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12. Juli 2016 12:31 Uhr

Neubaugebiet Gutleutmatten

Ist eine Klage der einzige Weg aus dem Energie-Dilemma in Gutleutmatten?

Bei einer Infoveranstaltung der Baugruppen wurde deutlich, wie verfahren der Streit mit Stadtverwaltung und Badenova ist. Manche sehen eine Klage als einzige Lösung.

  1. Die Bauarbeiten in Gutleutmatten schreiten voran. Foto: Michael Bamberger

Bei einer Informationsveranstaltung der Baugruppen von Gutleutmatten wurde am Montagabend einmal mehr deutlich, wie verfahren der Streit um die Energieversorgung in dem Haslacher Neubaugebiet ist. Weder Vertreter der Stadtverwaltung noch des Energieversorgers Badenova kamen zum Termin, und auch nur eine Handvoll Stadträte waren anwesend. Einige Bauherren sehen mittlerweile nur noch eine Klage als Lösung.

Seit einem Jahr liegen die Stadtverwaltung und die Baugruppen wegen des Energiekonzepts, das Solarthermie in Kombination mit Fernwärme aus einem Blockheizkraftwerk vorsieht, im Clinch (die BZ berichtete mehrfach). Sowohl Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik als auch Badenova hatten mehrmals signalisiert, dass für sie kein Gesprächsbedarf mehr besteht und das Konzept wie geplant umgesetzt werden soll. Zuletzt hatte mit Werner Neumann ein zweiter Experte festgestellt, dass der Preis pro die Kilowattstunde zu hoch und das Konzept nicht innovativ sei. Verwaltung und Energieversorger wiesen dies zurück.

Unklar bleibt, was überhaupt noch geändert werden kann

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Neumann, der lange Leiter des Energiereferats der Stadt Frankfurt war, erläuterte am Montagabend noch einmal seine Einschätzung. Es gebe Alternativen, die wirtschaftlich geeigneter und trotzdem ökologisch seien wie die Passivhausbauweise. Was überhaupt noch geändert werden kann – die Bauarbeiten laufen längst, die Fernwärmeleitungen sind verlegt –, konnte an diesem Abend allerdings nicht geklärt werden.

Die Grünen, die im Vorfeld abgesagt hatten, teilten mit, dass ihrer Ansicht nach weitere Gespräche keinen Sinn mehr machten. Die "Behauptungen" Neumanns hätten wenig Relevanz. "Die Bereitschaft, das Thema im Gemeinderat noch mal aufzunehmen, geht offenbar gegen Null", sagte auch Johannes Gröger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, im Hinblick auf das geringe Interesse an der Veranstaltung. "Sie überschätzen die Möglichkeiten des Gemeinderats", so Wolf-Dieter Winkler, Fraktionschef von Freiburg Lebenswert, "ich fürchte, man muss es so akzeptieren oder über rechtliche Schritte nachdenken."

Dem schlossen sich auch einige Bauherren an. "Ich sehe keinen anderen Weg als den Klageweg", sagte einer. Ein anderer meinte, man solle die Lage vorerst akzeptieren und in zehn Jahren – so lange läuft der Energievertrag – noch einmal diskutieren. SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Buchen schlug dennoch vor, der Verwaltung erneut eine Einladung auszusprechen. "Wir können da auch gerne vorfühlen", sagte sie.

"Das Kind ist in den Brunnen gefallen, aber noch nicht unten angekommen", fasste Experte Neumann die Situation zusammen. Ein Bauherr sah das nicht ganz so optimistisch: "Ich glaube, das Kind ist in den Brunnen gefallen und bereits aufgeklatscht – wahrscheinlich mit dem Kopf zuerst."

Autor: Sina Gesell