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20. März 2015

Ein Orchester geht auf Reisen

Das Sinfonieorchester Basel will künftig regelmäßig im Burghof in Lörrach auftreten.

  1. Kooperieren: Kristina Danwerth vom Burghof sowie Dennis Russell Davies und Hans-Georg Hofmann (rechts) vom Sinfonieorchester Basel Foto: Frey

In den nächsten Tagen hebt das Sinfonieorchester Basel in Richtung Fernost ab. Peking, Shanghai und Südkorea sind die Stationen dieser "Far East Tour". Zurück in heimatlichen Gefilden stehen dem Orchester aufregende Zeiten der Neuorientierung bevor. Die Konzertsaison 2015/16 ist die letzte im "alten" Stadtcasino, das dann umgebaut wird, und die letzte von Chefdirigent Dennis Russell Davies. Was die Musikfreunde auf badischer Seite interessieren wird: Erstmals kommt das Sinfonieorchester Basel zu zwei Konzerten in den Burghof Lörrach.

Geplant sind ein Familienkonzert am 20. Dezember und ein Sinfoniekonzert unter Leitung von Davies mit Werken von Beethoven und Brahms mit dem Klavier-Solisten Ingolf Wunder am 3. April 2016. Diese erstmalige Zusammenarbeit des Orchesters mit dem Burghof Lörrach sei längerfristig angedacht, sagte der für die künstlerische Planung zuständige Hans-Georg Hofmann in einer Pressekonferenz. Die neue Partnerschaft sieht vor, dass das Orchester künftig regelmäßig im Burghof auftritt, mit mindestens einem Konzert pro Saison. Im Hinblick auf den Umbau des Stadtcasinos sei es für das Orchester wichtig, in der Zeit des Übergangs auch neue Spielstätten zu haben.

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In der letzten Spielzeit im "alten" Casino will es das Orchester "noch mal so richtig krachen lassen", so Hofmann. Im Fokus stehe die Moderne in der Musik. Chefdirigent Davies kündigt eine "aufregende, für das Publikum extrem interessante Spielzeit" an. Der Amerikaner nennt als Highlight die Strawinsky-Reihe, die mit der Aufführung von "Petrouchka" zum Saisonauftakt im August 2015 fortgesetzt wird. Geplant sind außerdem CD-Aufnahmen von Strawinskys Feuervogel und Petrouchka. Ebenfalls sehr ambitioniert sind vier Uraufführungen in der neuen Saison, darunter ein Werk des Basler Komponisten Martin Jaggi sowie die Suite zum Hörspiel "Die Zikaden" von Hans Werner Henze. Ebenfalls neue Klangräume eröffnet das Stück "Flammenschrift" von Guillaume Connesson. Das Sinfonieorchester Basel ehrt auch zwei große Musiker-Jubilare mit Themenkonzerten. So gibt es im September ein Extra-Konzert zu Ehren des Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez, der seinen 90. Geburtstag feiert. Der 100. Geburtstag des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera ist Anlass für das Konzert "Viva Ginastera" Ende März/Anfang April 2016. Man ist stolz darauf, in den neun Abo-Konzerten international renommierte Solisten präsentieren zu können, darunter den Harfen-Star Xavier de Maistre, den Geiger Renaud Capucon, die Cellistin Sol Gabetta, die Pianisten Ronald Brautigam und Emanuel Ax sowie den Perkussionisten Martin Grubinger.

Neben den "Flaggschiffen", den Sinfoniekonzerten, setzt das Sinfonieorchester auch seine unkonventionellen Konzertformate fort. Zwei "Entdeckerkonzerte" widmen sich den Jubilaren Pierre Boulez und Alberto Ginastera. Die Cocktailkonzerte werden erstmals ins Hotel Les Trois Rois verlegt, wo im Grandhotel-Ambiente gehobene Unterhaltungsmusik der Belle Epoque aus Paris, Berlin und New York erklingt. Auch die Late Night-Konzerte werden wieder aufgelegt. Nachdem das erste kommentierte "Schulkonzert" in der laufenden Saison ein Megaerfolg war und 1000 Schülerinnen und Schüler aus 23 Schulen aus Basel und Umgebung ins Stadtcasino strömten, wird es im neuen Spielplan zwei weitere "Schulkonzerte" geben. "Punkt 12" heißt ein anderes Format, bei dem Besucher in eine offene Probe des Sinfonieorchesters hineinschnuppern können.

25 Projekte umfasst das Vermittlungsprogramm, mit dem das Sinfonieorchester gezielt junge Hörer motivieren will. Mit Erfolg, wie Franziskus Theurillat von der Geschäftsleitung aufschlüsselte. So konnte das Orchester die Abonnenten-Zahlen um zehn Prozent und den Einzelkartenverkauf um fünf Prozent steigern – eine positive Entwicklung in einer Zeit, in der die Klassikbranche meist Rückgänge beklagt. Der Programm-Mix aus Klassischem und Werken des 20. und 21. Jahrhunderts kommt sehr gut an, denn das Sinfonieorchester hat viele junge Besucher – Tendenz zunehmend. "Wir schreiben das unseren interessanten Programmen zu", so Theurillat, "da gibt es neben den bekannten Ohrwürmern immer Neues zu entdecken".

Autor: Roswitha Frey