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28. Januar 2012

Haydns Musik als Bilder in Farbe

Kunstverein Gundelfingen geht neue Wege und zeigt Ausstellung "Von gehörter zu sichtbarer Musik".

  1. „Von gehörter zu sichtbarer Musik“ Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Es beginnt mit einem Klavier. Nach und nach setzt die Geige ein. Gewaltig und markant das gemeinsame Spiel der Instrumente. Anton Webern komponierte das Werk "Vier Stücke für Geige und Klavier". Delia Goering malte es: schwarze Balken, die an Klaviertasten erinnern, schwimmende Geigentöne, die nach oben streben. Seit Mittwochabend sind 50 Kunstwerke zu sehen, die anlässlich des Projekts "Von gehörter zu sichtbarer Kunst" entstanden sind.

Fast genau vor zwei Jahren begann der Kunstverein Gundelfingen mit einem einzigartigen Projekt. Bildende Künstler sollten Klaviersonaten, Geigenklänge, Klarinetten- und Flötentöne auf Leinwand bannen. "Es hat sich eine unglaubliche Kreativität entwickelt", sagte Ulrike Bach, Vorsitzende des Kunstvereins, bei der überaus gut besuchten Ausstellungseröffnung am Mittwochabend. "Manch Schöpfergeist war derart von der Musik inspiriert, dass gleich mehrere Werke aus einer Hand entstanden sind."

So wie bei Delia Goering. Sie schuf 26 Gemälde. "Beim Hören der Musik von Haydn, Zender oder Webern explodierten die Farben, Formen und Strukturen vor meinem inneren geistigen Auge und wurden langsam zu einem Bild." Schwungvolle Linien, Farbwirbel und großräumige Kreisbewegungen – so übersetzt sie zum Beispiel ein weiteres Stück von Anton Webern, welches bei einem Soiree-Konzert, präsentiert vom Ensemble "Anprall", im Januar 2010 erklang.

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Stefan Bohl dagegen kämpfte mit dem hohen Anspruch des Themas. "Wie soll man Musik sichtbar machen. Also bin ich subjektiv an die Arbeit gegangen." Entstanden ist ein Werk nach einer Komposition von Alban Berg – ein Stück aus tiefen eindrucksvollen Tönen. Das Bild dazu übersetzt nun deren dunkle Stimmung mit einer kräftigen, leuchtenden Dynamik, die aus der Bildmitte aufsteigt.

Vielseitig wie die zugrundeliegende Musik sind die ausgestellten Bilder und Skulpturen, die von Christina Lotz aus Sandstein, Alabaster und Kalkstein gefertigt wurden. Die meisten Bilder sind abstrakt, doch findet man immer wieder gegenständliche Bezüge, blickt in Augen, fühlt sich an Figuren erinnert. Etwa bei Ulrike Bachs Bildern: Sie skizzierte "hüpfende Figürchen" in bunten Feldern. Die Musik dazu stammt aus dem fröhlichen Klarinetten-Solo des Stücks "Gra" von Elliott Carter.

Ganz ohne Vorwissen ging auch die Künstlerin Nora Minorowics-Schütz nicht ans Werk. Schon als Kind war sie mit der Musik verbunden und kennt sich bestens aus. Daher habe das Projekt in ihr, so erzählte sie, eine unglaubliche Kreativität wieder freigesetzt, die sie schon sehnsüchtig vermisste. "Ich bin dem Kunstverein bis an mein Lebensende dankbar für dieses Projekt, das in mir ein übervolles Maß an Kraft und Kreativität freisetzte." Die Musik, die sie bei den Konzerten hörte, fing sie in fünf Bildern ein, und der Betrachter, der sich darauf einlässt, könnte bei jedem der Ölgemälde das Stück im Bild erkennen oder sogar hören.

Weitere ausstellende Künstler, die sich an dem Projekt beteiligten, sind Gunhild Sander, Hans-Werner Drawin, Brigitte Goecke, Gisela Findel-Tölke, Wolfgang P. Woseipka, Wilfried Klausmann, Roderich Brandsch, Franz Quitter, Bettina Ruge, Hans-Peter Friedrich, Isabell Wiessler, Ingeborg Kaschig, Erika Morell, Dieter Dörle und Christina Lotz.

Musikalisch begleitet wurde der interessante Ausstellungsabend vom Ensemble "Anprall" mit Auszügen aus den Konzerten, nach denen einige Gemälde entstanden sind.

Hinweis: Die Ausstellung im Rathaus kann bis 28. Februar von montags bis donnerstags von 8 Uhr bis 12 Uhr, Montagmittag von 14 Uhr bis 17 Uhr, Mittwochmittag von 14 Uhr bis 18 Uhr und freitags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr besichtigt werden.

Autor: Andrea Steinhart