Begegnung statt Bürgerpflicht

Paul Schleer

Von Paul Schleer

Mo, 09. Juli 2018

Inzlingen

Beim Banntag in Inzlingen wanderten rund 300 Teilnehmer aus dem Kreis und der Schweiz die Grenzsteine zu den Nachbarn ab.

INZLINGEN. Sonnenschein und Banntag sorgten in Inzlingen für ein Fest, an dem sich viele Bürgerinnen und Bürger aus der Schweiz und dem Kreis Lörrach beteiligten. Bürgermeister Marco Muchenberger freute sich zum 16. Banntag rund 300 Bannwanderer bei der Erstelhalle begrüßen zu können. Dabei galt sein besonderer Gruß dem 93-jährigen Riehener Alt-Regierungsrat Eugen Keller, der in bester Verfassung die rund neun Kilometer lange Strecke in rund dreieinhalb Stunden bewältigte.

Bürgermeister Marco Muchenberger begrüßte besonders die Dorfgemeinschaft und ihre über 30 Vereine und Organisationen, die mit zum Banntag beigetragen haben. Besonders begrüßte er zudem die Bundestagsabgeordneten Christoph Hoffmann (FDP), Armin Schuster (CDU) und den Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger (SPD) sowie viele weitere Ehrengästen aus der Nachbarschaft dies- und jenseits der Grenze, zu der man ein gutes Verhältnis pflegt. Alt-Bürgermeister Erich Hildebrand, der den Banntag, der alle zwei Jahre stattfindet, 1988 ins Leben gerufen hatte, kam eigens aus der Reha.

Muchenberger erläuterte, dass Sinn und Zweck eines Banntages das Abschreiten der Grenze zu den Nachbarn sei, verbunden mit einer Kontrolle der Grenzsteine. Dies war früher sogar eine Bürgerpflicht und in Riehen und Bettingen heute noch gepflegt. Von der Erstelhalle aus wanderte die Gruppe durch das Ersteltal zur Fußgängerbrücke über die Autobahn zu Metzelhöhe, die über 400 Meter lang und 32 Meter hoch ist. Von dort ging es über den Kühlenstampf zur Holzmatt weiter zum Hagenbacher Brückle, wo die Gemarkung Rheinfelden-Degerfelden beginnt. Dann ging’s in das Gewann "In der Wanne", den Viehweg entlang zum Inzlinger Kreuz über den Isäckleweg. Beim Feldkreuz am Berg gab es einen ökumenischen Gottesdienst, in dem sich Pfarrer Tobias Walking und Pastoralreferentin Anja Dörner mit dem Thema Grenzen und Grenzen abbauen befassten und sich scharf gegen das Schaffen neuer Grenzen wandten. Anschließend ging’s den Bergweg hinab, durch die Unterführung Dorfstraße und Sonnhalde hinauf zur Erstelhalle. Hier wartete auf alle Bannwanderer ein schmackhaftes Mittagessen, dass der Inzlinger Gemeinderat spendiert hatte zur Stärkung. Die Freiwillige Feuerwehr Inzlingen unter Kommandant Thomas Muck versorgte die Wanderer mit Getränken, und Rolf-Dieter Rausch vom Fachbereich Vermessung des Landratsamtes hatte für alle eine farbige Panoramakarte gefertigt, die den Wegverlauf aufzeigte.

Zur Eisernen Hand berichtete Bürgermeister Muchenberger, dass diese seit mindestens 500 Jahren bestehe und an ihrer schmalsten Stelle rund 40 Meter breit sei. Sie sei ein Ort vieler Ereignisse in der Geschichte, als Schmugglerpfad, dramatischer Fluchtpunkt und liege wie der Finger einer Eisernen Hand als altes Herrschaftszeichen zwischen den Gemarkungen Stetten und Inzlingen. Man vermute, dass Riehen und Stetten früher einen gemeinsamen Bann bildeten. Für Nachmittagsunterhaltung in der Erstelhalle sorgte dann der Musikverein Inzlingen unter Leitung seines Dirigenten und Showman Richard Dombkowski. Dieser Nachhock endete am späten Nachmittag.