S-Bahn als zuverlässige Alternative zum Auto

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Do, 01. März 2018

Kandern

Interessengemeinschaft Pro Kandertalbahn überreicht Resolution und will einen Förderverein gründen, der hilft, die Planungen für den Schienenverkehr zu finanzieren.

KANDERTAL (jut). Die Interessengemeinschaft Pro Kandertalbahn überreichte in der Binzener "Mühle" eine Resolution an Bürgermeister Christian Renkert und seine Amtskollegen. Damit sind die Rathauschefs aus dem Kandertal aber auch Kreistags- wie Landtagsvertreter aufgefordert, die aktive Planung anzugehen, eine Kandertal-S-Bahn zu reaktivieren – dies vor dem Hintergrund, dass nur eine schienengebundene Lösung langfristig als Zubringer speziell zu den Arbeitsplätzen in der Region Basel, Weil, Lörrach die richtige sei, wie die Unterzeichner meinen.

Sowohl Kandertal-Bewohner wie Gewerbe und Handwerksbetriebe wollen den Anschluss an die S-Bahn. Die Buslinie 55 stecke zu oft im Stau Richtung Weil fest, die Autos der Pendler sowieso, argumentiert die Interessengemeinschaft Pro Kandertalbahn, in der sich Unternehmer und Geschäftsinhaber sowie Handwerker und Privatpersonen aus dem Kandertal zusammengeschlossen haben. Bekannt sei auch, dass Basel versucht, die Pendler aus der Stadt herauszubekommen, wie der Kanderner Markus Kern anmerkte.

Mit einem Förderverein, der auch Geld für eine Planung bereitstellt, wollen nun Unternehmer und Betriebe die Sache voranbringen, erläuterten Friedrich Resin und Wolfgang Würzburger das Konzept. Vorgesehen sei, den Verein am 27. März aus der Taufe zu heben.

"Wir möchten Ihnen Mut machen, die Sache anzugehen", appellierte Peter Völker vom Regio Lions Club, an die Kommunalpolitiker. Völker ist sich sicher, dass in Stuttgart für solche Maßnahmen schon 200 000 Euro bereitstehen würden, erklärte er. Es liege nun an den politisch Verantwortlichen, Landrätin Marion Dammann von der Notwendigkeit einer konkreten Planung zu überzeugen und anschließend mit der Entscheidung des Kreistags "an das Land heranzutreten", so Völker.

Kanderns Bürgermeister Christian Renkert nahm stellvertretend für seine Bürgermeisterkollegen zwischen Weil am Rhein und Kandern, die bis auf den verhinderten Michael Herr (Wittlingen) auch vollzählig der Einladung gefolgt waren, die Resolution entgegen. Er bezweifele allerdings das Vorhandensein von Planungsgeldern: "Ich würde sofort auf den sprichwörtlichen Zug aufspringen, aber ohne Kapital geht es nicht", erklärte er.

"Der Verkehrsinfarkt ist schon da", bestätigte Binzens Bürgermeister Andreas Schneucker, der aber anmahnte, die Betroffenheiten der Anwohner entlang der Schienentrasse und auch die immensen Kosten für die Bahnübergänge nicht zu ignorieren. Daniela Meier, Bürgermeisterin von Rümmingen, erinnerte daran, "dass auf einen Zug kein Lkw passt".

Weils Erster Bürgermeister Christoph Huber hielt das Thema Pünktlichkeit für den ÖPNV für überaus wichtig. Die aktuellen Probleme mit den Anschlüssen hielten viele davon ab, auf den Bus umzusteigen. "Es liegt noch viel Arbeit vor uns", so Kreistagsmitglied Ulrich May. "Die Not ist groß, wir sind gewählt, die Dinge zu lösen", meinte Professor Bernd Martin (Grüne). "Das ist unterstützungswürdig", ergänzte Jonas Hoffmann (SPD), während Peter Oehler (SPD) anregte, "doch mal einen Probebetrieb zu wagen".