Bilder der Fantasie

Elke Seifert

Von Elke Seifert

Mi, 12. Juli 2017

Klassik

Freiburg: Albert-Klavierabend mit Arcadi Volodos.

Eine fesselnde Konzentration, Momente größter musikalischer Innigkeit und eine überwältigende farbliche Klangpalette prägten den Albert-Klavierabend, den der russische Weltklassepianist Arcadi Volodos im Freiburger Konzerthaus gab. Zu Beginn die zwölf Miniaturen der "Papillons" op. 2 von Schumann, die in Anlehnung an die letzten Szenen des Romanfragments "Flegeljahre" seines Lieblingsdichters Jean Paul entstanden. Die jähen Stimmungswechsel dieser Fantasiebilder verlangen ein sehr fein differenzierendes, poetisches Interpretieren. Volodos ließ vor allem den leisen, langsamen Stücken Raum und Zeit, um auszuschwingen. Leider sprangen die tanzenden Masken durch intonatorische Unsauberkeiten am Anfang etwas verwirrt durch den Saal. Mit überraschenden Echowirkungen verfeinerte er seine wohldurchdachte Auslegung des schwierigen Werks.

Mit den drei Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms kehrte Ruhe ein. "Wiegenlieder meiner Schmerzen" nannte der Komponist selbst diese Werke, die alle die Vortragsbezeichnung "Andante" tragen und kompositorisch eng miteinander verknüpft sind. Volodos gelang eine überragende Wiedergabe. Die in die Mittelstimme der rechten Hand eingebettete anrührende Melodie des ersten Stücks erklang wehmütig.

Die Harmonik trifft ins Innerste

Der Mittelteil kam durch extrem langsame Tempowahl fast zum Stehen, die hellen, freundlichen Sechzehntelfiguren der Reprise vermittelten beruhigenden Trost. Sehnsuchtsvoll, zärtlich fordernd berührte das zweite Intermezzo, dunkel grollend rollte das dritte heran, um nach verzweifelten Versuchen, sich aus der Trauer aufzurichten, düster zu enden.

Schuberts A-Dur Sonate D 959 entstand im Todesjahr. Herrisch beginnt der erste Satz mit dem Akkordthema, das lyrische Seitenthema wird vom Pianisten hell ausgesungen. Ergreifend die ersten Takte des fis-Moll-Andantinos, dieser schlichte Harmoniewechsel trifft ins Innerste. An das durch einige Unsauberkeiten leider etwas getrübte Scherzo schließt Volodos attacca das Rondo an. Es singt, alle Läufe und Arpeggien beglücken hier durch große Klarheit. Auf natürlich wirkende Art und Weise gelingt es, den großen Spannungsbogen zu halten. Mit fünf Zugaben, unter anderem von Schubert und Rachmaninow, begeisterte der wie befreit wirkende Pianist das Publikum. Es dankte mit Standing Ovations.