Jugenddrama

"Lomo": Im Gewirr der Stimmen

epd

Von epd

Do, 12. Juli 2018 um 00:00 Uhr

Kino

Internet-Phänomene sind nur schwer auf die Leinwand zu bekommen. Julia Langhof hat in ihrem Spielfilmdebüt mit Kameramann Michal Grabowski eigenständige audiovisuelle Lösungen für dieses Problem gefunden.

Immer wieder überlagern sich da die Ebenen: In Bilder der "realen Welt" schieben sich Schrift und Symbole der allgegenwärtigen Screens, die Übergänge vom Film zum Film-im-Film in Form von Handyvideos sind teils unmerklich, mal sind abstrakte Pixelstrukturen zu sehen, dann wieder legt sich ein Chor aus Follower-Stimmen über reale Bilder. Die Stilmittel spiegeln die von verpeiltem Leerlauf geprägte Welt von Karl (Jonas Dassler, siehe Ticket-Interview), dessen Motto lautet: "Es gibt nur zwei Zustände im Leben: Langeweile oder Panik".

Der 17-Jährige lebt in Berlin, angeödet von Schule wie Familie. Antrieb und Bestätigung findet Karl alias Lomo nur in seinem Blog "The Language of Many Others". Die "vielen Anderen", das ist die Welt, wie sie im Internet sichtbar wird, etwa in fremden Familienvideos, die er mit Aufnahmen der eigenen Familie zusammenschneidet, das sind aber auch Karls Follower, deren Stimmen noch eine schicksalhafte Rolle zukommen wird. Unerwartet "echtes" Leben findet Karl in der Begegnung mit der forschen Mitschülerin Doro, die ihn eines Tages in der elterlichen Sauna verführt. Doch als er dann mehr als eine Affäre will, weist Doro ihn ab. Karl, wütend und betrunken, postet das Video, das ihn und Doro bei ihrem ersten Sex zeigt.

Von da an entwickelt sich das Coming-of-Age-Drama immer mehr zum Cyber-Thriller und wartet unter anderem mit der bizarren Wendung auf, dass Karls Follower in sein reales Leben eingreifen. Je dichter allerdings der Plot gestrickt wird, desto weniger können die stimmungsvolle Inszenierung und das starke Spiel von Jonas Dassler den Film noch tragen. (Läuft in Freiburg, ab 12)