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24. Dezember 2008

In Holz gehauene biblische Geschichte

Kampf der Engel auf Bergahorn: Die Naturkrippe auf dem Pfeiferberg bei Kirchzarten ist um eine Attraktion reicher

  1. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages fallen auf die Naturkrippe auf dem Pfeiferberg; in der Mitte der mächtige Bergahorn Foto: Thomas Rees

  2. Thomas Rees bei der Arbeit Foto: rees

  3. Trauernde, Golgotha, Grabkammer Foto: rees

  4. Maria und Josef mit dem Kind Foto: rees

KIRCHZARTEN. Die biblische Geschichte in einen riesigen Baumstamm geschnitzt, das ist in diesem Jahr die besondere Attraktion der Naturkrippe auf dem Pfeiferberg. Wochenlang hat sie Thomas Rees in einem alten Bergahorn lebendig werden lassen. Rings um dieses Kunstwerk werden wieder einige urige Krippenfiguren aus Baumresten aufgestellt, die in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Tausende von Besuchern sind an früheren Weihnachten bereits auf den Pfeiferberg oberhalb des Ortsteils Neuhäuser gepilgert, um die knorrigen Krippenfiguren zu bewundern und an einer der Krippenfeiern teilzunehmen. Ihren Ursprung hat die Krippe aus der Zeit nach Orkan "Lothar" vor neun Jahren. Damals gestaltete Thomas Rees, der in Neuhäuser wohnt und von Beruf Informatiker ist, die ersten urigen Figuren, allerlei Tiergestalten, die er am Waldrand gruppierte und nach Weihnachten wieder an ihren Ursprungsort, nämlich in den Wald, zurückbrachte.

Auch in diesem Winter ist wieder ein Stück "Abfallholz" sein Material, wenngleich es sich um ein mächtiges Trumm handelt. Im Zastlertal musste aus Sicherheitsgründen ein wohl 200 Jahre alter Bergahorn gefällt werden, und da er so groß war, dass ihn kein Säger mehr verarbeiten konnte, blieb er im Wald liegen. Der Stamm ist etwa sechs Meter lang und hat einen Umfang bis zu 3,50 Meter und wiegt rund vier Tonnen.

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Ein befreundeter Fuhrunternehmer schaffte den Stamm auf den Pfeiferberg, wo jetzt Josef Rees rund 20 Quadratmeter Fläche zur Verfügung standen, um darauf reliefartig Szenen aus dem Alten und Neuen Testament entstehen zu lassen. In den vergangene vier, fünf Wochen beeinträchtigte zwar schlechtes Wetter die Arbeit, das Kunstwerk ist jedoch rechtzeitig fertig geworden.

Ganz oben, wo sich der Stamm in zwei Äste teilt, entdeckt man unter Sternen den Kampf der Engel mit dem Sieg Michaels über Luzifer, daneben das himmlische Jerusalem und Bethlehem. Eine Schlange, der Baum der Erkenntnis und der Cherubim mit feurigem Schwert erinnern an die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies.

Es folgen weitere Szenen aus dem Alten Testament, etwa, wie Kain seine Bruder Abel erschlägt, Noah und die Arche, der Turmbau zu Babel, die Verwirrung Abrahams und Moses mit den Gesetzestafeln.

In Augenhöhe blickt der Betrachter auf Szenen aus dem Neuen Testament: Dort sind König Herodes und ein römischer Legionär mit Lanze zu sehen, der Stern von Bethlehem, die Drei Könige und die Hirten, Maria und Josef mit dem Kind. Bei der Kreuzigungsszene auf Golgatha sind der Ruf zum Himmel und die Trauernden abgebildet und schließlich folgt als Osterszene das leere Grab.

Josef Rees erläutert den Besuchern gerne die geschnitzten Szenen. Was er oben zwischen den mächtigen Astgabeln nicht selber schuf, aber sorgfältig hegt und pflegt, deutet er selbst als Sieg des Lebens über den Tod: Dort keimte im vermodernden Laub ein neues Bäumchen, und Thomas Rees ist gespannt, ob es im nächsten Frühjahr wieder grünt. Dann muss das Kunstwerk allerdings seinen Standort verlassen, da ein weiterer Besucherstrom die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes verhindern würde. Der Künstler würde die in Holz gehauene biblische Geschichte gerne an eine Kirche oder sonstige Interessenten verkaufen.

Am Waldrand gibt es auch lebende Tiere zu sehen
Ein Höhepunkt rund um die Weihnachtskrippe wird sein, wenn Diakon Werner Maier-Disch aus Kappel die Krippenfeiern an Weihnachten zelebrieren wird. Tourismus Dreisamtal und Schwarzwaldverein Kirchzarten-Neuhäuser bieten Fackelwanderungen zur Krippe an, da man mit dem Auto nicht auf den Pfeiferberg fahren kann. Dort erwarten die Besucher nicht nur das Figurenensemble von Thomas Rees, sondern auch lebende Tiere wie Schafe, Esel und Rinder am Waldrand, und in der Krippenschiere des Bauernhofes kann man sich bei Bewirtung aufwärmen.

Autor: Karlheinz Scherfling