Klangdramatische Wirkung

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 05. Dezember 2017

Klassik

Das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach gastierte mit Beethoven, Brahms und Haydn im Burghof.

Es ist großes Glück, wenn man zwei Virtuosen findet, die in Brahms‘ Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester so gut harmonieren wie der Geiger Christian Ostertag und der Cellist Francis Gouton. Die beiden duettierten als Solisten bei der Aufführung mit dem Oberrheinischen Sinfonieorchester Lörrach im vollbesetzten Burghof derart inspiriert und mit bravouröser Virtuosität, dass es eine Pracht war.

Mit dem brahmsschen Doppelkonzert a-Moll hatte das Orchester unter Leitung von Stephan Malluschke einen Solitär aufs Programm gesetzt, der mit seiner sinfonischen Anlage, dem episch ausladenden Klang und den virtuosen Anforderungen den Solisten wie dem Orchester Außerordentliches abverlangt. Da war es natürlich ein Idealfall, dass zwei Solisten auf dem Podium zu erleben waren, die schon als Kammermusikpartner bestens miteinander vertraut sind. Tonlich exzellent und gestalterisch großartig aufeinander eingehend führten Ostertag und Gouton ihre Parts aus. Der Karlsruher Geiger, Erster Konzertmeister des SWR-Sinfonieorchesters, bestach auch in den Kadenzen durch schlanken, ausdrucksvollen Ton und eine hochdynamische Gestaltung; sein französischer Cellopartner durch warmen, sonor strömenden, geschmeidigen Klang. Die beiden korrespondierten aufs Trefflichste miteinander.

Im ersten Satz hatte es noch etwas von einem Wetteifern von Geige und Cello, die sich mit dem Orchester zu großer Vehemenz und bewegter, leidenschaftlicher Geste aufschwangen. Der zweite Satz ließ den Solisten Raum für ein klangschönes, fast schon kammermusikalisches Zwiegespräch. Ostertag ließ seinen Geigenton weich aufblühen, holte alles an Kantabilität und Innigkeit aus seinem Spiel, Gouton antwortete mit sanglichem, warmem Celloklang. Die vorzüglichen Bläser im Orchester, allen voran die Hornisten und die Holzbläser, aber auch die zart spielenden Streicher, unterstrichen durch fein nuanciertes Spiel diese auf Kantabilität ausgerichtete Klangstimmung.

Rhythmisch pointiert, mit Schwung, tänzerischem Elan und großer Klangentfaltung warteten das Orchester und die Solisten im Finalsatz auf, in dem Ostertag und Gouton sich in virtuoser Bravour gegenseitig befeuerten. Dem präzise in der Zeichengebung und hochgespannt dirigierenden Stephan Malluschke gelang es großartig, die solistischen Parts mit dem Orchesterklang zu verzahnen. So gab es starken Beifall nach dieser imponierenden Aufführung, die durch kraftvollen Tuttiklang, spannungsvoll bewegtes Spiel und solistische Höchstleistungen für sich einnahm.

Aufhorchen ließ das Oberrheinische Sinfonieorchester schon zum Auftakt in Beethovens "Egmont"-Ouvertüre, in der Malluschke mit seinen an allen Pulten präzise agierenden Musikern in packender Dramatik die Seelen- und Freiheitskämpfe in diesem Charaktergemälde nachzeichnete: Von den Pianissimo-Bläserklängen bis zu den kraftvoll und mächtig aufwogenden Klängen hatte diese Interpretation klangdramatische und bildhafte Wirkungskraft.

Auch in Haydns Sinfonie Nr. 102 gaben die Oberrheinischen Sinfoniker ein glanzvolles Bild ihrer hohen Klangkultur ab und zeigten, wie sorgfältig in den Details hier musiziert wird. Straff, federnd, zügig, energisch, voller Leichtigkeit ging Dirigent Malluschke den ersten Satz an, holte auch die spannungsvollen, gewichtigen Elemente dieses Satzes hervor. Das Adagio erklang sehr schön behutsam, weich im Klang, im Menuett war ein tänzerisch beweglicher, rhythmisch kräftig durchpulster Klang zu hören und im Presto-Finale legte das Orchester noch zu an Tempo, Verve, Temperament und sprühendem Haydn-Esprit. Für den herzlichen, lang anhaltenden Beifall bedankte sich das Orchester zum Abschluss dieses Benefiz-Adventskonzerts zugunsten der BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen" mit dem dritten Ungarischen Tanz von Brahms als Zugabe.