The King

NEU IM KINO: Mit Elvis von Trump erzählen

Stefan Volk

Von Stefan Volk

So, 15. April 2018

Kino

Wenn Filmemacher Eugene Jarecki ("Why We Fight") im alten Rolls-Royce von Elvis durch die USA schippert und dessen Wohnorte von der Kindheit in Tupelo über Memphis, New York, Hollywood bis Las Vegas abklappert, ist die Botschaft klar. "Wenn Elvis deine Metapher für Amerika ist", kommentiert ein junger Mann in einer Bar die Dreharbeiten des Regisseurs, "dann ist es Elvis kurz vor der Überdosis." In seinem Dokumentarfilm "The King – Mit Elvis durch Amerika" fährt Jarecki die Lebensstationen Presleys ab und zeichnet so ein poetisches Sittengemälde des Trump-Amerika.

Es ist die Zeit des US-Wahlkampfes. Alec Baldwin verkündet auf dem Rücksitz der Luxuslimousine noch, Trump werde nie und nimmer zum Präsidenten gewählt. Aber die im Rolls-Royce-Sinnbild postulierte Las-Vegasierung des amerikanischen Traums überholt den Film. Nachdem Trump dann doch Präsident geworden ist, schneidet Jarecki den Streifen mit Produzent Steven Soderbergh noch einmal neu.
Ihre Spurensuche beginnt in Tupelo, Mississippi. Dort macht Jarecki die heutige Besitzerin des Hauses ausfindig, in dem Elvis als Kind lebte, während sein Vater im Gefängnis saß. Sie erzählt von der "Unterschicht", zu der einst auch der "King" gehört habe. Sie selbst ist weiß, aber ihre schwarze Nachbarin lacht mit, als sie schimpft: "Der amerikanische Traum? Der amerikanische Traum geht den Bach runter!" Nächster Halt: Memphis. 29 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Und so weiter. War Elvis ein Rebell, weil er es in Zeiten oft noch strikter Rassentrennung wagte, "Negermusik" zu spielen? Oder hat er den Schwarzen ihre Musik geklaut? Es sind vornehmlich prominente Gesprächspartner, wie der ehemalige Obama-Berater Van Jones, Sängerin Emmylou Harris, Rapper Chuck D oder die Schauspieler Ashton Kutcher, Ethan Hawke und Mike Myers, die in "The King" darüber diskutieren, Parallelen ziehen zwischen gestern und heute, Elvis und den USA.
Zugleich aber darf Elvis Presley mehr sein als bloß ein namhafter Reiseführer durch die Kulturgeschichte. Nämlich auch er selbst. Der Film erzählt noch einmal von dem Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der nur mit Mühe einen Schulabschluss schafft, der den Blues liebt, der quasi über Nacht zum Weltstar aufsteigt und von seinem eigenen Ruhm überrollt wird. Aber die Musik, die Elvis liebte, lebt weiter. Etwa wenn auf dem Rücksitz des Rolls Royce grandiose Coverversionen von Elvis-Songs angestimmt werden, wie auch in "The King".Stefan Volk
The King, Bundesstart am Donnerstag