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13. Juni 2012

"Ich kann nur schwer ernst bleiben"

TICKET-INTERVIEW: Der britische Schauspieler Russell Brand über Humor, schräge Auftritte und Spontaneität.

  1. R. Brand Foto: dapd

  2. Kino: Rock of Ages Foto: Warner

Mit Frechheiten und hysterischen Auftreten hat sich Russell Brand (37) nicht nur Freunde gemacht. Trotzdem sitzt der Brite im Filmgeschäft fest im Sattel. Mit "Nie wieder Sex mit der Ex", "Männertrip" und "Arthur" tobt er sich hauptsächlich in Komödien aus. In der Musicalverfilmung "Rock of Ages" muss er mit schrägem Outfit und provokanten Scherzen den Spaßkerl abgeben. Markus Tschiedert sprach mit ihm.

Ticket: Mr. Brand, in "Rock of Ages" sind Sie wie schon so oft für die Lacher zuständig. Hat das etwas mit dem echten Russell Brand zu tun?
Russell Brand: Ein bisschen schon, denn auch ich lache gern, albere herum und kann nur schwer ernst bleiben – schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Aber ich würde mich deshalb nicht als naiv bezeichnen.
Ticket: Wie haben Sie herausgefunden, dass Sie andere zum Lachen bringen können?
Brand: Das kam durch meine Mama. Ich bin das einzige Kind, daher die sehr innige Beziehung zu meiner Mutter, die mich schon von früh an ermutigt hat und noch heute über alles lachen kann, was ich sage. Manchmal kann das absurde Züge annehmen, weil ich auch mal was Ernstes sage. Aber selbst wenn ich "Feuer" rufen würde – sie würde anfangen zu lachen.

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Ticket: Haben Sie Vorbilder?
Brand: Ich kann über Richard Pryor genauso lachen wie über Woody Allen. Natürlich mag ich auch die Filme von Adam Sandler und Jack Black, und der Humor von Monty Python steckt auch in meiner DNA.
Ticket: Mit Ihrem skurrilen Humor sind Sie nicht selten angeeckt. Gibt es etwas, was Sie heute bereuen?
Brand: Nein, ich mag all meine Gags, sie sind auch heute noch gut.
Ticket: Obwohl Sie 2001 bei MTV sogar schon mal gefeuert wurden, weil Sie nach den Anschlägen am 11. September als Osama bin Laden verkleidet ins Studio kamen?
Brand: Ja, das war ziemlich ungezogen! Aber dazu stehe ich. Mir ging es dabei ja um den Kontext. Ich meine, wäre ich am 10. September 2011 so erschienen, hätte kein Hahn danach gekräht, aber es am 12. zu wagen, empörte jeden.
Ticket: Hatten Sie dabei die Absicht einer politischen Aussage oder war es nur ein großer Spaß für Sie?
Brand: Ich nehme Politik gewiss nicht so ernst, wie es vielleicht gefordert wird.
Ticket: "Rock of Ages" spielt in der glitzernden Welt des Showbusiness. Wie nehmen Sie selbst diese Welt wahr?
Brand: Bestimmte Aspekte im Film sind schon sehr real, außerdem spielen im Film viele mit, die ja selbst Teil des Showbusiness sind, und damit kommt nochmals etwas Authentizität ins Spiel. Manches ist aber auch Klischee, so wie es sich die meisten wohl in ihren Vorstellungen haben.
Ticket: Inzwischen sind Sie mit "My Booky Wook" und "Booky Wook 2" auch unter die Autoren gegangen. Wann ist mit einer Verfilmung zu rechnen?
Brand: Ja, wenn das passieren würde, wäre das schon eine tolle Sache. Ich glaube, dann sollte es aber ein Trickfilm in der Art von "Toy Story" werden, am besten sogar mit den gleichen Figuren aus diesem Film. Ich wäre dann der Dinosaurier, meine Mutter die Kartoffelfrau, und die Besetzung der anderen Figuren würde ich den Fachleuten überlassen. In meinem ersten Buch ging es noch darum, wie ich Drogen nahm und zum Fernsehen kam, das zweite Buch ist eine Lovestory und spiegelt meine Gefühle wider, wie merkwürdig es sich anfühlt, wenn man sich seine Träume von Ruhm und Erfolg erfüllt hat.
Ticket: Ihre Anfänge machten Sie jedoch beim Radio. Vermissen Sie diese Zeit manchmal?
Brand: Ja, denn Radio ist ein sehr viel spontaneres Medium, man kann mehr seine eigene Imagination einbringen und es ist nicht so reguliert, wie es beim Film der Fall ist, wo man nicht die Chance hat, mit seinem Publikum zu interagieren. Außerdem spricht man als Moderator direkt ins Ohr seiner Zuhörer und dringt damit sofort in deren Gehirne und Gedanken ein.
Ticket: Sie sind gebürtiger Brite, arbeiten aber meist in Hollywood. Wo fühlen Sie sich wohler?
Brand: Das kann ich nicht sagen. Ich fühle mich immer dort zu Hause, wo ich als Stand-up-Komiker auf der Bühne stehen kann. Egal, wo das auch immer ist – das ist dann meine Nation.
Ticket: Fällt es Ihnen eigentlich schwer, mal nicht lustig zu sein?
Brand: Während meiner Zeit an der Schauspielschule musste ich auch schon mal Shakespeare spielen. Mein Leben ist ausgefüllt mit Humor, sodass es mir durchaus nicht schwer fällt, auch mal eine ernstere Rolle zu spielen.

ROCK OF AGES

Regie: Adam Shankman
Mit Julianne Hough, Diego Boneta, Russell Brand, Catherine Zeta-Jones, Tom Cruise, Alec Baldwin u. a.

123 Minuten, frei ab sechs Jahren.
Die Story
1987: Sherrie (Julianne Hough) will Sängerin werden und hofft in Los Angeles auf den Durchbruch. Sie trifft den hübschen Drew (Diego Boneta), der ihr einen Job in einem der angesagten Clubs der Stadt vermittelt, der von Denis (Alec Baldwin) und Lonnie (Russel Brand) geführt wird. Doch Moralprediger fordern die Schließung. Rettung naht durch Rocklegende Stacee Jaxx (Tom Cruise) der hier sein letztes Konzert geben will...  

Autor: bz

Autor: tsc