Bachs Johannes-Passion

CD: KLASSIK: Reizvolle Transparenz

ruge

Von ruge

Do, 13. April 2017

Klassik

Die Cembaloakkorde gleichen dumpfen Schlägen. Jeder halbe Takt im Eingangschor ist akzentuiert. Bachs Johannes-Passion wirkt in der Einspielung von Marc Minkowski mit Les Musiciens du Louvre zu Beginn seltsam grob. Der französische Dirigent vertraut neben seinem eigenen Orchester einem neunköpfigen Solistenensemble, das auch für die Chöre zuständig ist. Als Tenor wechseln sich Lothar Odinius (Evangelist) und Colin Balzer ab. Die Solopartien werden aufgeteilt, so dass die einzelnen Arien unterschiedliche Farben erhalten. Reizvoll ist die Transparenz. In "Wir dürfen niemand töten" sind die rasenden Flöten zu hören, die sonst im Chor untergehen. Die Fuge "Wir haben ein Gesetz" wird in ihrer Durchhörbarkeit zum Erlebnis. Im Solistenensemble setzen Odinius als Evangelist und Ditte Andersen mit ihrem beweglichen Sopran die stärksten Akzente. Als Bonus-Track gibt es die nachkomponierten Arien "Himmel reiße, Welt erbebe" und "Zerschmettert mich, ihr Felsen und Hügel".

Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion. Les Musiciens du Louvre. Ltg.: Mark Minkowski. Zwei CDs (Erato).