Klingende Bäume

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mo, 04. September 2017

Klassik

Der zweite Klangparcours am Freiburger Waldsee steht bevor.

Natur und Musik – diese Beziehung wird nie ihre Magie verlieren. Im romantischsten Fall ist es wie bei des Freiherren von Eichendorffs "Mondnacht": "Es war, als hätt’ der Himmel/ Die Erde still geküsst(...) Es rauschten leis die Wälder, / So sternklar war die Nacht." Manchmal gesellen sich zum Rauschen der Wälder andere Töne, erzeugt auf Instrumenten, die sich als reine Naturmaterialien entpuppen. Und vielleicht werden Bäume zu ganz eigenen Klangkörpern. Wenn sie mit Saiten verbunden und diese in Schwingung versetzt werden. Wie beim Klangparcours am Freiburger Waldsee.

Nach der großen Resonanz auf die Veranstaltung im Vorjahr wird die Freiburger Mehrklang-Gesellschaft für Neue Musik am kommenden Wochenende ihr Projekt zum zweiten Mal ins Offene bringen: am Freitag in die Nacht hinein, am Sonntag in den Tag. Mit neuen Ideen und Überraschungen. "Das Konzept ist vergleichbar", sagt Mehrklang-Geschäftsführerin Beate Rieker. Seien im Vorjahr die leisen Klänge im Mittelpunkt gestanden, soll es nun mehr Musik geben. Zum Beispiel mit dem 60-köpfigen Südufer-Chor. Oder dem Freiburger Schlagzeugensemble. Gesine Bänfer und Ian Harrison spielen "neue alte Musik" – Stücke, die im Mittelalter avantgardistisch waren. Mit dem Titel ihrer Uraufführung gibt die Black Forest Percussion Group den Zuhörern eine Nuss zum knacken – oder einen Frosch? "Schaltung für 4 Knackfroschspieler" heißt das Auftragswerk aus der Feder von Adrian Nagel. Knackfrosch – nicht Knallfrosch.

Wieder ist das Programm von einem mehrköpfigen Team mit unterschiedlichem Background kompiliert worden, ein Umstand, auf den Beate Rieker stolz ist. Denn die Veranstaltung will kein Insider-Treffen für Avantgarde-Anhänger sein. "Uns ist wichtig, dass wir Stücke ausgewählt haben, die nicht die kratzbürstigen Neue-Musik-Klischees bedienen", sagt Rieker. Ziel sei zu zeigen, dass Neue Musik "sinnhaftig" oder auch bloß "schön" sein könne. Die Besucher erwarten zwölf Klangstationen, Solisten an ungewöhnlichen Orten, eine Klanginstallation von Matthias Kaul und Illuminationen. Am Sonntag dürfen die jüngeren Besucher sich auf eine Klangschnitzeljagd freuen. Gespielt wird bei jedem Wetter. Freilich, eine Mondnacht wäre wünschenswert – immerhin wird erst am Mittwoch zuvor Vollmond gewesen sein.

Klangparcours am Waldsee. Fr. 8.9., 19–24 Uhr; So. 10.9., 11–15 Uhr. Eintritt frei (Spenden erbeten). http://www.mehrklang-freiburg.de