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24. Februar 2010 19:00 Uhr

Evangelische Kirche

Käßmann gibt alle kirchlichen Ämter auf

Nach vier Monaten als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland ist Margot Käßmann, zurückgetreten. Als Konsequenz aus ihrer Autofahrt mit 1,54 Promille legte sie auch ihr Amt als Landesbischöfin von Hannover nieder.

"Mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben", sagte Käßmann in Hannover. "Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so wie ich sie hatte."   

Großes Bedauern 

Die 51-Jährige gab ihre knapp fünfminütige Rücktrittserklärung im Amtssitz der EKD in Hannover ab, auch ihre vier Töchter waren dabei. Neben dem Amt gehe es ihr auch um Respekt und Achtung vor sich selber, sagte die Bischöfin. "Und um meine Geradlinigkeit, die mir viel bedeutet." Käßmann war Ende Oktober vergangenen Jahres als erste Frau in das höchste Amt der evangelischen Kirche in Deutschland gewählt worden. Ihr Rücktritt wurde sowohl von deutschen Politikern aller Parteien als auch von Vertretern der Protestanten und Katholiken in Deutschland einhellig bedauert.

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Die Bischöfin sagte, sie habe einen schweren Fehler gemacht, den sie zutiefst bereue. Sie war am Steuer ihres Dienstwagens in Hannover von der Polizei gestoppt worden, nachdem sie über eine rote Ampel gefahren war. Wegen des hohen Alkoholwertes in ihrem Blut leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die Kirchen-Chefin ein.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat mit tiefem Bedauern auf den Rücktritt ihrer Ratsvorsitzenden Margot Käßmann reagiert. "Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, soziopolitischen und gesellschaftlichen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland fehlen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EKD-Synodenpräsidentin, Katrin Göring- Eckardt sowie des stellvertretenden EKD-Vorsitzenden, Nikolaus Schneider. "Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus."   

Stellvertreter übernimmt vorerst

 Käßmanns Spitzenamt bei der EKD werde bis zu einer Neuwahl im November ihr Stellvertreter Nikolaus Schneider, der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, übernehmen, erklärte die Kirche. Eine Neuwahl werde voraussichtlich bei der nächsten Synodentagung vom 5. bis 10. November in Hannover erfolgen. Der 62-Jährige Schneider ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement.    Der Rat der EKD hatte seiner Vorsitzenden nach einer nächtlichen Krisenberatung zwar das Vertrauen ausgesprochen. Die EKD überließ Käßmann aber selbst die Entscheidung über ihre Zukunft.

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