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15. August 2008 14:06 Uhr

Nächste Woche im Kino

Der neue Batman-Film: Joker als Terrorist

Nächste Woche kommt "The Dark Knight", der sechste Batman-Film, in die Kinos. Vor allem dank Heath Ledger ist er ein Ereignis, er gibt als Joker dem Terror ein Gesicht.

  1. Das Gesicht des Terrors: Heath Ledger als Joker. Foto: pro

  2. Er bekämpft den Joker: Christian Bale als Batman. Foto: pro

  3. „The Dark Knight“ ist auch ein Actionspektakel: Batman auf dem Bat-Popd. Foto: pro

Wer es gesehen hat, wird dieses Gesicht nicht so schnell wieder vergessen. Die fleckige Schminke nicht, die irren Augen nicht, die Narben nicht, die den roten Mund grotesk verlängern. Der Joker ist im kollektiven Gedächtnis der US-Amerikaner schon lange einer der gemeinsten unter den Erzschurken. 1940 tauchte er das erste Mal in einem Batman-Comic auf. Aber so fies wie jetzt hat er noch nie ausgesehen. Und er ist im neuen Batman-Film "The Dark Night" nicht nur ein sadistischer Krimineller. Er ist ein Terrorist.

Mehr als 440 Millionen Dollar hat "The Dark Knight" in den USA seit dem Start vor vier Wochen eingespielt. Auf der Bestenliste liegen nur noch "Star Wars" und "Titanic" vor ihm. Comicmovie und Actionspektakel, Gangster- und Serienkiller-Film – "The Dark Night" hat vieles, was Kino für Amerikaner attraktiv macht. Aber er ist noch mehr: ein Post-9/11-Film, der das Trauma der Anschläge von New York bearbeitet.

Was man nicht erwartet hätte. Fünf Filme hat es schon gegeben mit dem Fledermaus-Mann, dem Verbrechensbekämpfer, der tagsüber der Unternehmer Bruce Wayne ist. Aus den ersten beiden hatte Regisseur Tim Burton bunte Abenteuer gemacht, im Stil der frühen Comics. Die zwei folgenden – mit George Clooney als Batman– waren so klamaukig wie die Batman-TV-Serie der 60er. Dann kamen Regisseur Christopher Nolan ("Memento") und Hauptdarsteller Christian Bale. In "Batman Begins" erzählten sie die Geschichte noch mal von vorn, so düster, wie die Comics in den 70ern wurden.

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Gotham City ist Batmans Stadt (nach dem Vorbild New York, gedreht wurde aber in Chicago). Im neuen Film ist sie den Verbrechern anheimgefallen. Die Mafia hat das Geld. Bis der Joker kommt und einen Batzen davon klaut. Ein chinesischer Obergangster kommt auch noch ins Spiel. Polizeichef Gordon (Gary Oldman) und Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) haben es auf einmal mit vielen Gegnern zu tun. Batman hilft ihnen.

Anfangs ist "The Dark Knight" ein James-Bond-Film. Wie 007 seinen Waffenmeister Q hat, so Wayne Lucius Fox (Morgan Freeman), den Leiter seiner Entwicklungsabteilung. Bei ihm bestellt er einen neuen Fledermaus-Anzug ("Ich will den Kopf drehen können"). In Hongkong stellt er den Chinesen, die Hochhaus-Kletterei erinnert an "Diamantenfieber".

In Gotham aber bekommt er es mit dem Joker zu tun. Der überfällt eine Party in Waynes Penthouse und schüchtert die High Society ein, später entführt er Dent und seine Freundin Rachel (Maggie Gyllenhaal), er provoziert, nachdem er erstmal gefasst ist, Batman beim Verhör so, dass der fast seine Prinzipien vergisst.

Das ist alles noch im Rahmen der Comicverfilmung, die alleine Nolan und seinem riesigen Team großartig gelungen ist. 180 Millionen Dollar hat "The Dark Knight" gekostet, man sieht es an Bauten, Licht und Kamera. Vor allem in den Actionszenen. Da verfolgt Batman mit seinem Batmobil in dunkler Nacht den Joker, der mit einem Laster durch Gotham rast. Polizeihubschrauber kommen zum Einsatz, Seile werden in Häuserschluchten gespannt, das Batmobil verwandelt sich in ein Monstermotorrad (namens Bat-Pod), es rummst, quietscht und schließlich kommt der Laster grandios zu Fall. Gefilmt mit Imax-Kameras in riesiger Auflösung für riesige Leinwände.

Bis hierhin alles bekanntes Hollywood. Es ist Heath Ledger, der dem Film die Drehung mehr gegeben hat. Im Januar ist er 28-jährig gestorben. "The Dark Knight" ist der letzte Film, den er beendet hat. Mit Jack Nicholsons Grinsemasken-Bösewicht aus dem ersten Batman-Film hat sein Joker nur wenig zu tun. In Bewegung und Körpersprache ist er ein Wesen, das keine Grenze zum Mitmenschen kennt. Noch in der Synchronisation redet er mit einem fiesen Schlürfen im Mund.

Zweimal erzählt dieser Joker, wie er zu seinen gemeinen Narben kam – in zwei Versionen. Eine Legitimation hat seine Bösartigkeit nicht mehr. Das macht den Terroristen aus. Nachdem Joker sich auf grausame Weise aus dem Gefängnis befreit hat, sammelt er seine Truppen. Er droht nicht nur damit, Krankenhäuser zu sprengen, er tut es. Die Leute wollen aus der Stadt fliehen, man sieht Menschenströme auf den Straßen – Bilder wie am 11. September. Doch keiner entkommt: Der Joker droht mit bösen Überraschungen auf Brücken und in Tunneln, die Stadt ist seine Gefangene.

Das Schlimmste: Zwei Fähren, eine voller Verbrecher, eine mit Normalbürgern, hat er voller Bomben gepackt. Und den Zünder auf jeweils dem anderen Schiff zugänglich gemacht. "Sie sind Teil eines sozialen Experiments", lässt er die Passagiere wissen. Die einen können die anderen töten, um sich zu retten, wer zuerst auf den Knopf drückt, überlebt. Die Menschen zu Mördern machen, heißt die Seelen zu terrorisieren.

Es gibt noch eine zweite und dritte Geschichte in diesem zweistündigen Film: Staatsanwalt Dent – Batman-Kenner wissen es – wird zu Two-Face, dem Schurken mit den zwei Gesichtern. Und Batman muss sich fragen, ob seine Methoden Jokers Wahnsinn nicht erst hervorgebracht haben. Aber beides bleibt Nebensache. Was "The Dark Knight" zum Ereignis macht, ist Heath Ledger. Er gibt dem amerikanischen Trauma Gesicht und Gestalt. Das macht den Terror fassbarer, erträglicher. Im nächsten Februar wird man ihm vielleicht posthum den Oscar dafür geben.
– "The Dark Knight" (Regie: Christopher Nolan) läuft ab kommenden Donnerstag flächendeckend, am Mittwoch gibt es zahlreiche Vorpremieren. Ebenfalls am Mittwoch im BZ-Ticket ein Interview mit Christian Bale .

Autor: Thomas Steiner