentrale des Papstes. Er vergleicht sein Amt mit dem des Kommunikationsdirektors im Weißen Haus. Burke wird keine Entscheidungsgewalt haben, aber den Kardinalstaatssekretär, den zweiten Mann im Vatikan, darin beraten, wie man mit Informationen umgeht, sie verheimlicht oder günstig platziert.
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Das gelang den Monsignori im Vatikan zuletzt ausgesprochen schlecht. In den vergangenen Wochen gab es Berichte über Intrigen und Eitelkeiten innerhalb der Kurie, geheime Dokumente wurden der italienischen Presse zugespielt. Die Polizei nahm schließlich den Kammerdiener des Papstes wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat fest. Überall sprach man von der sogenannten Vatileaks-Affäre.
Schon zuvor stellten der Missbrauchsskandal in kirchlichen Lehranstalten und die Affäre um den Holocaust-Leugner und Lefebvre-Bischof Richard Williamson Benedikt XVI. und seine Mitarbeiter in ein schlechtes Licht.
Weil er angeblich in Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche ist, berät sich der Papst in diesen Tagen außerplanmäßig mit seinen wichtigsten Kardinälen, den Präfekten der Kongregationen und anderen hohen Prälaten. Außerdem hält sich in Rom das Gerücht von einer vorzeitigen Pensionierung des umstrittenen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone. Er wird für schlechtes Krisenmanagement verantwortlich gemacht und ist in einigen Fällen sogar selbst der Stein des Anstoßes. Vor allem die jüngste Vatileaks-Affäre hat in der Kurie zur Überzeugung geführt, dass auch ein absolutistischer Apparat wie der Vatikan nicht ohne professionelle Hilfe in Sachen Kommunikation auskommt.
Greg Burke könnte der richtige Mann für diese Aufgabe sein. "Ich bin ein altmodischer Katholik aus dem Mittleren Westen, dessen Mutter jeden Tag in die Messe ging", sagt er über seine Herkunft. Seit fast 25 Jahren berichtet er als Korrespondent aus Rom über die katholische Kirche und kennt die Szene so gut wie wenige andere. Früher schrieb der in St. Louis im amerikanischen Bundesstaat Missouri geborene Journalist für das angesehene Time-Magazine, inzwischen arbeitet er für den Fernsehsender Fox News, der nicht gerade für seine zimperlichen Methoden bekannt ist.
Greg Burkes Mitgliedschaft bei der im Vatikan einflussreichen und erzkonservativen Gemeinschaft Opus Dei dürfte bei seiner Berufung förderlich gewesen sein. Was die Aufräumarbeiten hinter den leonischen Mauern angeht, verlässt sich Papst Benedikt XVI. bereits auf ein anderes Opus-Dei-Mitglied. Kardinal Julian Herranz ernannte er zum Chef einer Untersuchungskommission in der Vatileaks-Affäre.
Burke, der bei Journalistenkollegen für seine direkte Art bekannt ist, sagt, er wolle nicht stürmisch wie ein Mitglied der berüchtigten US-Militär-Einheit Marines vorgehen, sondern vielmehr mit Besonnenheit. Das klingt so, als sei sich der Journalist durchaus darüber im Klaren, dass er als katholischer Laie im Vatikan auch auf ordentliche Widerstände stoßen könnte.
Autor: Julius Müller-Meiningen



