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10. Dezember 2014

Elan und Intensität

Freiburg: Das Adventskonzert der Camerata Vocale.

"Maria durch ein Dornwald ging": Nach diesem Adventslied nannte sich jetzt das Konzert der Camerata Vocale in der Freiburger Herz-Jesu-Kirche (tags zuvor hatte der Chor einen Auftritt im Dom von St. Blasien absolviert). Die Einrichtung eben jenes Liedes für Chor von Gottfried Wolters stellte einen der Höhepunkte des Abends dar. Die Camerata Vocale unter Leitung von Winfried Toll beeindruckt durch Einfühlsamkeit und große gestalterische Präzision. Die einfache Kontrapunktik, in welche Wolters die Liedmelodie einwebt, wird sorgfältig und flüssig, mit fesselnder Klarheit modelliert.

Vielleicht zeigt sich das Niveau der Formation am nachhaltigsten in Momenten wie diesem, in denen aus scheinbar Schlichtem eine dringliche Aussage wird. Ganz gewiss verrät es sich in der lupenreinen Intonation, wie sie hier und anderswo zu konstatieren war. Ebenso wie "Faire is the Heaven" von William Harris erschien Sergej Rachmaninows "Ave Maria" vor allem als Klangstück, das der Chor mit Schmelz vor den Hörer hinstellt.

Benjamin Brittens Weihnachtszyklus

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Anton Bruckners Vertonung desselben lateinischen Textes mutet vielschichtiger an, wechselt zwischen Aufgipfelungen und schlanker gesetzten Passagen, jeweils von den Sängern mit gleicher Intensität gestaltet. Eine der Stärken des Chores ist es, derlei differenzierte Fakturen im Klingen transparent zu machen. So in den "Quatre motets pour le temps de Noël" von Francis Poulenc, über deren harmonischen Komplexitäten ein geradezu musikantischer Elan jedoch nicht in Vergessenheit gerät, wie sich in der letzten der Motetten, "Hodie Christus natus est", zeigt: Frisch und rhythmisch beschwingt kommt sie daher, lässt freilich in musikalischer Sorgfalt in nichts nach.

Max Regers "Es kommt ein Schiff geladen" bebt unter der Oberfläche stiller Versenkung innerlich vor Spannung – bezwingend, wie die Camerata im abschwellenden Piano die Wendung zum Dur-Schluss gestaltet. Schließlich ein ganzer Zyklus von (vor allem) Weihnachtsliedern in Benjamin Brittens "A Ceremony of Carols": Zum Chor tritt hier Ursula Eisert an der Harfe, die ebenso diskret wie effektiv das musikalische Gerüst gibt, den atmosphärischen Rahmen schafft. So im düsteren Lied für Sopransolo (klangschön: Ina Schmidt) "That yongë child", so auch in "This little Babe" mit seinen nachgerade martialischen Rhythmen. Enthusiastischer Beifall und zwei Zugaben, von denen "Stille Nacht" in einem Arrangement für Sopransolo und Chor dabei eine ganz eigene Weihnachtsstimmung verbreitet.

Autor: Gero Schreier