Isabelle Faust

CD: KLASSIK: Ein Meilenstein

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mo, 23. März 2015

Klassik

Dass es Liebe sein muss, man spürt es – hört es. Isabelle Faust interpretiert Schumanns spätes, kontrovers diskutiertes Violinkonzert mit einem nicht mehr zu steigernden Grad an Verinnerlichung. Dazu gehört auch die subtile Korrespondenz des schlichten, liedhaften langsamen Satzes mit dem Finale. Vordergründig konterkariert das dort eingeschlagene Tempo die Spielanweisung "Lebhaft, doch nicht zu schnell". Doch die Interpretation macht evident, wie sehr diese Polonaise eines markanten, deutlichen Spiels bedarf, um ihre Wirkungsmacht gänzlich zu entfalten. Gerade vor dem Hintergrund der elegischen Träumerei des Mittelsatzes, aus deren Mitte heraus das Kraftthema der Polonaise dann sprießt. Das energische, schlackenlose Spiel des Freiburger Barockorchesters unter Pablo Heras-Casado, dessen konsequente Durchleuchtung schwerer und leichter Betonungsparameter unterstreichen den rundum stimmigen Interpretationsansatz. Beim Klaviertrio Nr. 3 arbeitet das Trio Faust, Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov die schon in die Spätromantik hineinragende Expressivität des späten Schumann heraus– die Parallelen zur a-Moll-Violinsonate op. 105 sind unüberhörbar. Diese Platte ist ein Meilenstein zum Verständnis des späten Robert Schumann.

CD und DVD: Schumann: Violinkonzert, Klaviertrio Nr. 3 op. 110. Isabelle Faust (Violine), Jean-Guihen Queyras (Violoncello), Alexander Melnikov (Klavier), Freiburger Barockorchester, Leitung: Pablo Heras-Casado. (harmonia mundi france)
Konzert: "Morgenröte der Romantik", Freiburger Barockorchester, Ltg. Pablo Heras-Casado. 23. März, 20 Uhr, Konzerthaus Freiburg.