Innovationspreis für Narrenfahrplan

Felicitas Rohrer und Elisabeth Willers

Von Felicitas Rohrer & Elisabeth Willers

Mi, 23. Februar 2011

Bad Säckingen

Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte und Deutsche Bahn AG gestern Abend von Umweltministerin Gönner ausgezeichnet.

BAD SÄCKINGEN. Umweltministerin Tanja Gönner hat der Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte (VHN) und der Bahn Regio Südbaden den mit 5000 Euro dotierten ÖPNV-Innovationspreis (zweiter Preis) verliehen. In der fünften Jahreszeit seien am Hochrhein dank des ausgeklügelten Kooperationskonzepts 20 000 bis 40 000 Narren unterwegs, so die CDU-Politikerin. Eine Narrendelegation mit Narrenfahrplan-Initiator Günter Butz aus Bad Säckingen und Murg nahm gestern Abend im Freiburger Konzerthaus den Preis freudig und stolz entgegen.

Mit dem Innovationspreis zeichnet das Land hervorragende Projekte für in die Zukunft gerichteten Nahverkehr aus. Dabei hatte das Erfolgskonzept Narrenfahrplan am Hochrhein mit einer gehörigen Portion Frust begonnen.

70 Mitglieder der Murger Narrenzunft und der Niederhofer Guggenmusik Fröscheloch-Echo wollten 2003 zum Narrentreffen nach Dogern reisen. Nur ein einziger Triebwagen stand bereit, was die Fahrt zu einer halben Odyssee werden ließ. Günter Butz, damals aktiv in der Murger Narrenzunft, mittlerweile nach Bad Säckingen umgezogen und Kanzelar der VHN, reagierte und lud im Juli 2004 zu einem ersten Gespräch zwischen den Narrenzünften am Hochrhein und der DB Regio AG ein. Daraus entwickelte sich im Lauf der Jahre eine konstruktive Kooperation. Rege nutzen Fasnächtler mittlerweile das Angebot der Sonderzüge zu den großen Festivals und Narrentreffen.

"NArrenFAHRplan" nennt sich die Zusammenarbeit. Butz ist es maßgebend zu verdanken, dass es funktioniert. Jährlich kommen bis zu 40 000 Teilnehmer und Zuschauer auf diese Weise an die Orte des närrischen Geschehens. Unvorstellbar, was an Logistik fällig wäre, würden alle womöglich per Autos anreisen. Auch der normale Zugfahrplan könnte dem Ansturm kaum gerecht werden.

Dank der Kooperation würden Fasnachtsveranstaltungen in der Region generalstabsmäßig vorbereitet, so Ministerin Gönner gestern Abend in ihrer Laudatio. Die Deutsche Bahn könne dabei ein individuelles Verkehrskonzept für einzelne Veranstaltungen entwickeln, in dem gemeinsam das Fahrgastpotenzial abgeschätzt werde. Verbindungen und Anschlüsse könnten über gemeinsame Absprachen getroffen werden. Bahn und Kommunen können so für die An- und Abreise mit Bahn und Bus werben, so dass alle davon profitieren, so die Ministerin. Seit 2004 wird dieses außergewöhnliche und bestens funktionierende Konzept stetig verbessert und hat viele Mitglieder gewonnen. So beteiligen sich die Narrenzünfte von Rheinfelden bis Waldshut daran, zudem mehrere andere Fasnachtsgesellschaften. Neben der DB Regio AG arbeiten von Seiten der Bahn der Waldshuter Tarifverband, der Regio Verkehrsbund Lörrach, die Südbadenbus GmbH und die SBB Deutschland mit. Bereits zehn Monate vor einer Veranstaltung beginnt die Planung und zweimal im Jahr kommen die Koordinatoren zusammen, um Bilanz zu ziehen und Termine zu planen.

Dass die Maßnahmen greifen, sieht man nicht nur an der Begeisterung und Zufriedenheit der Teilnehmer, sondern auch an den Zahlen. Seit 2005 nutzten zunehmend mehr Besucher von Fasnachtsveranstaltungen das Angebot. Heuer stehen sechs Narrentreffen an, für die die Veranstalter mit mehr als 22 000 Besuchern und damit Bahnnutzern rechnen.

Die Verleihung des Preises fand gestern Abend beim ÖPNV-Innovationskongress in Freiburg statt, der noch bis Donnerstag dauert. Der mit 10 000 Euro dotierte erste Preis geht an die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft für das Unternehmenskonzept "Mehr Service gefällig? Kundenorientierung als Leitprinzip". Den dritten Preis (2500 Euro) bekommt die Firma Spillmann, Bietigheim-Bissingen, für ihr Konzept "Kundenerwartungen übertreffen", das besonders durch neu gestaltete Fahrzeuge heraussticht.