"Muesch numme welle, no chasch!"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 25. Juli 2016

Hausen im Wiesental

Yves Bisch aus Sierenz schilderte bei der Muettersproch-Gsellschaft, wie er sich für den elsässischen Dialekt einsetzt.

HAUSEN (BZ). Bei einer Autorenlesung der Muettersproch-Gsellschaft im Hebelhaus erfuhren die vielen Zuhörer, dass es im Elsass noch schwieriger ist als bei uns, den Dialekt am Leben zu halten. Sie trafen auf einen Lehrer, Dichter und Übersetzer, der den Kampf gegen das Vergessen auf seine Fahnen geschrieben hat.

Yves Bisch aus Sierenz legte in eindrücklicher Weise mit vielen Beispielen dar, was er und einige Mitstreiter unternehmen, um den Menschen aller Generationen die Bedeutung der Muttersprache nahe zu bringen. Viele Eltern hätten noch nicht verstanden, wie wichtig es sei, dem Nachwuchs den Dialekt schmackhaft zu machen.

Yves Bisch, Jahrgang 1945, erzählte, dass er zunächst daheim nur Elsässisch und erst danach in der "Bubeleschuel", dem Kindergarten, Französisch gelernt habe. In der Schule war dann immer nur die französische Sprache erlaubt, im Gymnasium kamen Fremdsprachen dazu. Sogar als er selbst Lehrer war, durfte Yves Bisch offiziell mit seinen Schülern keinen Dialekt verwenden. Natürlich ließ er sich das nicht ganz verbieten, und so nebenbei flossen immer wieder elsässische Ausdrücke in seinen Unterricht ein.

Bisch nannte Beispiele, die das Elsässische fördern können. Dazu gehören etwa die Aufführungen des Mundarttheater in Helfranzkirch, wöchentliche Zeitungsartikel mit Erklärungen von Mundartausdrücken, elsässischer Zusatzunterricht in allen Altersstufen, vom Kindergarten bis zum Seniorenheim. Dazu gehört eine CD fürs Krankenhaus, damit die Pfleger ihre Patienten verstehen lernen, Gedichte, die vertont und in den Schulen gesungen werden, Adventskalender mit Mundartausdrücken, Reklametafeln, Übersetzungen beliebter Kinderbücher in die Mundart. Auch Tafeln mit Mundarttexten entlang einiger Wanderwege brachte er ins Gespräch, etwa am Dreyland-Dichterweg.

Der Gast berichtete auch von der großen Diskussion in Frankreich, nachdem sich 2012 die Miss France in ihrer Mundart bedankt hatte. Leider gab Bisch nur wenige Kostproben aus seinen umfangreichen Werken, aber in einigen Beispielen blitzte das große sprachliche Vermögen des Streiters für den Dialekt auf. Mit wenigen Hilfsverben legte er die ganze Bandbreite der menschlichen Überlegungen offen: "Wott i? Sott i? Chann i? Darf i? Muess i? Will i? --- Wott i nit? Sott i nit? Chann i nit? Darf i nit? Muess i nit? Will i nit? Muesch numme welle, no chasch!"

Die Vorsitzende Heidi Zöllner dankte dem Gast aus dem Nachbarland herzlich und wies auf die Unterschrifentaktion der Muettersprach-Gsellschaft an den SWR zur Erhaltung der Dialektsendungen im Rundfunk hin.