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20. März 2017

Hardrock fürs Wohnzimmer

Sascha Bendiks & Simon Höneß im Freiburger Vorderhaus.

  1. Die Einheizer Sascha Bendiks (li) und Simon Höneß Foto: Groteloh

2013 gewannen Sascha Bendiks und Simon Höneß mit ihren "Hardrock Variationen in es-Moll für Klavier und Akkordeon" den Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis. Jetzt feierten sie mit dem zweiten Teil ihres Musikkabarett-Programms "In Teufels Küche" rauschende Premiere und heizten im ausverkauften Freiburger Vorderhaus mächtig ein (Regie: Peter W. Hermanns).

Das Konzept ist dasselbe geblieben: Statt Stromgitarre hängt hier nur eine Ukulele am Verstärker, statt knallharten Rockern stehen zwei sympathische Herren im Anzug auf der Bühne, die sich im Laufe dieses Abends in verschwitzte Derwische und die "kleinste Wohnzimmer-Hardrock-Band der Welt" verwandeln werden – Headbanging, ausgelassene Bühnenshow und kehlig geröhrtes "Fuck you" inklusive. Es ist die Droge Musik, die hier direkt in die Bäuche fährt, wenn Bendiks und Höneß allerhand Klassiker von Rock bis Metal mittels äußerst eigenwilliger Coverversionen so verfremden, dass das Publikum sie nur noch am Refrain erkennt. Mal ironisch, mal hochachtungsvoll und mit viel Gefühl transportieren die beiden Weltsongs in andere Musikstile, bürsten das Tempo gegen den Strich, begehen beherzte Brüche und wirbeln Jazz, Folk, Pop, Country, Klassik und Rock versiert durcheinander. Da geht ein balladenhaftes "Smoke on the Water" von Deep Purple schon mal nahtlos in Sades "Smooth Operator" über…Wie sich das anhört? Fantastisch, auch wenn eine ganze Reihe ihrer Arrangements schon aus dem ersten Teil bekannt sind.

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Der Zugriff ist immer originell, die Stimmbreite von Bendiks gewaltig: Mit Elvis-Presley-Schmelz säuselt er AC/DCs "T.N.T.", Van Halens "Jump" wird zum verjazzten Kinderlied, als hinreißend näselnder Bob Dylan gibt er Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody" mit fünf Mundharmonikas oder die Metallica-Ballade "Nothing Else Matters" mit rauem Tom-Waits-Timbre. Dazwischen lässt er in Kiss-Manier die Zunge zappeln, klappert mit Kastagnetten oder stampft den Rhythmus, dass die Bühne bebt. Dabei ist Bendiks eindeutig die Rampensau, der jüngere Hoeneß glänzt als virtuoser Pianist mit Improvisationstalent, der die Exzesse seines Kollegen mit trockenem Humor kommentiert und auch mal mitsingt. Am Ende hat er sich sein Konzerthemd aufgerissen und zeigt blanke Brust. – Ein wilder Ritt durch die Rockgeschichte mit Ausflügen in Tango, Polka, Boogie oder Disco, bei dem es immer wieder verrückte Medleys und Slapstick-Einlagen gibt. Musik-Satire auf höchstem Niveau.

Autor: Marion Klötzer