Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Juli 2015 07:39 Uhr

BZ-Interview

AfD-Vize Meuthen: "Es gibt keinen Rechtsruck"

Jörg Meuthen gehört zur AfD-Spitze und bildet in Kehl künftige Bürgermeister aus. Wie er Parteikarriere, aktuelle Stimmungslage und seine Lehrtätigkeit unter einen Hut bringt, im Interview.

  1. Jörg Meuthen ist Professor an der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung und neulich zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD) gewählt worden. Foto: privat

Austrittswelle und negative Schlagzeilen – nach ihrem Parteitag in Essen vergangenes Wochenende wird die Alternative für Deutschland (AfD) als "rechtslastig" heftig kritisiert. Einer ihrer neuen Wortführer, Jörg Meuthen, unterrichtet an der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung.

BZ: Herr Meuthen, Sie sind gerade zum zweiten Bundesvorsitzenden der AfD gewählt worden, arbeiten aber gleichzeitig als Professor an der Hochschule Kehl – verträgt sich das?
Meuthen: Ich habe beides bisher strikt getrennt und werde dies auch weiter tun. In Kehl habe ich meinen Job, für den ich bezahlt werde, die Parteifunktion ist ehrenamtlich. Außerdem stehe ich nur einige Monate als zweiter Bundessprecher so im Fokus. Ab unserem Parteitag im November werde ich voraussichtlich nur noch einer von vier stellvertretenden Bundessprechern sein. Dann wird es sicher wieder ein wenig ruhiger.

BZ: Beim Parteitag in Essen hat der konservative Flügel um Frauke Petry einen Machtkampf gewonnen – jetzt ist von einem "Rechtsruck" innerhalb der Partei die Rede, es hagelt Kritik.

Werbung

Meuthen: Es gibt keinen Rechtsruck. Die AfD ist eine liberal-konservativ-bürgerliche Partei. Für alles andere stünde ich auch nicht zur Verfügung.

BZ: Wie gelingt es Ihnen, in Kehl an der Hochschule für öffentliche Verwaltung zu unterrichten, wenn Ihrer Partei, für die Sie ja im Moment eines der Gesichter sind, solche Kritik erntet? Schließlich bilden Sie künftige Bürgermeister aus.
Meuthen: Wie schon gesagt: Ich trenne beides. Meine Studenten wissen natürlich, dass ich in der AfD bin. Aber Nachfragen oder Diskussionen darüber wehre ich strikt ab, da bin ich Beamter. Wenn es einen wirklichen Rechtsruck gäbe, könnte ich damit in Schwierigkeiten kommen. Aber den gibt es nicht, und ich würde einen solchen Weg auch nicht mitgehen. Das ist vor allem die Darstellung einiger Medien.

BZ: Wie kommt es dann, dass Äußerungen und Ereignisse so aufgefasst werden und sogar führende Köpfe die Partei verlassen?
Meuthen: Die mediale Wahrnehmung wird von dem Lager gespeist, das am Wochenende verloren hat. Da werden Ressentiments bedient. Es gab in der Vergangenheit zwar einige wenige, unglückliche politische Äußerungen, die nicht gehen, aber diese werden von der Mehrheit kategorisch abgelehnt. Das war bisher so und wird unter Frauke Petry und mir nicht anders sein. Wir haben politische Leitlinien, die fest stehen. Daran wird nichts verändert. Wir arbeiten seit Herbst 2014 an unserem Parteiprogramm und wollen es im November beschließen.

BZ: Zahlreiche Protest-Parteiaustritte machen Schlagzeilen – allein in der Ortenau haben sich 15 Mitglieder, darunter Michael Simm, einer der beiden bisherigen Sprecher des Ortenauer AfD-Kreisverbands, abgewendet. Irgendetwas scheint schief zu laufen. Ist die AfD noch auf dem richtigen Weg?
Meuthen: Die Austritte sind nicht dramatisch, aber sie stimmen mich traurig. Ich führe sie auf Missverständnisse zurück. Die Ereignisse in Essen werden teilweise falsch wiedergegeben. Die große Mehrheit der AfD’ler war entsetzt über das Verhalten der Störenfriede. Aber auf sie waren gleich alle Kameras gerichtet. Das ist bedauerlich. Doch die Partei wird daran nicht zerbrechen. Auch wenn wir bundesweit rund zehn Prozent der Mitglieder verlieren sollten, sind immer noch 90 Prozent dabei. Wir gehen unseren Weg unbeirrt weiter, nur mit veränderter Personalie.

BZ: Gehören derartige Kämpfe bei einer jungen Partei zum guten Ton?
Meuthen: Mich erinnert das etwas an die Entstehung der Grünen in den 80ern. Fundis und Realos haben sich auch heftig bekriegt, so etwas ist relativ normal bei einer neuen Partei. Aber die Grünen haben es ja auch überstanden.

BZ: Fürchten Sie bleibenden Schaden für die AfD und ihren Ruf als Hochschulprofessor?
Meuthen: Natürlich habe ich Sorgen, dass die Partei den rechten Stempel aufgedrückt bekommt. Das gefällt mir gar nicht. Wir können nur mit Geduld und Vernunft dagegen argumentieren und versuchen, die Menschen davon zu überzeugen, dass wir in keiner Weise radikal sind.
Jörg Meuthen

Jahrgang 1961, ist seit 1997 Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl und zugleich Studiendekan der Fakultät Wirtschafts-, Informations- und Sozialwissenschaften. In der Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist er seit September 2013 aktiv.

Mehr zum Thema:

Autor: Christine Storck