"Es werden viele Stellen frei"

jad

Von jad

Do, 31. Januar 2019

Klassik

BZ-INTERVIEW: David Franke zum Infotag Kirchenmusik.

Unter dem Motto "Kirchenmusik erleben" findet am 2. Februar in der Freiburger Musikhochschule ein Informations- und Mitmachtag statt. Johannes Adam hat mit Orgelprofessor David Franke, dem Leiter des hochschuleigenen Instituts für Kirchenmusik, über die aktuelle Situation der Kirchenmusik und deren Nachwuchs gesprochen.

BZ: Herr Franke, das Institut für Kirchenmusik veranstaltet erstmals einen Informations- und Mitmachtag. Warum?
Franke: Wir wollen die Kirchenmusik in ihrer ganzen Bandbreite präsentieren und da auch einen besonderen Aufmerksamkeitspunkt setzen. Dieser Tag ist ein Novum an der Musikhochschule Freiburg. Er richtet sich an Studieninteressierte, die wir fürs Studium begeistern wollen und denen wir zeigen wollen, was man im Rahmen der Kirchenmusik lernen kann. Aber genauso auch an Kinder und Familien. Denn Kirchenmusik richtet sich an alle Altersgruppen.
BZ: Ist bei den Ausbildungsstätten ein schwindendes Interesse an Kirchenmusik festzustellen?
Franke: Nein. Das Interesse steigt. Es ist nicht nur in Freiburg erfreulich. Es hat mit der guten Stellenperspektive zu tun, die sich andeutet. Es gibt ja eine große Verrentungswelle, es werden viele Stellen frei. Gerade hier im Südwesten haben wir eine bessere Vergütung. Es sind also viele Anreize geschaffen.
BZ: Das aktuelle Image- und Akzeptanz-Problem der Kirche schlägt sich also bei der Musik kaum nieder...
Franke:
Es sind bei den Studierenden nicht die Zahlen wie in den 80er Jahren. Aber die Bewerbungen steigen.
BZ: Wie viele Studierende hat das Freiburger Institut derzeit?
Franke: Es sind 35 Studierende für Orgel, davon 21 für Kirchenmusik.
BZ: Wo früher hauptamtliche Kirchenmusiker tätig waren, sind heute oft nebenamtliche C- oder D-Musiker. Ist der Kirche ihre Musik noch genug wert?
Franke: Das ist eine berechtigte Frage und eine Diskussion, die man immer wieder führen muss. Es ist auch Anliegen eines solchen Informationstages, auf die Bedeutung einer hochwertigen Kirchenmusik für die Gesellschaft und die Kirchengemeinden hinzuweisen. Es kommt immer auf das Umfeld an. Es wurden auch schon Pfarrstellen in Kirchenmusikerstellen umgewidmet. Man muss immer fragen, ob die Kirchenmusik gut genug aufgestellt ist. Da ist noch einiges zu tun.
BZ: Was sollte ein Kirchenmusikstudent mitbringen, um Erfolg zu haben?
Franke: Freude, Engagement und Begeisterung und ein theologisches Fundament. Er sollte seinen Stärken und Neigungen nachgehen – das kann Chorleitung oder Orgel sein, die Arbeit mit Kindern oder die geistliche Popularmusik.
BZ: Was sollte er am Instrument können?
Franke: Es gibt eine Aufnahmeprüfung. Man sollte einige Jahre Orgelunterricht gehabt haben. Auch repertoiremäßig, stilistisch und technisch einiges vorweisen können. Man sollte die Grundlagen der Improvisation beherrschen – das heißt: mindestens Choräle einleiten und begleiten können. In Chorleitung sollte man schon mal mit einem Ensemble gearbeitet haben und wissen, wie so etwas geht.
BZ: Bringen die Studierenden heute bessere Voraussetzungen mit als früher?
Franke: Vor 30 Jahren, als die Bewerberzahlen bei Aufnahmeprüfungen noch sehr hoch waren, gab es vielleicht ein noch höheres Niveau. Heute ist es einfacher, ins Studium hineinzukommen, weil die Bewerberzahlen nicht so hoch sind. Im Fach Improvisation stelle ich in der Tendenz eine Verbesserung gegenüber früher fest.
BZ: Was versprechen Sie sich jetzt von Ihrem Kirchenmusiktag?
Franke: Einen Impuls – sowohl innerhalb der Hochschule als auch nach außen. Und das allein schon durch das Zusammenwirken aller Disziplinen und der verschiedenen Akteure. Dass da ein Achtungszeichen gesetzt wird. Das Berufsbild des Kirchenmusikers soll öffentlich präsenter werden, es soll neue Studierende anziehen. Da verspreche ich mir einiges.

David Franke: 1980 in Freiberg/Sachsen geboren. Seit Sommersemester 2018 Professor für Orgel und Improvisation an der Musikhochschule Freiburg. Dort Leiter des Instituts für Kirchenmusik.
Informationstag: "Kirchenmusik erleben". Samstag, 2. Februar, ab 10 Uhr, Musikhochschule Freiburg. Eintritt frei.

Programm und weitere Infos unter http://www.mh-freiburg.de/ institut-fuer-kirchenmusik/ veranstaltungen-und-termine