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20. März 2017

Klare Handschrift

Das Gutfreund-Trio konzertierte im Freiburger Hof.

Noch sind die jungen Musiker in der Ausbildung – an den Musikhochschulen in Karlsruhe und Frankfurt. Doch auffallend klar ist bereits die interpretatorische Richtung, die das Gutfreund-Trio einschlägt: Auf dem Boden einer hohen Musizierkultur vereinigen sie Sinn für expressive Klanglichkeit mit klarer Gestaltung. Zu hören jetzt im Freiburger Hof.

Dieser Ansatz ist wie eine Handschrift bei allen drei Werken des Abends erkennbar – beim ersten vielleicht am schlagendsten: Die Interpretation von Joseph Haydns Klaviertrio Nr. 27 ist energiegeladen, kontrastreich. Bei aller nachgerade überschießenden Gestaltungsfreude bleibt die Darbietung aber immer bewusst und kontrolliert: schön, wie etwa Adrian Fischer (Flügel) die Phrasenenden natürlich und sprechend ausformt – und wie dann die beiden Streicher mit großem Sinn für das richtige Timing den nur kurz gestauten Fluss wieder strömen lassen. Zwischen den Musikern findet sichtbar viel Kommunikation statt. Julian Fahrner, der eine klangschöne Geige Ferdinando Gaglianos spielt, findet eine überzeugende Balance zwischen dichter Tonbildung und wendiger Motorik, und Bogdan Kisch (Cello) setzt auch dort, wo sein Instrument solistisch nicht exponiert ist, mit dunklen, warmen Nuancen sehr effektiv klangfarbliche Akzente.

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Transparentes Spiel mit Motiven

Gut möglich, dass der Zugriff auf Haydn nach Klangfülle und expressivem Aplomb eher bei Hochromantischem als bei dem Klassiker am Platz gewesen wäre. Vielleicht wird der Eindruck einer zu großen Mächtigkeit auch durch die Akustik des Humboldtsaales verstärkt. Robert Schumanns erstes Klaviertrio mutet dann klanglich etwas zurückhaltender, differenzierter, nuancenreicher an. Fesselnd, wie die Musiker die Dichte und Tiefe des Schumann’schen Stils auszuleuchten wissen, wie sie das Spiel mit Motiven transparent machen, ohne je den Sinn für die große Linie vermissen zu lassen.

Von Schumann ist es stilistisch nicht so weit zu der Uraufführung des Abends, Volker David Kirchners drittem Klaviertrio "Stele". Das steht klar auf dem Boden der Neuen Musik, aber die Reminiszenzen an die Ausdruckswelt der Romantik sind unüberhörbar. Eigenartig, wie genau das Profil des Gutfreund-Trios zu dieser Musik passt. Für klangsinnliche Entfaltung von Melos und Kolorit ist hier ebenso Raum wie für einen expressiven, ja explosiven Gestus. Begeisterter Applaus für die drei jungen Musiker.

Autor: Gero Schreier