Faszinierende Tonkunst der Visionäre

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Di, 08. August 2017

Klassik

Die Capella Antiqua Bambergensis spielte in der Christuskirche zum Abschluss des Freiburger Tamburi-Mundi-Festivals.

Mit einem großen Sammelsurium von fremd wirkenden Instrumenten ließ die Capella Antiqua Bambergensis gemeinsam mit den Perkussionisten David Mayoral, Murat und Yaschar Coskun sowie Sängerin Jule Bauer jetzt beim Abschlusskonzert des Freiburger Tamburi Mundi Festivals mittelalterliche Musik in der Christuskirche erklingen. Sackpfeifen, Drehleier, Portativ (eine tragbare Mini-Orgel), Psalter und Santur (ein persisches Hackbrett), Hümmelchen (einem Dudelsack ähnlich), Blockflöten, Harfen, Fiedeln, Schlüsselfiedeln (Nyckelharpa) sowie eine Vielzahl von Trommeln und anderen Perkussionsinstrumenten bargen optische und klingende Überraschungen: "Guck mal, das sieht aus wie eine Laterne", so ein Mädchen aus dem Publikum über das Platerspiel mit der großen Blase unter dem Mundstück. Neugierig und offen für ungewohnte Optiken, aber dennoch vertraute Klänge lauschten die Besucher der mittelalterlichen Musik.

Von den "Visionäre(n) des Mittelalters" erzählte der 79-jährige Wolfgang Spindler, Gründer der Capella Antiqua Bambergensis, zwischen den Stücken zahlreiche Anekdoten und gab dem Publikum einen Einblick in das Denken und Erleben von Sultan Saladin, Richard Löwenherz, Walther von der Vogelweide und deren Zeitgenossen.

Mit Musik aus dem 10. bis 14. Jahrhundert und aus ganz unterschiedlichen Weltregionen, die sich schon vor etwa 1000 Jahren wechselseitig beeinflussten, begeisterten die Musiker: Orientalische Klänge trafen auf mittelhochdeutschen Minnegesang, spanische Trommelrhythmen auf Marienlieder aus klösterlichen Gesangbüchern.

Die Perkussionisten David Mayoral und Murat Coskun ließen die Finger gekonnt über die Felle ihrer Instrumente fliegen und entlockten ihren Trommeln eine unglaublich luftige Klangdiversität. Komplexeste Rhythmen, fließende Taktwechsel und ein fast schon melodisches Spiel mit unterschiedlichen Tonhöhen auf den Rahmentrommeln sowie sensible Aufmerksamkeit gegenüber ihren Mitspielern zeichneten ihr mitreißendes Spiel aus. Der Spanier Mayoral, der in der Vergangenheit unter anderem auch mit dem berühmten Jordi Savall musizierte, wechselte dabei immer wieder zwischen Perkussion und Santur (einer Art Hackbrett mit cembaloähnlichem Klang).

Die Capella Antiqua Bambergensis alias Familie Spindler (Vater Wolfgang, Söhne Andreas und Thomas, Schwiegertochter Anke) sowie Jule Bauer faszinierte mit vielseitigen Instrumentalklängen. Rasche Wechsel zwischen Streich-, Zupf- und Blasinstrumenten, von denen jeder der Musiker gleich mehrere beherrscht, eröffneten dabei ein reiches Klangspektrum. Jule Bauers prägnanter Gesang begeisterte die Zuhörer, auch wenn die Texte aufgrund der alten Dialekte kaum verständlich waren.

Der undogmatische, improvisatorische Umgang mit den überlieferten Quellen tat dem Konzert gut, und er verwies dezent immer wieder auf das, was Musik schon von jeher ausmacht und jenseits aller kulturellen Grenzen verbindet: Freude bei den Musizierenden und bei den Zuhörern.