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08. August 2012 10:35 Uhr

BZ-Serie Teil 2b

Interview mit einer Sprechtrainerin

Dialekt, nein Danke? Die Stuttgarter Sprechtrainerin Petra Ziegler bringt Schwaben, Badenern und Sachsen Hochdeutsch bei. Warum?

  1. Petra Ziegler Foto: privat

Petra Ziegler unterrichtet Menschen, die Dialekt sprechen, in Hochdeutsch. Die Sprechtrainerin aus Stuttgart ist gefragt. Welche Menschen aus welchen Gründen und mit welchen Zielen zu ihr kommen, hat Sebastian Wolfrum erfragt.

BZ: Warum wollen sich Menschen von Ihnen den Dialekt abtrainieren lassen?
Ziegler: Das sind meist Klienten, die das aus beruflichen Gründen tun. Sie wollen aufsteigen oder sind bereits in höheren Positionen, in denen sie öffentlich sprechen müssen. Oft erzählen sie mir, dass sie sich weniger akzeptiert fühlen, dass sie sich provinziell und als vom Dorf kommend abgestempelt vorkommen. Manchmal denken sie auch nur, dass sie starken Dialekt sprechen, dabei haben sie lediglich eine leichte dialektale Färbung. Manche versteht man aber wirklich nicht gut.
BZ: Ist es also für die Karriere besser, Hochdeutsch zu sprechen?
Ziegler: Zu einem gewissen Grad ja. Aber es kommt darauf an, wo man arbeitet. Bei einer schwäbischen Mittelstandsfirma kommt Dialekt auch in der Chefetage und bei den Kunden gut an. Da kann das sogar ein Marketinginstrument sein. Im Idealfall kann man die Dialektstärke variieren.

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BZ: Wie bringen Sie Hochdeutsch bei?
Ziegler: Das ist so, wie wenn man Fremdsprache lernt. Die Grammatik unterscheidet sich, die Aussprache und viele Wörter. Allerdings haben der Dialekt und das Hochdeutsche eine gemeinsame Grundlage. Am Anfang mache ich mit meinen Klienten Ton- und Videoaufnahmen und bespreche, welche Ziele sie erreichen wollen. Keiner möchte professioneller Sprecher werden, wie bei der Tagesschau. Das wäre auch schwer; auf der Schauspielschule erhält man dafür drei Jahre Sprechunterricht.

BZ: Gibt es denn Dialekte, die die Menschen eher loswerden wollen?
Ziegler: Zu mir kommen hauptsächlich Menschen, die Schwäbisch, Badisch oder Sächsisch sprechen. Die Bayern übrigens weniger, die gehen selbstbewusster mit ihrem Dialekt um. Österreicher und Schweizer kommen ebenfalls sehr selten zu mir. Dass sie anders sprechen, ist auch eine Abgrenzung zu Deutschland.
BZ: Sollte man sich den Dialekt am besten gleich ganz abgewöhnen?
Ziegler: Nein, warum denn? Dialekt hat viele positive Aspekte, er vermittelt ein Wir-Gefühl. Manche Dinge kann man mit Dialekt viel besser ausdrücken. Zudem hat jede Sprachregion Menschen, auf die sie stolz sein kann. Schiller hat manchmal auf Schwäbisch gereimt, Jogi Löw spricht einen sehr sympathischen badischen Akzent. Die Menschen sollen dazu stehen, woher sie kommen.
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Autor: Sebastian Wolfrum