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20. Dezember 2010 12:06 Uhr

Untersuchung

Immer mehr Angstattacken bei Kindern im Südwesten

Schulangst, Furcht vor Fremden, Panik bei Dunkelheit: 18 000 Kinder unter zehn Jahren werden in Baden-Württemberg nach einer Erhebung der Techniker Krankenkasse zufolge wegen Ängsten medizinisch behandelt.

  1. Weinen, Wutausbrüche und Anklammern an die Eltern sind typische Verhaltensweisen von Kindern mit Trennungsangst. Foto: Jens Wolf

Darunter seien rund 2600 Vor- und Grundschüler. Sie litten unter therapiebedürftigen Trennungsängsten, sagte die Diplom-Psychologin der Krankenkasse, Ellen Basner, in Freiburg. "Sie fürchten sich ohne Mama oder Papa allein zu sein und weigern sich beispielsweise morgens in die Schule zu gehen."

Weinen, Wutausbrüche und Anklammern an die Eltern seien typische Verhaltensweisen bei Trennungsangst, sagte Basner. Viele Kinder klagten auch über Kopf-, Bauchschmerzen oder Übelkeit sowie in Einzelfällen über Fieber.

Eltern und Erzieher in der Pflicht

Gefordert seien vor allem die Eltern. Aber auch Erzieher und Lehrer müssten wachsam sein. "Zeigt ein Kind über mehrere Wochen hinweg auffälliges Verhalten, dann sollte man hellhörig werden." Eltern sollten aufmerksam sein und die Symptome ernst nehmen. Werde nicht gehandelt, drohten möglicherweise dauerhafte Schäden. "Auf keinen Fall sollten Eltern drohen, zwingen, Ängste ignorieren oder dem Kind erlauben, zu Hause zu bleiben", sagte Basner.

Symptome für Angstzustände seien anhaltende Wein- und Schreikrämpfe sowie körperliche Schmerzen. "Auch wenn Schulkinder plötzlich wieder einnässen, können Ängste der Grund sein."

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Hilfe bekommen Eltern bei Kinderärzten, Schulpsychologen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie bei psychosozialen Diensten. In schwerwiegenden Fällen sei eine Klinikbehandlung mit begleitendem Schulunterricht möglich. An der Therapie beteiligt seien die Eltern. Die Kosten der Behandlung trage die Krankenkasse.

Expertin: Eigene Ängst nicht auf die Kinder übertragen

Aber auch die Eltern können Auslöser sein, sagte Basner: "Die Angst der Eltern kann sich auf die Kinder übertragen." Wenn beispielsweise Mutter oder Vater zu sehr klammerten und ihre Kinder vor schlechten Erfahrungen schützen wollen, könnten Kinder Angst vor neuen Erfahrungen und vor Trennungssituationen entwickeln. "Trennungsängste können aber auch entstehen, wenn Kinder wichtige Bezugspersonen verloren haben, zum Beispiel durch Scheidung oder Tod." Die vorschulischen Erfahrungen und Gefühle könnten dann in der Schule in Form von heftigen Ängsten wieder auftauchen.

Um die Daten zu erheben, hat die Krankenkasse nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten ambulante Behandlungsfälle von bei ihr versicherten Kindern aus Baden-Württemberg ausgewertet. Diese Daten wurden auf die Gesamtbevölkerung dieser Altersklasse im Land hochgerechnet. Vergleichszahlen aus Vorjahren liegen den Angaben zufolge nicht vor.

Autor: dpa