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02. Juli 2014

Martin Schmeding und das Herdermer Vokalensemble: Im Zeichen der Romantik

Mendelssohns Chorballade "Die erste Walpurgisnacht" beginnt mit "schlechtem Wetter". Das heißt, die erste Hälfte der Ouvertüre trägt diese Überschrift. Es handelt sich also um Programmmusik. Christian Drengk (Klavier) wählt ein zügiges Tempo und haut die Akkorde wie Donnerschläge in die Tasten. Er spielt kontrolliert, forciert den Charakter des Stücks aber. Ein wenig mehr Zurückhaltung wäre hier angemessen gewesen. Es folgt der "Übergang zum Frühling" und der Auftritt des Druiden: "Es lacht der Mai!" Florian Cramer (Tenor) gestaltet diese Solopartie ausgesprochen stimmig. Er singt mit innerer Spannung und lässt die hohen Töne immer wieder aufblühen. Das Herdermer Vokalensemble steht dem in nichts nach. Unter der Leitung von Martin Schmeding beeindruckt der Chor bei seinem Konzert in der Freiburger Ludwigskirche mit einen schlanken und transparenten Gesamtklang und fein abgestimmten Phrasierungen. Besonders eindrucksvoll gelingen der virtuose Wächterchor "Kommt mit Gabeln und mit Zacken" sowie das Ende des Stückes, "Dein Licht, wer kann es rauben!", bei dem auch der Solist, Torsten Meyer (Bariton), Profundes leistet.

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Während Mendelssohn in "Die erste Walpurgisnacht" die Form der Kantate neu interpretiert hat, schafft Schumann mit "Der Rose Pilgerfahrt" ein weltliches Oratorium, das sich von den barocken Vorbildern zugunsten einer konsequent romantischen Musikauffassung löst. Das Stück basiert auf einem Elfenmärchen von Heinrich Moritz Horn, in dem "Rose", die Tochter der Elfenkönigen, zu einem Menschenmädchen wird, den Jägerssohn heiratet, Mutterglück erfährt und nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen wird.

Die charmante Erzählung zieht sich in Robert Schumanns Vertonung ein wenig, dafür werden die Zuhörer jedoch mit einigen kostbaren Chorsätzen und Sololiedern entschädigt. Christian Drengk erweist sich dabei durchgehend als zuverlässiger und sensibler Begleiter. Siri Karoline Thornhill (Sopran) gibt eine glänzende, lyrische Rose ab. Den solistischen Höhepunkt setzt jedoch Lena Sutor-Wernich mit dem Lied "Im Wald, gelehnt am Stamme". Sutor-Wernichs Mezzo ist im tiefen Register überaus ausdrucksstark, sie verfügt aber auch über ein geschmeidiges, funkelndes hohes Register. Ausgesprochen inniglich singen Chor und Solisten bei "Wie Blätter am Baum" zusammen. Nach dem berührenden Schlusschor "Röslein! Zu deinen Blumen nicht" erschallt dann wohlverdienter und langanhaltender Applaus.ć

Autor: Nikola Mirkovic