Heldentat

Kinder aus brennendem Haus befreit – jetzt ehrt das Land die Retter

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Do, 12. Juli 2018 um 07:36 Uhr

Kappel-Grafenhausen

Vor einem Jahr hat sich Gunther Mau einfach eine Leiter geschnappt und mithilfe von Conny Lindner zwei Kinder aus dem Dach eines brennenden Hauses in Kappel gerettet. Nun wird die Heldentat gewürdigt.

Am 10. Juli 2017, fast auf den Tag genau vor einem Jahr, retten Gunther Mau und sein Mitarbeiter Conny Lindner durch ihr beherztes Handeln zwei Kinder aus einem brennenden Haus in der Rheinstraße in Kappel. Als die Rettungskräfte eintreffen, steht das Haus lichterloh in Flammen. Für ihre besonnene und mutige Tat werden sie jetzt vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann geehrt. Nach dem Fassanstich am Freitag zum Kappeler Dorffest (18.45 Uhr) erhält Gunther Mau die Lebensrettermedaille, Conny Lindner eine Anerkennung.

"Für uns beide war das, was wir in diesem Moment getan haben, selbstverständlich, was aber nicht heißt, dass wir uns über die Ehrung nicht freuen", Gunther Mau
Bürgermeister Jochen Paleit wird die Ehrung im Namen des Ministerpräsidenten vornehmen und noch einmal auch den Dank der Gemeinde für die "große Tat" (Paleit) aussprechen. Im Namen der Gemeinde hatte der Bürgermeister vor Monaten mit einer Eingabe beim Ministerpräsidenten den Hausbrand, der fast in einer Katastrophe endete, in Erinnerung gerufen und eine Würdigung durch das Land für die beiden "Retter von Kappel", wie die BZ damals titelte, vorgeschlagen. Ende Mai habe die Staatskanzlei geantwortet. Günter Mau werde für die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr die Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen, und Conny Lindner eine öffentliche Anerkennung ausgesprochen. "Die Würdigung mag zwar nur Symbolcharakter haben, aber sie ist eine wichtige Anerkennung für ein besonderes Eintreten für andere Menschen. Die Tat als solche ist ohnehin durch nichts zu vergelten", erklärte Bürgermeister Jochen Paleit.

Gunther Mau und sein Mitarbeiter Conny Lindner hatten sich nach der ersten Informationen aus dem Rathaus ein paar Tage Bedenkzeit genommen, um abzuwägen, ob sie die Ehrung annehmen wollen und können. "Für uns beide war das, was wir in diesem Moment getan haben, selbstverständlich, was aber nicht heißt, dass wir uns über die Ehrung nicht freuen", sagte Gunther Mau der BZ. Wichtig sei beiden aber das Signal, dass die Ehrung und der Rahmen, in dem sie vorgenommen werde, aussende. "Wenn Menschen in Not sind, sollte schnelle und überlegte Hilfe an erster Stelle stehen und nicht das Festhalten des Moments mit dem Smartphone", spricht Mau jenen ins Gewissen, die schneller zum Handy denn zum Rettungsring greifen. Auch beim Brand vor einem Jahr in der Rheinstraße in Kappel habe er solche Beobachtungen machen müssen, so Mau.

Eigentlich waren die Retter unterwegs zu einem Kunden

Zur Erinnerung: Es ist Montag, der 10. Juli 2017, später Nachmittag. Gunther Mau war mit seinem Auto unterwegs zu einem Kundentermin. Als der Heizung- und Lüftungsbauer durch die Rheinstraße fuhr, entdeckte er das brennende Haus. Dann ging alles ganz schnell. Statt im Auto zu warten, stieg er aus und näherte sich dem Haus, nahm Kinderstimmen wahr, die aus einem offenen Dachfenster um Hilfe riefen. Mau schnappte sich aus dem Nachbargarten eine Bautreppe, die er kurzerhand ans Haus stellte. Über das Dach gelangte er an das Fenster, zog beide Kinder nacheinander aus dem Gebäude. Schon auf dem Weg nach oben explodierten Fenster unter ihm im Erdgeschoss. Maus Kollege Conny Lindner griff ein. Er stieg auch auf die Bautreppe und nahm die Kinder entgegen. Mau und Lindner riefen um Hilfe und Nachbarn kamen heran. Bevor Mau die Kinder aus dem Haus rettete, hatte das 13-jährige Mädchen selbst noch die Feuerwehr rufen können. Als die Retter und der Vater schließlich eintrafen, waren die Kinder bereits in Sicherheit.

Das Gebäude war nicht mehr zu retten. Am Tag danach ging eine Welle der Hilfsbereitschaft durchs Dorf. Kleider, Hausrat und eine Wohnung für die siebenköpfige Familie wurden organisiert, ein Spendenkonto wurde eingerichtet, die Gemeinde half finanziell und bei der Suche nach einem neuen Zuhause, nach dem die Familien vorübergehend im gerade sanierten ehemaligen Lehrerhaus der Ferdinand-Ruska-Schule unterkommen konnte.

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