Im Dialog mit der Künstlerin

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 17. April 2018

Weil am Rhein

Werkgespräch mit Anja Braun in der Ausstellung "Jardin des Arts" im Stapflehus / Kleine, aber fachkundige Runde.

WEIL AM RHEIN. Neue Wege in der Kunstvermittlung ging der Kunstverein Weil am Rhein am Samstag in der Städtischen Galerie im Stapflehus. Am letzten Wochenende der Ausstellung "Jardin des Arts" von Anja Braun gab es Gelegenheit, bei einem Werkgespräch mit der Künstlerin Näheres über ihre Arbeitsweise und die Entstehung ihrer Installationen, Bilder und Videos zu erfahren. Auf Fragen von Ruth Loibl erzählte Anja Braun einiges über sich und ihre Kunst, auch die Besucher konnten beim Rundgang Fragen stellen.

Wie Vorsitzender Friedrich Resin sagte, habe der Kunstverein schon gelegentlich solche Werkgespräche angeboten. "Es ist eine gute Gelegenheit zur Begegnung und zum Dialog mit den Künstlern". Da sich die Arbeiten von Anja Braun nicht so leicht von selbst erklärten, sei es sinnvoll, so ein Werkgespräch zu veranstalten, als Angebot für Interessierte, die mehr zum Hintergrund der Werke wissen möchten. "Bei den Vernissagen spricht ja meistens ein Redner oder eine Rednerin über den jeweiligen Künstler, und beim Werkgespräch soll die Künstlerin selbst zu Wort kommen," erklärte er.

Außerdem, so Resin, sei es ein Versuch, nochmals Kunstfreunde anzusprechen und für die Ausstellung zu interessieren. Denn die Vernissagen seien zwar gut besucht, aber während der Ausstellungsdauer seien die Besucherzahlen dann oft nicht mehr so hoch. Auch seien neue Arten der Kunstvermittlung wichtig, um das Interesse an Gegenwartskunst zu wecken und zu fördern. Der Kunstverein bietet übrigens auch den hiesigen Gymnasien an, dass die Lehrer mit ihren Klassen die Ausstellungen besuchen, während der Künstler anwesend ist.

Für die aus Freiburg stammende und in Basel lebende Anja Braun sind Werkgespräche "ein gängiges Format", das sie bei eigenen Ausstellung schon öfter praktiziert hat. "Das öffnet die Werke", findet auch Ruth Loibl den direkten Austausch mit den Künstlern sehr förderlich. Loibl, selbst Künstlerin aus Rheinfelden, hatte schon die Eröffnungsrede zur Vernissage gehalten. Auch sie hat Erfahrung mit Werkgesprächen, zum Beispiel mit dem Bildhauer Bernd Goering in der Galerie Underground in Haltingen.

An diesem Samstagnachmittag ist die Resonanz des Publikums auf das Angebot dennoch eher gering, da hat wohl das Frühlingswetter dazwischengefunkt. Die Besucherrunde ist klein, aber höchst aufgeschlossen, aufmerksam und auch fachkundig, denn unter den Besuchern sind Künstler wie der Bildhauer Reinhard Bombsch aus Efringen-Kirchen, der Mitglied des Kunstvereins ist, und die Malerin Georgine Ingold aus Basel, die vor kurzem zusammen mit Anja Braun in Stuttgart ausgestellt hat und nun sehen wollte, was sie im Stapflehus aufgebaut hat.

Ruth Loibl fungiert als eine Art Gesprächsmoderatorin und will "die Situation ausnutzen, um Anja Braun Löcher in den Bauch zu fragen". Das Gespräch beginnt im Erdgeschoss vor der großen Installation mit der Bilderwand aus 32 Einzelbildern. Ihre Kunst sei immer eng verbunden mit dem Leben, mit dem Alltag, mit Beobachtungen in der Natur, sagt Anja Braun. "Ich probiere, offen durch die Welt, durch den Tag zu gehen, die Natur zu beobachten".

Oft seien es Momente, die den Werkprozess anstoßen, flüchtige Momentaufnahmen, die sie aus der Umgebung herausgreife, so die Künstlerin. Bei der Bilderwand, erläutert Braun auf Fragen von Loibl und den Besuchern, waren Farb- und Lichtstudien im Wallis die Basis. Sie habe Lichtstimmungen zu verschiedenen Tageszeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang beobachtet und festgehalten und später zu abstrakten Farbfeldbildern verarbeitet. Georgine Ingold fielen die "pastellartigen Farben" auf und die Assoziation von Landschaft, Horizont, Licht und Weite, die diese Bilderwand vermittle. Reinhard Bombsch wollte wissen, ob die Arbeit speziell für den Ort konzipiert wurde, was Anja Braun bejahte. Sie wollte, dass die leicht gebogene Installation aus Bildern eine Beziehung zum Raum aufbaut, visuell in Dialog tritt mit dem Raum im Stapflehus. "Die Arbeiten entstehen konkret für einen Ort", erklärte Braun, "aber sie sind variabel in der Präsentation."

Das Werkgespräch setzte sich in den weiteren Stockwerken fort, vor den 100 gebogenen Gebilden aus Blech, die das wechselnde Tageslicht reflektieren und mit Spiegelungen spielen, und im Dachgeschoss mit der Video-Ton-Installation, die in einem Hinterhof in Paris entstanden ist, wo Anja Braun flüchtige Situationen gefilmt hat.