Auf die Suche nach dem Menschen

Axel Dröber

Von Axel Dröber

Di, 18. Mai 2010

Gundelfingen

Die Porträts der französischen Malerin Sylvie Desmoulin zeigen Figuren ohne jede Allüren / 23 Jahre Partnerschaft mit Meung.

GUNDELFINGEN. Die Porträts der französischen Malerin Sylvie Desmoulin zeigen Figuren ohne jede Allüren. Die französische Künstlerin aus der Partnerstadt Meung-sur-Loire fängt sie in einem Moment ein, in dem etwas von ihrem Sein hervorscheint. Seit Freitag stellt die Frau des ehemaligen Bürgermeisters der Gundelfinger Partnerstadt im Foyer des Gundelfinger Rathauses einige ihrer Werke aus.

Sylvie Desmoulin-Doligé war nicht alleine in den Breisgau gekommen, sondern hatte ihren Mann Eric Doligé und ihre Tochter Héloïse mitgebracht. Gundelfingens Bürgermeister Reinhard Bentler begrüßte auch Michel d’Aboville und seine Frau Anne, die am Zustandekommen der Partnerschaft zwischen Meung-sur-Loire und Gundelfingen wesentlich beteilig waren. Nach 23 Jahren Städtefreundschaft sei es eine besondere Freude, die Künstlerin im Foyer des Rathauses begrüßen zu dürfen, erklärte Bentler vor den Gästen, die zur Vernissage erschienen waren.

Die Bilder der Künstlerin sind in verschiedenen Themen unterteilt: Neben Landschaftsbildern findet der Besucher Stillleben, Alltagsszenen und zahlreiche Porträts. Eines der bekanntesten Bilder der französischen Malerin, die an der Pariser Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts Architektur studiert hatte, zeigt den Maler Marc Lecoultre in seinem Atelier.

Man könne sehen, meinte Ulrike Bach in ihrer Einführung zum Werk Desmoulins, wie die Malerin das innere Wesen der Figur darstelle. Die Farben seien nicht plakativ, erklärte die Vorsitzende des Gundelfinger Kunstvereins, sondern erschienen in vielen Abstufungen. Lecoultre selbst wirke kritisch und nachdenklich. Für Sylvie Desmoulin ist es der Einblick in das innere Wesen des Menschen, den sie festhalten möchte, und der zugleich Schönheit und Wahrheit ihrer Figuren offenbart. Dabei sucht sie das Besondere nicht nur bei menschlichen Motiven, sondern findet immer wieder eine Möglichkeit, auch alltägliche Gegenstände unter verschiedenen Blickwinkeln auszuleuchten. Ulrike Bach wies daraufhin, wie in dem Bild "chaise-man" Stühle eine ganz eigene Bedeutung bekommen. Ein Mann räumt leere Stühle fort und entfernt sie damit aus ihrer vorherigen Umgebung, innerhalb derer sie als Sitzgelegenheit eine bestimmte Funktion hatten.

Sylvie Desmoulin zeigte sich sehr gerührt von der Idee, ihre Bilder in Gundelfingen auszustellen. Die Vernissage sei auch nach 23 Jahren ein neuer Beweis der Verbundenheit zwischen den Städten.

Wert legte die Künstlerin, die Mitglied der Société Nationale des Beaux-Arts und Preisträgerin der Académie Internationale de Lutèce ist, auf die Gegenseitigkeit der Freundschaft. Die Freude über die Partnerschaft sei in Meung-sur-Loire eben so groß wie in Gundelfingen. 2008, im Rahmen der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Gundelfingen, war die Idee für eine Vernissage entstanden.

Musikalisch untermalt wurde die Eröffnung von der Sopranistin Lotte Kortenhaus, am Klavier begleitet von Andrea Dölle.

Die Ausstellung ist noch bis 10. Juni im Foyer des Rathauses zu sehen; montags bis freitags 8 bis 16 Uhr.