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28. Oktober 2008 17:57 Uhr

Irans Ex-Präsident zu Besuch in Freiburg

Khatami sucht Annäherung an den Westen

Der frühere iranische Präsident Mohammed Khatami schließt nicht aus, bei den Wahlen im Juni gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad anzutreten. "Persönlich bin ich abgeneigt. Ich weiß aber nicht, was die Zukunft bringt", sagte er am Dienstag bei einem Besuch in Freiburg.

  1. Ex-Präsident Muhammad Khatami in Freiburg Foto: Michael Bamberger

FREIBURG. Im Westen gilt er als ein Hoffnungsträger: der frühere iranische Präsident Mohammed Khatami. Unter seiner Herrschaft näherte sich das Land nach Jahren der Feindschaft wieder an Europa und die USA an. Es sollte eine kurze Episode bleiben. Der Nachfolger Mahmud Ahmadinedschad machte mit seinen Hetzreden alle Erfolge zunichte. Doch jetzt keimt wieder Hoffnung: Khatami könnte bei den Präsidentschaftswahlen im Juni erneut antreten. Bei seinem Besuch in Freiburg wollte er dazu allerdings nichts Näheres sagen.

Nur so viel: "Persönlich bin ich abgeneigt, mich noch einmal als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen. Ich weiß aber nicht, was die Zukunft bringt", sagte Khatami am Dienstag ausweichend. Nur unter zwei Bedingungen könne er sich vorstellen, noch einmal anzutreten, antwortet er schließlich auf hartnäckiges Nachfragen: Wenn er den Eindruck habe, das iranische Volk wolle, dass er gegen Ahmadinedschad kandidiere. Und wenn er selbst den Glauben daran habe, dass es ihm gelingen könne, die aktuellen Probleme des Iran zu beseitigen und eine neue Ära zu beginnen.

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Innenpolitisch kämpft das Land bereits seit Jahren mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, 18 Prozent der Iraner leben unterhalb der Armutsgrenze, obwohl Ahmadinedschad versprochen hat, dass sich unter ihm alles bessern werde. Hinzu kommt, dass sich das Land unter dem jetzigen Präsidenten außenpolitisch isolierte. Ahmadinedschad, der seit 2005 an der Macht ist, trieb das iranische Atomprogramm voran und wollte sich bisher auf keine Kompromisse einlassen. Die UNO verhängte daraufhin Sanktionen. Die Preise für Importprodukte sind seither drastisch gestiegen. Erschreckt haben im Westen die harschen Töne, die Ahmadinedschad gegenüber Israel anschlug. Sie nährten die Angst, der iranische Präsident könnte Israel militärisch angreifen lassen.

Sollte Khatami erneut kandidieren und tatsächlich zum Präsidenten gewählt werden, dürfte sich das Klima zwischen dem Iran und dem Westen deutlich verbessern. Bei seinem Besuch in Freiburg hob er hervor, wie sehr er sich während seiner Präsidentschaft von 1997 bis 2005 um eine Annäherung an den Westen bemüht habe. Mit Präsident Bill Clinton (1993 bis 2001) habe er aber auch auf amerikanischer Seite einen Partner gehabt, der eine Annäherung gewollt habe. "Wir haben damals ein Verhältnis von gegenseitigem Respekt und Anerkennung aufgebaut. Es gab den Willen, Missverständnisse abzubauen", so Khatami. Leider können heute davon nicht mehr die Rede sein. Die alleinige Schuld sieht Khatami aber nicht bei Ahmadinedschad. Er glaubt, dass auch auf amerikanischer Seite ein falscher Weg eingeschlagen wurde. "Der erste Schritt war gemacht, als man den Iran als einen Teil der Achse des Bösen bezeichnete." US-Präsident George W. Bush gebrauchte 2002 erstmals diesen Begriff – damals war Khatami noch an der Macht. Bush nannte Länder so, die aus seiner Sicht den Terrorismus unterstützen.

Wen er sich als künftigen Präsidenten der USA wünscht, mochte Khatami konkret nicht sagen. "Ich hoffe nur, dass es ein Präsident sein wird, der nicht nur die Freiheit seines eigenen Volkes, sondern die Freiheit aller Völker respektiert", sagte er. Dass Präsident Bush 2003 einen Krieg mit dem Irak begann, hält er für einen großen Fehler. Die Brutalität des Terrors sei damit nicht beseitigt worden. "Es wurde stattdessen alles viel schlimmer." Er hoffe, dass ein neuer US-Präsident die Fehler der Vergangenheit korrigiere.

Autor: Annemarie Rösch