Doppeltes Spiel und viele falsche Fährten

Jörg Taszman

Von Jörg Taszman

So, 14. Januar 2018

Kino

Der Sonntag Intelligente Unterhaltung, ein sinnliches Vergnügen, aber zu verwirrend: "Der andere Liebhaber", der neue Film von François Ozon.

Nach seinem formvollendeten Schwarz-Weiß-Film "Frantz" hat François Ozon jetzt mit "Der andere Liebhaber" einen erotischen Thriller, ein hochkompliziertes Vexierspiel gedreht, das zwar meisterhaft gespielt ist, aber doch zu sehr verwirrt.

Chloe ist eine junge verstörte Frau, die einen Psychiater aufsucht. Schon nach kurzer Zeit verliebt sie sich in ihren Therapeuten Paul und beide ziehen zusammen. Dann findet Chloe immer mehr Verwirrendes über die Vergangenheit ihres Geliebten heraus: Er trug einst einen anderen Namen und verschwieg ihr, dass er einen Zwillingsbruder Louis hat. Chloe beginnt auch mit Louis eine Affäre, die sie an den Rand des Wahnsinns führt. Louis weckt in ihr das Animalische, verbindet Schmerz und Sucht und Lust. Sie scheint von den Zwillingsbrüdern nicht mehr loszukommen und sich selbst immer mehr zu verlieren.

François Ozon ist ein Meister im Legen falscher Fährten. Jedes Jahr dreht er einen Film, der sich stark von seinem Vorgänger unterscheidet. Aber egal ob in "8 Frauen" oder "Eine neue Freundin", "Frantz" oder "Jung und Schön", die Realität, wie sie uns erscheint, interessiert ihn nicht. Unsere Fantasien, Träume, Ängste und Dämonen faszinieren den fleißigen Filmemacher. "Der andere Liebhaber" wechselt plötzlich von einem Liebes-Thriller zu einem Krimi, einem übersinnlichen Fantasyfilm bis hin zum Horrorgenre. Mit der ausgezeichneten Marine Vacth in der Hauptrolle, die Ozon in "Jung und Schön" entdeckte, findet er eine überzeugende Hauptdarstellerin. Jéremie Renier macht das Beste aus seiner Doppelrolle Paul/Louis, auch wenn er manchmal zu diabolisch agieren muss. Dann erinnern seine beiden Figuren zu sehr an Dr. Jekyll/Mr. Hyde und auch François Ozon übertreibt es diesmal mit den vielen Wendungen seiner Geschichte. Am Ende fühlt man sich von diesem Meisterregisseur einfach zu sehr manipuliert, um seinen neuen Film wirklich ganz zu goutieren. Aber selbst ein etwas schwächerer Ozon bleibt handwerklich überdurchschnittlich intelligente Unterhaltung, und wie der Franzose Sex, Leidenschaft und Erotik filmt, bleibt ein großes, sinnliches Vergnügen.
Der andere Liebhaber, Bundesstart am Donnerstag.