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03. November 2015 17:30 Uhr

Windkrafträder von EnBW

Energieversorger stockt Windräder auf

Die fünf Windkrafträder im geplanten Windpark Glaserkopf bei Hasel und Gersbach sollen mit 149 Metern Nabenhöhe zwölf Meter höher werden als bislang bekannt.

  1. Michael Volz zeigt den Ratsmitgliedern ein Modell-Windrad. Foto: Hans-Jürgen Hege

HASEL. Michael Volz vom Windkraft-Investor EnBW war Gast in der Gemeinderatsitzung in Hasel am Montag. Wie vor zwei Wochen in Gersbach fand er sich in der Rolle wieder, die Absicht seines Unternehmens zu verteidigen, Windräder betreiben zu wollen. Die auf dem Glaserkopf geplanten fünf Anlagen sollen derweil etwas größer werden, kündigte Michael Volz an.

Michael Volz war eigentlich gekommen, um einen Sachstandsbericht zum bevorstehenden Antrag auf die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Windparks zu geben (die BZ berichtete mehrfach). Zwei Kritiker unter den Zuhörern im Rathaus versuchten bei dieser Gelegenheit, den Fachmann, der zu dieser Informationsrunde aus Stuttgart angereist war, aus der Reserve zu locken.

Mögliche Schall- und Infraschall-Probleme brachten die Kritiker auf die Barrikaden. Eine Frau vermutete etwa, dass die Rentabilität der fünf geplanten Anlagen mit einer Gesamthöhe von rund 200 Metern weit hinter den wirtschaftlichen Erwartungen zurückbleiben würde und viele Tonnen Stahl und Beton völlig nutzlos in Hasels Wälder gekarrt werden. "Da oben weht so wenig Wind, da regt sich oft kein Blättchen", sagte sie.

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Entsprechende Gutachten, die unter anderem Rentabilität und Umweltverträglichkeiten positiv beurteilen und Werte in Sachen Lärm, die durchweg unter den festgelegten Richtwerten des Landes Baden-Württemberg liegen, wurden von den Kritikern offenbar ignoriert. Diese TA Luft (Technische Anleitung Luft) Lärm ist nach Ansicht eines streitbaren Gastes nämlich "längst überholt".

Und entgegen der Aussage des Referenten aus Stuttgart, der den Lärmpegel von Windrädern bei maximal 45 bis 50 dB angesiedelt sieht, glaubte der Mann, der mit einer Unterschriftenliste gegen das Projekt vor Gericht zu ziehen gedenkt: "Die ermittelten Werte passen immer demjenigen in den Kram, der das Gutachten bezahlt."

Da half dann auch der Einwand von Bürgermeister Helmut Kima nicht viel, der sagte: "Wir kommen nicht weiter, wenn wir immer wieder über gegensätzliche Gutachten streiten." Er machte seine Haltung zu der nun wieder hochkochenden Diskussion und einer Verbalattacke auf Michael Volz ("Sie sitzen bestimmt mehr im Büro als hier bei uns im Wald") auch mit dem Hinweis deutlich: "Es sollen hier keine Spekulationsobjekte in den Wald gestellt werden, sondern Strom produzierende Windräder." Seit drei Jahren führten Gemeindeverwaltung, Gemeinderat und Öffentlichkeit nun schon diese Gespräche.

Michael Volz gab zu, dass die Gutachten vor Einreichung zur Genehmigung des Bauantrags noch einmal verändert werden, weil sich die EnBW dazu durchgerungen habe, die zunächst geplante Nabenhöhe von 137 Metern aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf 149 Meter zu erhöhen. Damit sollen die Windverhältnisse besser genutzt werden. An den Aussagen zum Abwurf von Eisbrocken, zu hydrogeologischen Überlegungen, Turbulenzen, Schattenwurf, Infraschall, Schall oder Artenschutz werde sich seiner Meinung nach aber nichts Wesentliches ändern, meint er.

Gemeinderat Peter Schalajda sagte zu den Kritikern: "Wir müssen damit vorankommen. Was jetzt wieder aufgetischt wird, ist alles gar nicht so schlimm", sagte der Kreisrat der Partei Bündnis 90/Die Grünen und verwies auf den Feldberg, wo Lifte, Parkplätze und "Betonbunker" gebaut würden, aber kein Platz sei für ein einziges Windkraftwerk.

Die Bauarbeiten auf dem Glaserkopf könnten im Sommer 2016 beginnen. Bis dahin soll klar sein, wie die Windräder transportiert werden, über Wehr oder Gersbach. Sonst schiebe sich die Inbetriebnahme ins Jahr 2017 hinaus, so Volz.

Autor: Hans-Jürgen Hege