Motivierendes Moment

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 08. Februar 2018

Klassik

Abschlusskonzert des Bach-Projekts unter Frank Markowitsch an der Freiburger Musikhochschule.

Ein ganzes Semester lang war barocke Chormusik ein Themenschwerpunkt an der Freiburger Musikhochschule. Auch unter dem Mitmachaspekt, der Nicht-Studierenden ein Mitsingen – und erstmals – Mitmusizieren im Orchester erlaubte. Ein schöne Idee des Initiators Frank Markowtisch, dem als Professor für Chorleitung an unkonventionellen, interdisziplinären Projekten gelegen ist.

Und so war auch das Abschlussprojekt mit zwei Werken von Telemann und Händel in der Musikhochschule – und tags zuvor in Müllheim – ein kleines joint venture: mit einem erweiterten Chor und professioneller Verstärkung des Barockorchesters der Hochschule durch Brigitte Täubl und Gottfried von der Goltz – der eine Professur für Barockvioline hier innehat – vom Freiburger Barockorchester. Dass historische Aufführungspraxis nicht nur an Fragen der Stimmung, Phrasierung und Artikulation gekoppelt, sondern insbesondere durch das – jeweilige – historische Instrumentarium determiniert ist, unterstrich der Abend.

In Georg Philipp Telemanns wirkungsvoller Donnerode, einer mutmaßlichen Reaktion auf das verheerende Erdbeben von Lissabon anno 1755, spielen naturgemäß Bläser und natürlich auch die Pauken eine wichtige Rolle. Sebastian Stetter lässt diese vom äußersten Pianissimo bis ins wildeste Forte tremolieren und setzt der Aufführung das rhythmische Tüpfelchen aufs i. Bei den Bläsern ist Konrad Boemkes reines Hornspiel hervorzuheben.

Zu großer Form laufen die Streicher in Händels "Dixit Dominus" auf. In der Einleitung zu "De torrente in via bibet" verbinden sich scharfe Klangspaltungen mit weicher Bogenführung; überzeugend auch die Ostinato-Figuren zuvor in "Dominus a dextris". Das hat professionelle Qualität. Solches lässt sich auch vom Chor behaupten, dem Frank Markowitsch eine sehr einheitliche, von Transparenz gezeichnete Gestalt verliehen hat. Gerade auch beim Händel-Schlusschor im Wechsel mit den Solisten zeigt sich die Güte der Interpretation. Die Soloparts sind bei den beiden (auch sich mit gutem Mischklang verbindenden) Sopranistinnen Felicitas Frische und Andrea Nübel, den Altistinnen Joanna Jaworowska und Lara Morger sowie den beiden Bässen Francesc Ortega Martí und Anelio Gibrán gut aufgehoben. Und von Frank Markowitschs bezugsreichem Dirigat geht ein motivierendes Moment aus. Vielleicht ist es ja nur ein Zufall: Die Telemann-Arie "Fallt vor ihm" erinnert in ihrem Hauptthema stark an das "Es ist genug" aus Mendelssohns "Elias". Der steht – zum vormerken – als nächstes Mitsing-/Werkstattprojekt Markowitschs im Juni auf dem Programm.