Hohe Ansprüche an Landwirtschaft

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Do, 04. Januar 2018

Wirtschaft

Deutsche Verbraucher legen Wert auf Transparenz und Tierwohl.

BERLIN. Beim Essen haben die Deutschen hohe Ansprüche. Verbraucher wünschen sich mehr Tierwohl und umfangreiche Informationen. Eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der am Mittwoch in Berlin den Ernährungsreport 2018 vorstellte, weiterhin ab.

Die Ansprüche der Konsumenten an verlässliche Informationen über Lebensmittel und eine schonende Erzeugung der Nahrungsmittel durch die Landwirtschaft sind anhaltend hoch. Vier von fünf Verbrauchern wollen über Inhalts- und Zusatzstoffe Bescheid wissen. Ebenso viele verlangen Warnhinweise auf den Verpackungen. Das geht aus dem Ernährungsreport hervor, für den das Forsa-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 1017 Bundesbürger im Alter ab 14 Jahren befragt hatte. Die repräsentative Befragung erfolgte vom 24. Oktober bis zum 3. November vergangenen Jahres mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews.

Demnach legt eine große Mehrheit der Haushalte Wert darauf, dass auf der Verpackung ein Mindesthaltbarkeitsdatum und möglicherweise enthaltene allergene Stoffe ausgewiesen sind. Von einer Ampelkennzeichnung besonders fetter, salziger oder süßer Produkte will Schmidt dennoch nichts wissen. "Je einfacher eine Information ist, desto weniger vertieft", verteidigte der CSU-Politiker seine Skepsis. So lasse sich aus der einfachen Kennzeichnung durch rote, gelbe und grüne Punkte beispielsweise nicht auf den Inhalt einer Pizza schließen.

Die in dieser Woche gestartete Kampagne der Verbraucherzentralen für die Ampel wird also vorläufig keine Wende bringen. Hohe Ansprüche haben die Verbraucher dem Ernährungsreport zufolge auch gegenüber der Landwirtschaft. Dabei steht vor allem die Fleischerzeugung im Fokus. Zwei Drittel der Befragten legen Wert auf mehr Tierwohl. Dafür würden sie nach eigenen Angaben auch mehr Geld ausgeben (Grafik). Allerdings haben andere Untersuchungen gezeigt, dass zwischen der geäußerten Bereitschaft und dem tatsächlichen Verhalten an der Fleischtheke eine Kluft klafft. Im Supermarkt greifen viele am Ende doch zur Billigware. Das lange geplante Tierwohl-Label als Gütesiegel gibt es trotz des Verbraucherwunsches immer noch nicht. Die Einführung will Schmidt der künftigen Bundesregierung überlassen.

Streit darum gab es reichlich. So stiegen die Tierschutzverbände aus dem zunächst gemeinsamen Vorhaben wieder aus. "Es sind alle eingeladen, einen neuen Start zu unternehmen", versicherte Schmidt am Mittwoch. Scharfe Kritik muss er sich von der Organisation Foodwatch gefallen lassen. "Es ist bekannt, dass sich die Menschen eine bessere Kennzeichnung oder eine gute Tierhaltung in der Landwirtschaft wünschen", sagt Foodwatch-Chef Martin Rücker, "doch genau hier wird Minister Schmidt gar nicht aktiv oder bringt lediglich Scheininitiativen auf den Weg."

Mit den Resultaten des Reports ist Schmidt zufrieden. "Deutschland ist ein Volk von Köchen", sagte er. Drei von vier Befragten kochen nach eigenen Angaben gerne. 43 Prozent bereiten sogar täglich ihre Speisen selbst zu, weitere 38 Prozent wenigstens zwei bis drei Mal in der Woche. Die Zahl der Kochmuffel unter den Männern sinkt: Nur jeder siebte verweigert die Arbeit am eigenen Herd ganz. An den Unterschieden zwischen Frauen und Männern hat sich im Vergleich zu den Untersuchungen 2017 und 2016 nichts verändert: Frauen kochen häufiger selbst, essen gesünder und achten mehr auf die Ernährung.